Zug, Bern und Servette – drei taumelnde Titanen
Alle drei enttäuschten letzte Saison, alle drei sind Titanen des Geldes und des Talentes mit dem Potenzial für mindestens eine direkte Playoff-Qualifikation (6.). Aber alle drei taumeln mit einem neuen Trainer und ungelösten Problemen zwischen sportlicher Renaissance und Absturz in die neue Saison. Garantiert ist nur eines: beste Unterhaltung.
EV Zug Mit Intensität auf dem Eis gegen die latente Führungskrise
Die Frage ist nicht, ob Zug genug Talent für eine Rückkehr in die Spitzengruppe hat. Die Frage ist, ob es gelingt, die Führungskrise von der Kabine fernzuhalten.
Zu viel Geld und zu viel Erfolg haben die sportliche Seele verdorben. Die Zuger sind nach den zwei Titeln von 2021 und 2022 hoffärtig geworden. Meistertrainer Dan Tangnes spürte es als erster und verabschiedete sich im Frühjahr 2025 aus einem laufenden Vertrag in seine schwedische Heimat. Sein Nachfolger Michael Liniger hatte in der vergangenen Saison keine Chance. Seine Männer bildeten nie eine verschworene Einheit. Zu viele Egos, zu viele «fat cats» («fette Katzen») auch auf den Ausländer-Postionen und vor allem zu viel Unmut über die «Kasernierung» im Hochleistungssportzentrum OYM.
Folgerichtig sind die hohen Erwartungen im letzten Frühjahr zum vierten Mal hintereinander nicht erfüllt worden und nach der schwächsten Qualifikation seit 2013/14 ist es erstmals seit dem Sommer 2014 zum «House Cleaning» gekommen: Neuer Geschäftsführer (Paolo Duca für Patrick Lengwiler), neuer Sportchef (Ted Suihkonen für Reto Kläy), neuer Trainer (Lauri Marjamäki für Michael Liniger).
Die tiefgreifenden Veränderungen erfolgten also auf der Führungsebene und nicht beim spielenden Personal. Aber die Führungskrise mottet unter der Oberfläche weiter: Der neue Sportchef Ted Suihkonen hat seine Autorität mit dem Versuch verspielt, den neuen Trainer Lauri Marjamäki schon vor dem Amtsantritt wieder abzusägen. Und der neue Geschäftsführer Paolo Duca muss eine Doppelbelastung schultern: Ihm obliegt auch die Führung der Sportabteilung und die Frage ist, ob er auf Dauer Diplomat bleiben und mit Engelszungen reden kann. Was seiner Art eigentlich nicht entspricht. Die Abhängigkeit von Präsident Hans-Peter Strebel ist geblieben, die Verbindung mit seiner ungeliebten Spassbremse OYM auch.
Die lose Interessengemeinschaft, die im letzten Frühjahr nur noch den 8. Platz erreicht hat, ist zwar auf den zentralen Positionen weitgehend gleichgeblieben. Kult-Torhüter Leonardo Genoni hat bis 2030 verlängert, die Abwehr ist durch einen dritten (!) ausländischen Verteidiger ergänzt worden und Problem-Leitwolf Jan Kovar bleibt weiterhin Captain.
Die entscheidende Verbesserung: Mit Vinzenz Rohrer ist ein Prestige-Transfer geglückt – ein teurer, hochkarätiger Powerstürmer mit enormer Intensität. Auch Rico Gredig und Chris Egli sind Energiestürmer. Die offensive Feuerkraft des Trios ist zwar überschaubar. Aber die drei Neuzuzüge sorgen mit ihrer Energie und Intensität für Raum und Zeit für ihre hochkarätigen, technisch besseren Mitspieler. Dominik Kubalik hat das Potenzial zum Liga-Torschützenkönig, Grégory Hofmann kann bester Schweizer Skorer der Liga werden. Das Talent reicht insgesamt bei weitem, um in die Spitzengruppe zurückzukehren.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Das bedeutet: Ob Zug in die Spitzengruppe zurückkehren wird, hängt davon ab, ob es Duca gelingt, die Turbulenzen auf der Führungsebene von der Kabine und dem Eis fernzuhalten. Wenn Trainer Marijamäki aus einer von Jungmillionären angeführten Interessengemeinschaft ein Team formen kann, wenn nach einem turbulenten Sommer der innere Friede zurückkehrt und sich alle auf die Mission «Make Zug Great Again» begeben, dann ist ein Spitzenplatz möglich. Zug ist ein Titan, der durch eine Führungskrise taumelt, die nach wie vor latent über allem schwebt.
