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Im letzten Heimspiel von Charlton flogen Schweinchen. bild: twitter @Pulseghana

Diese englischen Fans tun wirklich ALLES, um ihren Klubbesitzer loszuwerden

Die Fans von Charlton Athletic haben es nicht leicht. Sie und ihr Team durchleben eine sportliche Misere und ihr verhasster Besitzer, der dafür verantwortlich gemacht wird, will einfach nicht gehen – auch wenn die Anhänger in ihren Protesten unterdessen bemerkenswert kreativ geworden sind.



Von 1998 bis 2007 spielte Charlton Athletic in der Premier League. An diese Zeiten erinnert man sich beim Klub im Herzen Londons aber nur noch mit grosser Wehmut. Die «Addicks» (ihr Spitzname lautet wirklich so) sind letzte Saison zum zweiten Mal in den letzten zehn Jahren in die League One, die dritthöchste Liga Englands, abgestiegen und dort aktuell in der unteren Tabellenhälfte klassiert.

Chelsea's Michael Ballack watches for the ball from a corner shot in their Barclays Premiership League clash with Charlton Athletic at the Valley Stadium in London 03 February 2007.  EPA/Lindsey Parnaby

Charlton Athletic in einem Premier-League-Spiel 2007 gegen Chelsea und Michael Ballack. Bild: EPA

Dieser sportliche Misserfolg hat natürlich seinen Einfluss auf das Umfeld des Klubs. Die Fans sind wütend und der Zuschauerschnitt in den Heimspielen ist drastisch zurückgegangen. Gut 11'000 verkaufte Tickets pro Spiel mag für Schweizer Verhältnisse dennoch nach viel tönen, nicht aber für den Traditionsverein.

5000 Kunststoff-Schweinchen

Genau zu dieser Tradition gehören bei Charlton auch Fanproteste. Diese gab es bereits Ende der 80er/Anfangs der 90er, um den Klub zurück in das angestammte Heimstadion «The Valley» (Kapazität: 26'875 Zuschauer) zu holen, was gelang. Hier das Video dazu:

Heute aber protestieren die treuen Addicks-Anhänger nicht für etwas, sondern gegen – gegen Roland Duchâtelet. Der belgische Multimillionär ist seit 2014 der Besitzer des Vereins und wird für die desaströse sportliche Lage verantwortlich gemacht.

Die Hassfigur Duchâtelet in einer nicht ganz ernst gemeinten Vermisstenanzeige.

Bei ihren Aktionen gegen den sturen Machthaber, der sein Geld in der Elektro-Industrie gemacht hat und noch vier weitere Fussballvereine besitzt, sind die Londoner wesentlich origineller als andere Fangruppen, die die Besitzer ihres Klubs vom Acker treiben wollten. Beispielsweise flogen letztes Wochenende kurz nach dem Anpfiff im Meisterschaftsspiel gegen Coventry City kurz nach Spielbeginn 5000 rosarote Kunststoff-Schweinchen aufs Feld.

Typisch britisch die Reaktion von offizieller Seite: «Spiel unterbrochen. Schweine auf dem Feld.»

#RolandOut

Die Schweinchen sind nicht die ersten Gegenstände, die bei einem Charlton-Heimspiel einen Spielunterbruch erzwungen haben. Das haben die Fans in der Vergangenheit bereits zweimal geschafft, einmal mit Stress- und einmal mit Strandbällen.

Der Protest beschränkt sich aber keineswegs auf das Stadion. Die Bewegungen (ja, Plural) gegen die aktuelle Klubführung haben in der Stadt schon mehrere Demos und Sitzstreiks organisiert.

More than just a toy

Auffällig dabei, dass sich die Protestler ausschliesslich auf verbale Gewalt beschränken. Anstatt Duchâtelet an die Gurgel zu gehen, wird stattdessen zum Beispiel das Herz und die Seele des Klubs formell in einem Sarg zu Grabe getragen.

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Die Prozession ... bild: Evening Standard

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... und der Sargdeckel. bild: evening standard

Unter den Fans hat sich sogar eigens eine Band gegründet, die diese schöne Protest-Hymne aufgenommen hat:

abspielen

Der eigens komponierte Protest-Song. (Quelle: Evening Standard) Video: streamable

Bei all dem Aufwand wäre es den Addicks zu wünschen, dass dieser bald Früchte tragen wird – auch wenn nicht garantiert ist, dass unter einem allfälligen neuen Besitzer alles besser wird. (drd)

Noch ein bisschen traditionsreicher als Charlton Athletic: Die ältesten Fussballvereine der Welt

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Die ältesten Fussballvereine der Welt
quelle: wikimedia
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