Das sind die 9 spannendsten Neuzugänge der National-League-Klubs
Was macht einen Neuzugang bei einem National-League-Team spannend? Einerseits sicher das Talent oder die Spielveranlagung. Ist es ein Spieler, der die Zuschauer mit Spektakel von den Sitzen reisst, oder einer, der die Gegner mit krachenden Checks das Fürchten lehrt? Ein Neuzugang kann aber auch spannend sein, weil er bei seinem neuen Klub in eine spezielle Situation eingefügt wird. Bei unseren 9 spannendsten Neulingen in dieser Saison, findest du eine Mischung aus beidem.
Ludovic Waeber 🇨🇭
Fribourg-Gottéron
Ludovic Waeber ist in einer interessanten und nicht einfachen Situation. Der verlorene Sohn ist zu Fribourg-Gottéron nach Hause zurückgekehrt. Dort tritt er allerdings in riesige Fussstapfen. Reto Berra hat im Frühling seine Karriere gekrönt und Gottéron mit fantastischen Leistungen in den Playoffs zum ersten Titel seiner Klubgeschichte gehext.
Darum ist die Verpflichtung Waebers, die schon lange vor dem Gottéron-Triumph feststand, so interessant. Der 30-Jährige steht unter massivem Leistungsdruck. Das ist für ihn zwar keine neue Situation – Druck hatte er auch, als er bei den ZSC Lions unterschrieb. Dort zeigte er zwar ordentliche Leistungen, wurde aber trotzdem von ausländischen Goalies verdrängt. Zuerst von Jakub Kovar, dann von Simon Hrubec. Ein anderes Problem: Waeber ist verletzungsanfällig und verpasst immer wieder Spiele. Das könnte Gottéron in die Bredouille bringen, zumal Loic Galley als Nummer 2 hinter Berra nicht überzeugte, und Elijah Neuenschwander ist hochtalentiert, aber auch noch sehr jung.
Ken Jäger 🇨🇭
HC Davos
Erste Saison beim neuen Klub und sogleich Captain – auch Ken Jäger in Davos wird diese Saison unter Leistungsdruck stehen. Die letzte Saison in Lausanne missriet dem dreifachen Vize-Weltmeister gründlich: Nur neun Skorerpunkte in 40 Spielen sind deutlich zu wenig (zuvor zwei Mal in Serie 28 Punkte in 51 Spielen). Es scheint, als hätte ihn die Unterschrift in Davos noch vor dem Saisonstart doch irgendwie belastet.
Eine ähnliche Baisse kann er sich in Davos nicht leisten. Ein Teil der HCD-Fans war bereits etwas überrascht, dass der Neuling (auch wenn er in Davos das Hockeyspielen erlernt hat) bereits Captain ist. So muss er also den nach Tschechien zurückgekehrten Matej Stransky ersetzen. Als emotionaler Leader auf und neben dem Eis kann er sicher eine ähnliche Rolle einnehmen. Dass Jäger aber über 50 Punkte skort, ist doch unwahrscheinlich – auch wenn er mit Filip Zadina bereits bestens harmoniert.
Dominik Egli 🇨🇭
HC Davos
Dominik Egli ist zurück in Davos. Nach zwei Lehrjahren bei Frölunda in Schweden ist der Thurgauer an seine vorherige Wirkungsstätte in der National League zurückgekehrt. Seine Rolle in Davos ist natürlich eine offensive – Egli läuft immer wieder tief in die gegnerische Zone und verteilt die Scheiben im Powerplay.
Doch in seinen Jahren in Göteborg hat der 28-Jährige sein Spiel auch abgerundet und seine defensiven Sinne geschärft. Dass er tatsächlich nicht mehr gleich eindimensional ist wie vor seinem schwedischen Gastspiel, hat er im Mai auch an der Heim-WM in Zürich gezeigt. Dort hat er auch bewiesen, dass er mittlerweile auch in der Lage ist, auf internationalem Top-Niveau physisch mitzuhalten.
Kevin Labanc 🇺🇸
SCRJ Lakers
Kevin Labanc ist auch ein Prüfstein für Lakers-Sportchef Claudio Cadonau. Der 31-Jährige hatte die schwierige Aufgabe, den zum ZSC abgewanderten Malte Strömwall zu ersetzen. Die Patrone Labanc muss sitzen, denn Cadonau hat von seinem Vorgänger Janick Steinmann mit Victor Rask, Tanner Fritz und Nicklas Jensen ein enttäuschendes ausländisches Sturmtrio geerbt.
Labanc muss in Rapperswil vor allem Tore und Assists liefern. Dass er das kann, hat er in der NHL gezeigt, wo er in seiner besten Saison 56 Punkte in 82 Spielen gesammelt hat. Das war allerdings 2018/19 und ist schon eine Weile her. Der US-Amerikaner gilt als guter Spielmacher, könnte also gut mit Tyler Moy harmonieren. Auch seine physischen Limiten – er hatte schon diverse Verletzungen und scheut darum etwas vor Körperkontakt zurück – sollten in der National League weniger ins Gewicht fallen als in Nordamerika oder in der KHL.
