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Infantino verteidigt die FIFA – und greift seine Kritiker frontal an

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FIFA-Präsident Gianni Infantino.Bild: keystone

Keine Reue, viel Trotz – Infantino geht zum Gegenangriff über

Eine Woche nach dem WM-Final setzt FIFA-Präsident Gianni Infantino zu einem Rundumschlag an. Kritik am Turnier weist er in scharfem Ton zurück. Derweil überlegt sich der Schweizerische Fussballverband, ob er den Walliser im Amt bestätigen will.
27.07.2026, 08:1627.07.2026, 08:16

Der Start der neuen Super-League-Saison hat die WM schon ein wenig in Vergessenheit geraten lassen. Dabei ist es erst gerade eine Woche her, seit Spanien nach einem Finalsieg gegen Argentinien seinen zweiten Weltmeistertitel gewonnen hat.

Spain's Rodri (16) is greeted by FIFA President Gianni Infantino and President Donald J. Trump during the presentation ceremony after the World Cup final soccer match between Spain and Argentina  ...
Infantino (Mitte) und Trump (rechts) gratulieren Weltmeister-Captain Rodri.Bild: keystone

Mit etwas Abstand zog nun FIFA-Präsident Gianni Infantino eine Art Bilanz. Um Fragen aus dem Weg zu gehen, wählte er Instagram, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Klar ist: Die vielschichtige Kritik an ihm und dem Weltverband ärgert den Walliser masslos.

«Während ihr spaltet, halten wir zusammen»

«Meine Nachricht an alle, die …» beginnt Infantinos Post. Verteilt über 15 Slides lesen seine Follower: FIFA gut, Kritiker böse.

Ihm würden diejenigen, die die WM boykottiert hätten, leidtun. «Es tut mir leid, dass ihr so sehr von Hass und Kritik eingenommen wart, dass ihr das alles verpasst habt.» Das Turnier sei ein Anlass voller Emotionen gewesen. Infantino richtete sich ausgiebig an kritische Reporter. «Denjenigen, die Hass und falsche Gerüchte verbreiten, möchte ich sagen: Während ihr im Hintergrund sitzt, stehen wir bei der FIFA an vorderster Front, organisieren, arbeiten hart und sorgen dafür, dass die beste Show der Welt auf die Beine gestellt wird.»

Etwas absurd wird es, wenn ausgerechnet ein Freund von US-Präsident Donald Trump meint: «Während ihr spaltet, halten wir zusammen.» Nach längerer, durchaus berechtigter Schwärmerei über das Erlebnis WM, teilte Infantino weiter aus: «Während Fans aus aller Welt feierten, wart ihr damit beschäftigt, Hass zu säen.»

Scottish fans celebrate at a park in central Boston, Mass,, ahead of the World Cup Group C soccer match between Haiti and Scotland in Foxborough, Saturday, June 13, 2026. (AP Photo/Martin Meissner)
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Sorgten für gute Laune: Fans aus Schottland.Bild: keystone

Vorwurf an Medien, falsche Prioritäten zu setzen

Am Beispiel der iranischen Mannschaft betonte der FIFA-Präsident, dass es Fussball nicht um Politik gehe. «Beim Fussball geht es um Zusammenhalt, nicht um Spaltung.» Die FIFA habe unermüdlich daran gearbeitet, zwei Länder, die sich im Krieg gegeneinander befinden, zusammenzuführen. «Die Mannschaft des Iran konnte ohne Zwischenfall in die USA einreisen», betonte er.

Aber die Medien hätten sich nicht nur den schönen Seiten zugewendet, beklagte sich Infantino. «Ihr habt über die paar Menschen berichtet, denen das Visum verweigert wurde und dabei die Millionen übersehen, deren Visum bewilligt wurde.» Unter anderem hatten die USA einem der besten Schiedsrichter Afrikas die Einreise untersagt.

Anschuldigungen statt Selbstkritik im Fall Balogun

Was man im langen Brief nur indirekt findet, ist ein Hinweis auf den Fall Balogun. Der amerikanische Stürmer war nach einer Roten Karte gesperrt worden. Die FIFA hob diese Sperre auf, nachdem Trump nach seiner Darstellung Infantino telefonisch darum gebeten hatte. Die Welt war sich darin einig, dass dies ein Skandal sondergleichen war.

Selbstkritik? Gianni Infantino zufolge hat die FIFA nichts gemacht, was man nicht schon kennen würde: «Tatsächlich sind ‹umstrittene› Schiedsrichterentscheidungen oder ‹seltsame› Disziplinarmassnahmen – wie beispielsweise möglicherweise irrtümlich vergebene rote oder gelbe Karten oder die anschliessende Entscheidung, Spieler in bestimmten Situationen nicht zu sperren – in einigen der grössten Ligen weltweit an der Tagesordnung und werden allgemein akzeptiert. Es ist merkwürdig, dass ausgerechnet jene Länder, die diese Praktiken anwenden, nun Kritik üben.»

Schweizer Verband überdenkt Unterstützung für Infantino

Seinen zahlreichen Kritikern gibt Infantino einen netten Ratschlag: «An alle, die ihre Zeit und Energie darauf verwenden, uns zu hassen: Nehmt euch bitte einen Moment Zeit, um nachzudenken, zu meditieren, zu beten oder ein Fussballspiel anzuschauen – und beobachtet dabei ganz genau die Gesichter, die Augen und die Emotionen. Möget ihr Frieden finden; wir bei der FIFA haben ihn gefunden und teilen ihn.»

Gianni Infantino will sich im Frühling 2027 zur Wiederwahl als FIFA-Präsident stellen. Während unter anderem der Schweizer Fussballverband ihn vor der WM noch unterstützte, sieht die Lage nun ein wenig anders aus. Auch wegen des Falls Balogun will der SFV seine Haltung noch einmal überdenken, intern und auch mit anderen Landesverbänden werde diskutiert, ob man Infantino weiterhin die Stange halten soll.

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