Wegen Ausbauarbeiten am Zuger Hockey-Tempel muss der EVZ zunächst acht Mal auswärts antreten. Ein Vorteil bei einem so heiklen Neuanfang: Die Ausreden sind wohlfeil, die wahre Bewährungsprobe beginnt mit dem ersten Heimspiel am 23. Oktober gegen Lausanne.
Entlassungsgefahr für den Trainer
Hoch.
Kloten wollte Lauri Marjamäki nicht mehr und war glücklich, ihn aus einem laufenden Vertrag nach Zug abgeben zu können – und Zug war glücklich, dass Kloten den gefeuerten Michael Liniger übernahm: So musste er nicht mehr bezahlt werden. Marjamäki ist also trotz Zweijahres-Vertrag kein Wunschtrainer. Er sollte den Sirenengesängen von Demut und Geduld nicht trauen. Er wird, wenn die Resultate ausbleiben, als erster in die Kritik geraten.
Wichtigste Zuzüge
Vinzenz Rohrer (ZSC Lions), Chris Egli, Rico Gredig (Davos), Schweizer Lizenz für Nik Christian Petrovic.
Wichtiger Abgang
Keiner.
Transferbilanz
Positiv.
Potenzial
Mit Spektakelhockey in die Spitzengruppe (3. Rang) – oder freier Fall auf Rang 10. Genug Talent für eine Spitzenklassierung, aber Fragen um den Frieden in der Kabine machen Zug zu einem der unberechenbarsten Teams der Liga. Ein Titan, der – wie Servette und der SCB – zwischen sportlicher Renaissance und Absturz in die neue Saison taumelt.
Eismeister-Tipp
Rang 4.
SC Bern Wieder nach oben oder in die nächste Krise – aber wenigstens mit Vollgas
Der SC Bern steht nach sieben sportlich miserablen Jahren vor einem Neubeginn und dem grössten Stilwechsel der Neuzeit. Mit viel talentiertem Personal und erstmals seit Leonardo Genoni wieder mit einer charismatischen Nummer 1 im Tor.
Sieben Jahre sind seit der letzten Meisterfeier im Frühjahr 2019 vergangen. Seither haben die Berner keine einzige Playoff-Serie gewonnen und im letzten Frühjahr erlitten sie die Mutter aller Demütigungen: Scheitern im Pre-Playoff gegen die Lakers.
Die Folge ist eine tiefgreifende Erneuerung: Neuer Bürogeneral, neuer Trainer, neuer Goalie, drei neue Ausländer und ein Stilwechsel. Es gibt eine Parallele zum letzten ähnlichen Umbruch, als Marc Lühti 1998 als Manager den SCB übernommen hat: Damals erkannte Lüthi als oberster Chef, dass der Sport viel zu wichtig ist, um ihn den verschiedenen Ober-, Unter-, Neben- und Schattensportchefs zu überlassen. Er mischte sich in alle wichtigen sportlichen Entscheidungen ein und er hat Trainer auch mal eigenmächtig auf die Strasse gestellt.
Erst nach 2019, nach drei Titeln in vier Jahren, kümmerte sich Lüthi nicht mehr um den Sport. Erst recht nicht mehr, als es darum ging, die überdimensionierte Gastronomie-Abteilung durch die Corona-Pandemie zu bringen. Mit den bestbekannten sportlichen Folgen durch personelle Fehlentscheidungen in der Sportabteilung.
Sein Nachfolger Jürg Fuhrer hat nicht nur die SCB-Gastronomie «durchgekämmt». Er führt als oberster Chef auch die Sportabteilung an der kurzen Leine. Wohlwissend, dass alles mit dem Auftreten der Mannschaft steht und fällt.
Der Neuanfang und der Stilwechsel sind mit allerlei Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Der wichtigste Entscheid ist die Abkehr vom skandinavischen Schablonenhockey und die Rückkehr zum geradlinigen nordamerikanischen «Vollgas-Energiehockey», das ohnehin in der DNA des Klubs tief verankert ist. Mit dem dazu passenden nordamerikanischen Trainer: Mit Serge Aubin übernimmt ein smarter und erfolgsverwöhnter Kanadier (zuletzt fünf Titel in sieben Jahren mit den Eisbären Berlin) einen der schwierigsten Jobs im europäischen Hockey.
Seit 2016 (Lars Leuenberger) sind alle Cheftrainer, die Nothelfer ausgenommen, vor Vertragsablauf verabschiedet worden. Serge Aubin hat einen Dreijahresvertrag (bis 2029). Mit dieser – gemessen an den SCB-Zuständen – biblischen Vertragsdauer unterstreicht das neue Management den Willen, unter absolut allen Umständen, definitiv und ganz, ganz sicher am Trainer festzuhalten.