Rodrigo Abols 🇱🇻
SC Bern
In seinen zwei Jahren in der NHL (Philadelphia Flyers) war Rodrigo Abols nur ein Ergänzungsspieler. Trotzdem hat er das Potenzial, in Bern zum Publikumsliebling zu werden – als eine Art Simon Moser Lettlands. Abols kann sowohl als Center als auch als Flügel spielen, ist gross und kräftig und bringt viel Energie ins Spiel. Er geht vors Tor oder hobelt der Bande entlang in den Zweikämpfen und ist gleichzeitig auch in der eigenen Zone verlässlich.
Er hat aber auch die Tendenz, phasenweise für mehrere Spiele abzutauchen. In der vierten Linie eines NHL-Sturms ist das noch eher verkraftbar als in der National League, wo die ausländischen Spieler Abend für Abend liefern sollten. Man darf zudem gespannt sein, wie gut er das läuferische Tempo in der Schweizer Liga mitgehen kann.
Sonny Milano 🇺🇸
SC Bern
Das Gegenstück zu Rodrigo Abols ist Sonny Milano. Der Flügelstürmer wird viel Tempo und technische Raffinesse ins Spiel bringen. Phasenweise hat er in Anaheim auch die NHL verzaubert mit seiner Kreativität und seinen Kabinettstückchen. Sein Volley-Treffer auf Pass von Trevor Zegras von hinter dem Tor wird für immer ein Stück NHL-Geschichte bleiben.
Die Genialität kommt natürlich nicht ohne irgendwelche Abstriche. In der eigenen Zone ist Milano oft ein Risiko, zudem versucht er es manchmal zu sehr auf eigene Faust und verliert dann unnötig Scheiben. Und er schlägt sich immer wieder mal mit Verletzungen herum. Grundsätzlich verspricht der Amerikaner aber jede Menge Spektakel. Nur: Das tat in den letzten Jahren noch so mancher SCB-Neuzuzug, nur um dann in der Bundesstadt die schlechteste Saison der Karriere einzuziehen. Und wenn Bern die Playoffs erreicht, erwarte, dass Milano dann abtaucht.
Olle Lycksell 🇸🇪
HC Lugano
Vier Jahre lang hat Olle Lycksell versucht, sich in der NHL zu etablieren. Insgesamt hat er es in dieser Zeit aber nur auf 52 Spiele gebracht, darum macht der schwedische Stürmer jetzt in Lugano einen Neuanfang. In seiner Zeit in der AHL hat Lycksell stets überzeugt, nur eine Stufe höher konnte er sein Spiel nicht nach Wunsch umsetzen.
Für die National League hat er hingegen beste Voraussetzungen. Er ist schnell, hat feine Hände und einen gefährlichen Handgelenkschuss. Gleichzeitig verfügt er auch über die nötige Übersicht, um seine Teamkollegen mit Pässen zu bedienen. Was ihn für Lugano besonders interessant macht? Er ist ein Spieler, der in den Playoffs meist noch eine Schippe drauflegen kann.
Vinzenz Rohrer 🇦🇹
EV Zug
Nach zuletzt vielen erfolglosen Jahren versuchte der EVZ diesen Sommer, die mürrischen Anhänger etwas zu beruhigen. Einerseits mit einer Aussprache zwischen Klubführung und Fans und andererseits mit der Verpflichtung von Vinzenz Rohrer.
Das Talent des Österreichers ist unbestritten. Als 21-Jähriger sammelte er bei den ZSC Lions in 52 Spielen schon 25 Punkte und war bei zwei Meistertiteln bereits ein Schlüsselspieler und Publikumsliebling. Nachdem letzte Saison der Nordamerikatraum früh geplatzt war, fand er allerdings nicht mehr zu dieser Form zurück. Nun folgt in Zug ein neues Kapitel – vorerst noch leihweise von den Montreal Canadiens. Zug hofft natürlich darauf, dass Rohrer seine Form von den ZSC-Titeln wiederfindet – wenn er zu gut spielt, könnte er aber auch bald wieder in Nordamerika sein.
Victor Söderström 🇸🇪
EHC Biel
Victor Soderström galt einst als einer der besten Verteidiger seines Jahrgangs. 2019 wurde er im NHL-Draft an elfter Stelle und als vierter Verteidiger nach Bowen Byram, Moritz Seider und Philip Broberg gezogen. Im Chaos der Organisation der Arizona Coyotes entwickelte er sich aber nicht wie erhofft weiter und konnte sich auf NHL-Niveau nie durchsetzen.
So setzt der Schwede seine Karriere nun beim EHC Biel fort. Söderström ist ein Alleskönner. Er besitzt herausragende läuferische Fähigkeiten und trifft in der Defensive oft die richtigen Entscheidungen. Er spielt aber auch mit viel Intensität und Ehrgeiz und verfügt auch über einen guten Schuss. Auch wenn es nicht für die NHL gereicht hat, so hat Söderström bei einem kurzen Gastspiel in Brynäs (37 Punkte in 49 Spielen in der Saison 2024/25) bewiesen, dass er in Europa ein absoluter Spitzenspieler sein kann.
Auf welche Neuzugänge freust du dich in dieser Saison besonders? Schreib es uns in die Kommentarspalte.
