England will nach 40 Jahren endlich Rache für die Hand Gottes
Unter den mittlerweile mehr als tausend Partien an Fussball-Weltmeisterschaften zählt diese Begegnung zu den bekanntesten überhaupt: der WM-Viertelfinal 1986 zwischen Argentinien und England in Mexiko-Stadt.
Kaum ein Fussballfan, der die beiden argentinischen Treffer auf dem Weg zum Weltmeistertitel nicht schon mal gesehen hat. Erst brachte Diego Maradona die Albiceleste mit der «Hand Gottes» in Führung, vier Minuten später dribbelte er über den halben Platz und schoss das «Tor des Jahrhunderts».
Legendärer Ball unterm Hammer
Die Partie war politisch aufgeladen, weil sich die beiden Länder wenige Jahre zuvor um die Falkland-Inseln bekriegten. Maradona sagte nach dem 2:1-Sieg, dieser sei die Rache dafür, dass Engländer Argentinier töteten.
Vier Jahrzehnte später werden diese Geschichten und alles, was auf dem Feld geschah, nochmals aufgerollt. So wird etwa der Ball versteigert, mit dem Maradona seine beiden Tore 1986 erzielte. «Er war Zeuge der berühmtesten Kontroverse und des gefeiertsten Geniestreichs in der Geschichte des Fussballs», wirbt Heritage Auctions aus Dallas, das den Ball versteigert. Es rechnet mit Geboten von 10 Millionen Dollar und mehr.
Rivalität geht bis 1966 zurück
Mit dem Aztekenstadion, in dem Maradona seine Tore erzielte, schloss England an diesem Turnier schon Frieden: Im Achtelfinal gewann es dort gegen Mexiko 3:2. Nach dem gebrochenen «Azteken-Fluch» soll es nun auch mit dem damaligen Gegner klappen. Für den Sieger in Atlanta lebt der Weltmeistertraum weiter: Für England wäre es der zweite Titel, 60 Jahre nach dem ersten; Argentinien würde ihn wie schon vor vier Jahren und zum vierten Mal gewinnen.
Für die BBC ist der Halbfinal heute (21 Uhr) Englands grösstes Spiel seit dem WM-Final 1966. Die «Three Lions» sind seither zwar zwei Mal in einem Halbfinal gewesen (1990 und 2018), aber dieses Spiel lasse eine alte Rivalität wieder aufleben. Deren Ursprung hat sie im Übrigen bereits 1966, als der Argentinier Antonio Rattin im Viertelfinal vom Platz flog. Englands Trainer Sir Alfred Ramsey verbot seinen Spielern nach einem gehässigen Match den Trikottausch.
Was Alan Shearer Sorgen macht
Die Rote Karte gegen David Beckham an der WM 1998 ist das dritte Kapitel dieser Fussball-Fehde. Der Superstar liess sich zu einem Nachtreten gegen Diego Simeone hinreissen und wurde nach dem Ausscheiden im Penaltyschiessen von den englischen Zeitungen gelyncht. Es war die schwierigste Phase in Beckhams Karriere.
Der damalige Stürmer Alan Shearer, mittlerweile ein respektierter TV-Experte, meinte, ihn würde eine Rote Karte heute Abend nicht überraschen. «Ich mache mir ein wenig Sorgen darüber, wie die Schiedsrichterleistung ausfallen wird und wie sich der VAR auf uns auswirken könnte.» Der Vorwurf, die FIFA und ihr Präsident Gianni Infantino würden Argentinien und Messi bevorteilen, kursiert längst nicht mehr nur als Meme. Manche Schweizer Fussballfans fühlen sich nach der Gelb-Roten Karte gegen Breel Embolo im Viertelfinal in dieser Wahrnehmung bestätigt.
1986 entschied ein klarer Fehlentscheid das Spiel mit. Vier Jahrzehnte später entscheiden hoffentlich alleine die Spieler über den Ausgang der Partie. Macht es Messi für Argentinien – oder triumphieren Kane und Bellingham mit England?