Der Stilwechsel war bereits in den Vorbereitungspartien gut zu erkennen: Das Spektakel findet entweder vor dem gegnerischen oder vor dem eigenen Tor statt und das Spiel wird nicht mehr mit Schablonenhockey in der neutralen Zone blockiert. Die Umstellung erfordert Zeit, das Timing ist nicht einfach. Aber es rockt, die Unterhaltung ist gut, sie sollte allerdings nicht durch zu viele Niederlagen getrübt werden. Der SCB ist ein Titan, der auf einer unsicheren Basis zwischen Rückkehr zur Spitzengruppe und Absturz in den Tabellenkeller in die Saison taumelt.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
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Er ist
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Er kann
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Erwarte
Was hilft: Mit Connor Hughes hat der SCB erstmals seit dem Wegzug von Leonardo Genoni im Sommer 2019 wieder einen Torhüter mit Schweizer Pass und Lizenz und Charisma. Nun spielt Bern wieder permanent mit sechs ausländischen Feldspielern.
Die sechs Ausländer, die pro Partie eingesetzt werden können, spielen beim Stilwechsel eine zentrale Rolle. Die Mannschaft hat viele ungeschliffene Diamanten (u.a. Dionicio, Füllemann, Rhyn, Alge, Graf, Grossniklaus, Mottard, Schild). Es obliegt dem ausländischen Personal, dieses Potenzial zu strukturieren und die Mittelachse zu stabilisieren.
Keiner symbolisiert das Hoffen und Bangen so gut wie Rodrigo Abols. Der lettische Riese ist im September noch der langsamste Ausländer der Liga. Aber wenn er sich zügig und ohne Hast an unser Tempo- und Laufhockey anzupassen vermag, dann kann er mit Wasserverdrängung, Reichweite, Schlauheit und Bully-Qualität das SCB-Spektakel stabilisieren.
Entlassungsgefahr für den Trainer
Gering.
Nach den Turbulenzen mit acht Trainern in den letzten sieben Jahren (Jalonen, Kossmann, Nachbaur, Kogler, Lundskog, Söderholm, Tappola, Ehlers) wird auch aus finanziellen und klubpolitischen Gründen alles darangesetzt, den Trainer bis zur Schmerzgrenze im Amt zu halten. Serge Aubin darf mit schier unendlicher Geduld und einer hochentwickelten Ausredenkultur rechnen. Mindestens so wichtig wie die Resultate: Er muss dazu in der Lage sein, die jungen Spieler weiterzuentwickeln. Zur Auflockerung noch eine Quizfrage: Welcher Trainer und welcher Sportchef haben zuletzt einen Titel für den SCB geholt? Die Antwort: Mario Kogler und Florence Schelling mit dem Cupsieg 2021.
Wichtigste Zuzüge
Torhüter Connor Hughes (Lausanne), Mittelstürmer Rodrigo Abols (Philadelphia), Verteidiger Rodwin Dionicio (Biel).
Wichtigster Abgang
Verteidiger Romain Loeffel (Lausanne).
Transferbilanz
Positiv.
Potenzial
Mit Spektakelhockey direkt in die Playoffs (6.) – oder freier Fall auf Rang 10. Der SCB steht am Anfang eines hockeytechnisch richtigen Weges, bleibt aber vorerst eines der unberechenbarsten Teams der Liga und – wie Zug und Servette – ein Titan der zwischen sportliche Renaissance und Absturz in die neue Saison taumelt. Und die Frage ist berechtigt: Wenn der SCB den Turnaround jetzt nicht schafft – wann dann?
Eismeister-Tipp
Rang 6.
Servette Meisterteam ohne meisterliche Leistungskultur
Einer der berühmtesten Bandengeneräle Europas hat den Auftrag, eines der talentiertesten und teuersten Teams der Liga an die Spitze zurückzuführen. Aber er hat zwei Probleme.
Nach einer fahrlässig verschenkten letzten Saison sind die Erwartungen hoch. Bereits im letzten Herbst hat Sam Hallam – zu diesem Zeitpunkt schwedischer Nationaltrainer – bei Servette einen ab dieser Saison laufenden Dreijahresvertrag bis 2029 unterschrieben. Die Wartezeit sollte der Operetten-Trainer Yorick Treille überbrücken. Nach seiner frühen Entlassung Anfang Oktober hat Ville Peltonen (neu bei Ajoie) die Saison mit einem Viertelfinal-Triumph über Lausanne halbwegs gerettet.
Von Hallam wird mehr erwartet. Er hat zwar als Nationaltrainer versagt und bei der WM in Zürich die Mutter aller Niederlagen eingefahren: Schweden hat zum ersten Mal in der Geschichte ein K.o.-Spiel gegen die Schweiz verloren. Servettes neuer Bandengeneral geht als einer der erfolglosesten schwedischen Nationaltrainer in die Geschichte ein (zweimal WM-Bronze in vier Jahren).
