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Der Fanmarsch der FCZ-Fans durch die Berner Altstadt, angeführt von unzähligen Vermummten. Bild: Keystone

Beteiligung an Sicherheitskosten

SFV zahlt der Stadt Bern nach Ausschreitungen am Cupfinal 200'000 Franken – keine Länderspiele mehr im Stade de Suisse?

Der Schweizerische Fussballverband will sich an den Sicherheitskosten der Stadt Bern für den Cupfinal 2014 beteiligen. Das Verhalten einiger Fans vor der Partie bezeichnet der SFV als «schädlich für den Fussball».



«Wir fühlen uns in Bern zurzeit nicht willkommen», stellte Verbandspräsident Peter Gilliéron am Donnerstag vor den Medien fest. Wo der Cupfinal 2015 stattfinde, werde aber erst frühestens Ende 2014 entschieden. Die Länderspiele der Nationalmannschaft würden fortlaufend nach «verschiedenen Kriterien» an die Städte verteilt. 

Gilliéron und SFV-Generalsekretär Alex Miescher hatten sich am Donnerstag morgen mit Stadtpräsident Alexander Tschäppät, dem Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause und dem regionalen Polizeichef Manuel Willi zu einer Aussprache getroffen. Dabei ging es um die Gewaltakte von Zürcher Fans am Rand des Cupfinals vom Ostermontag.

Der Fanmarsch der FCZ-Fans durch die Berner Altstadt, vor dem Cupfinal zwishcen dem FC Basel und dem FC Zuerich, am Ostermontag, 21. April 2014 in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Fans of FC Zurich march through the streets of Bern, prior to the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and FC Zurich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, April 21, 2014. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Die Anhänger des FC Zürich marschieren geschlossen zum Stade de Suisse. Bild: Keystone

«Emotionales Gespräch»

 Sicherheitsfragen sorgten für leere Ränge am Cupfinal 

Am Cupfinal 2014 blieben Tausende Plätze im Stade de Suisse leer - nur 23'312 Zuschauer verfolgten das Spiel vor Ort, so wenig wie nie seit 2004. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hat dafür mehrere Gründe. Generalsekretär Alex Miescher wies am Donnerstag vor den Medien darauf hin, dass viele Tickets gar nie in den Verkauf gelangten. Die Ecksektoren blieben aus Sicherheitsgründen gesperrt, «um eine Durchmischung von Ultras und Normalos zu verhindern». Weiter gab es gar keinen breiten öffentlichen Verkauf etwa via Ticketcorner. «Ich wollte verhindern, dass man sich zum Beispiel in Dresden - einer Stadt, wo wir auch schon Probleme hatten - mittels Print-at-Home 20 Tickets ausdrucken konnte.» Alle Tickets seien entweder über den Fussballverband oder über die zwei Cupfinalisten abgesetzt worden. Der FC Basel und der FC Zürich hätten dann kurz vor dem Final unverkaufte Tickets zurückgegeben. Erst ganz zum Schluss habe es während weniger Tage einen öffentlichen Verkauf an Bahnhofschaltern und in den Filialen eines Warenhauses gegeben. (sda)

«Wir haben einander die Meinung gesagt», sagte Gilliéron. «Es war ein emotionales Gespräch», bestätigte Nause auf Anfrage. Dass Gilliéron am Schluss eine Beteiligung an den Sicherheitskosten von total schätzungsweise 500'000 Franken zusagte, sei «sicher positiv» zu werten. Der SFV stehe damit zu der getroffenen Abmachung.

Gilliéron betonte, er habe die Kostenbeteiligung «ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und ohne Präjudiz» zugesagt und brauche dafür noch das grüne Licht des Zentralvorstandes. Mit dem Geld würden nicht etwa Schäden gedeckt; die Zahlung erfolge vielmehr in Anerkennung der guten Arbeit der Polizei.

Dem Cupfinal 2014 war ein tagelanges Seilziehen vorausgegangen. Schliesslich einigten sich der SFV, die Stadt Bern und die Cupfinalisten FC Basel und FC Zürich auf eine umfassende Vereinbarung, die auch bewilligte Fanmärsche vorsah. Beim Marsch der FCZ-Fans durch Bern kam es darauf zu zahlreichen Sachbeschädigungen.

«Tatverantwortung bei den Tätern»

SFV-Generalsekretär Miescher machte deutlich, dass er ein ähnliches Hickhack um die Spielbewilligung nicht nochmals mitmachen wird. «In den letzten Wochen schien es, als hätten Peter Gilliéron und ich die Schaufensterscheiben eingeschlagen.» Dabei liege die Tatverantwortung nach wie vor «bei den Tätern».

Generell trage nicht der SFV die Verantwortung für die Sicherheit in der Stadt, sondern die Polizei. Der SFV habe vielmehr eine «Präventionsverantwortung», die der Verband ebenso nachkomme wie der Aufgabe, mit der Polizei zusammenzuarbeiten und sie zu unterstützen.

Verbandspräsident Gilliéron liess offen, wo künftig der Cupfinal stattfinden wird. Generalsekretär Miescher machte deutlich, dass er 2015 kaum Bern als Standort vorschlagen wird - und er dankte auf eine Journalistenfrage hin der Stadt Genf für ihr Interesse an einer Übernahme des Anlasses.

Nause: «Cupfinal nicht um jeden Preis»

«Bern will den Cupfinal nach wie vor», betonte Sicherheitsdirektor Nause auf Anfrage - «aber nicht um jeden Preis.» Zweimal nacheinander habe man jetzt «Scherben zusammensammeln» müssen. «Das war zweimal eine schwierige Situation vor allem für die Bevölkerung in der unteren Altstadt.»

Die politische Aufarbeitung des Cupfinals 2014 sei nach dem Gespräch mit dem Verband für ihn abgeschlossen, stellte Nause fest. Die Strafverfolgung sei hingegen noch im Gang. Die Polizei hatte am Ostermontag insgesamt 45 Personen festgenommen. Sie will mehrere Dutzend Fans zur Anzeige bringen. 

Der Cupfinal vom Ostermontag, der mit einem 2:0-Sieg des FC Zürich gegen Basel endete, hatte in Bern für Unmut gesorgt. Zürcher Fans richteten auf dem Weg ins Stadion beträchtlichen Sachschaden an und plünderten ein Geschäft in der Altstadt.

Die Berner Stadtregierung bezeichnete die Gewaltakte als inakzeptabel. Ob sie den Cupfinal im Stade de Suisse nächstes Jahr wieder bewilligen wird, liess sie bislang offen. Die Berner Behörden haben dank dem verschärften Hooligan-Konkordat neuerdings die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen für Hochrisikospiele festzulegen und allenfalls die Bewilligung zu verweigern.

Der «Blick» zitiert Gilliéron, dass man sich derzeit in Bern «nicht gerade wohl» fühle. «Länderspiele und Cupfinals wollen wir dort spielen, wo wir uns willkommen fühlen.» (ram/kub/sda)

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