Aber zuvor war er in Schweden als Klubtrainer erfolgreich (Meister 2015, 2018 und 2021) und er gilt als einer der berühmtesten Trainer in Europa. Damit er bei seinem ersten Abenteuer im Ausland mit unserer Mentalität besser zurechtkommt, dient ihm Marco Bayer, Meister und Gewinner der Champions League mit den ZSC Lions, als Assistent. So hochkarätig ist ligaweit kein anderes Bandenkommando zusammengestellt worden.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
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Erwarte
Hallam und Bayer übernehmen theoretisch einen Titelfavoriten. Die Ausländerpositionen sind exzellent besetzt, die blaue Linie ist eine der spektakulärsten, die Mittelachse an einem guten Abend eine der besten der Liga – und wenn Tanner Richard wieder fit ist, die beste. Es fehlt weder an Tempo noch an Talent oder Wasserverdrängung. Alles perfekt also?
Nein, es gibt zwei Probleme: Eine defensive und sonstige Larifari-Mentalität und zwei Torhüter, die letzte Saison nicht mehr ihr bestes Hockey spielten. 147 Treffer kassierte der Meister von 2023 und Triumphator der Champions League von 2024. Mehr als die ZSC Lions, Davos, Gottéron, Lausanne, Lugano, Zug, Bern und Kloten und gleich viele wie Langnau und Biel. Gefühlt war seit Einführung der Playoffs (1986) noch nie eine so teure und talentierte Mannschaft defensiv so nachlässig.
Kritiker monieren zu wenig Biss und Disziplin. Diese Schwäche konnten die beiden Goalies Stéphane Charlin und Robert Mayer nicht kompensieren. Weil die wichtigste Transfer-Rechnung nicht aufgegangen ist: Charlin hatte sich in Langnau ab 2022 vom übergewichtigen, verlorenen Talent zum besten Torhüter und MVP der Liga sowie zum WM-Silberhelden 2025 entwickelt. Nach dem Wechsel zurück nach Genf zu einem Spitzenteam hing der Himmel im Sommer 2025 nach den ersten NHL-Anfragen voller Geigen: Bei Servette noch besser werden und mit überzeugenden Auftritten beim Olympischen Turnier und der WM 2026 in Zürich ein Wechsel in die NHL.
Die Zuversicht war ein Irrtum. Die Fangquote ist letzte Saison stark zurückgegangen, kein Aufgebot fürs Olympia- und WM-Team. Ob der Rückschritt seinen Vordermännern, dem guten Leben oder dem milden «Leistungsklima» in Genf geschuldet ist, spielt keine Rolle. Wenn wir in der neuen Saison nicht den wahren Stéphane Charlin sehen, haben alle ein Problem: Er, Trainer Sam Hallam und Sportchef Marc Gautschi. Aus Robert Mayer, dem Meisterhelden von 2023 ist eine loyale Nummer 2 im Spätherbst der Karriere gewoden. Servette ist ein Titan, der auf defensiv tönernen Füssen in die neue Saison taumelt.
Entlassungsgefahr für den Trainer
Nicht zu unterschätzen.
Sam Hallam hat zwar als Nationaltrainer nicht funktioniert, aber seine Referenzen als Klubtrainer sind formidabel. Mit Marco Bayer hat er einen Assistenten, der ihm die besondere Leistungskultur in Genf verständlich machen kann. Aber zu sehr sollte er die offensiven finnischen Freigeister nicht in eine taktische Schablone zwängen und er sollte sich bewusst sein, dass er mit Bayer nicht nur den perfekten Assistenten sondern auch den idealen Nachfolger an seiner Seite hat: Er hatte in Zürich als Ersatz für den aus gesundheitlichen Gründen nach Hause zurückgekehrten Marc Crawford Meistertitel und Champions League gewonnen. Weil Geld in Genf keine Rolle spielt, ist der Dreijahresvertrag keine «Lebensversicherung». Muss Sam Hallam gefeuert werden, ist auch Sportchef Marc Gautschi seinen Job los.
Wichtigster Zuzug
Verteidiger Ramon Untersander (SC Bern).
Wichtigster Abgang
Verteidiger Tim Berni (ZSC Lions).
Transferbilanz
Ausgeglichen.
Potenzial
Mit offensivem Spektakelhockey in die ersten drei Ränge – oder freier Fall bis auf Rang 10. Genug Talent für den Titelgewinn, aber Fragen um die defensive Stabilität machen Servette zu einem der unberechenbarsten Teams der Liga. Ein Titan, der – wie Zug und der SCB – zwischen sportlicher Renaissance und Absturz taumelt.
Eismeister-Tipp
Rang 8.
Für alle, die den Kick suchen
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.
Das ganze Programm von 3+ Adrenalin findest du hier.
