Sport
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«Wir wurden wie Tiere behandelt» – der grosse Frust der BVB-Spieler nach dem Terrorspiel

Nur einen Tag nach dem Anschlag auf den Teambus mussten die Spieler von Borussia Dortmund gegen die AS Monaco antreten. Der Ärger darüber war gross, wie die Spieler nach der Partie deutlich machten. Die Zitate.



Marcel Schmelzer

Dortmund's Marcel Schmelzer listens to questions during a news conference at Benfica's Luz stadium in Lisbon, Monday, Feb. 13 2017. Borussia Dortmund will play Benfica Tuesday in a Champions League round of 16, first leg, soccer match. (AP Photo/Armando Franca)

Tim Schmelzer, Archivbild. Bild: Armando Franca/AP/KEYSTONE

«Wir hätten uns sehr, sehr, sehr darüber gefreut, wenn es [das Spiel] an einem anderen Tag hätte stattfinden können. Bei aller Grösse des Wettbewerbs: Wir sind alle Menschen.»

Sokratis

Dortmund's Nuri Sahin, Sokratis Papastathopoulos, Lukasz Piszczek, Matthias Ginter and Julian Weigl, from left, react after losing 2-3 during the Champions League quarterfinal first leg soccer match between Borussia Dortmund and AS Monaco in Dortmund, Germany, Wednesday, April 12, 2017. (AP Photo/Martin Meissner)

Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

«Wir wurden wie Tiere behandelt und nicht wie Menschen.»

Nuri Sahin

epa05904868 Borussia's Nuri Sahin (2-L) faults Monaco's captains Radamel Falcao (L) during the UEFA Champions League quarter final, first leg soccer match between Borussia Dortmund and AS Monaco at the Signal Iduna Park, in Dortmund, Germany, 12 April 2017.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL

Bild: FRIEDEMANN VOGEL/EPA/KEYSTONE

«Ich weiss nicht, ob das die Leute verstehen können, aber bis ich in der zweiten Halbzeit auf dem Platz war, habe ich nicht an Fussball gedacht. (Sahin war in der Pause eingewechselt worden.) Ich weiss, dass der Fussball wichtig ist. Und ich weiss, dass wir sehr viel Geld verdienen, ein privilegiertes Leben haben. Aber wir sind auch nur Menschen und es gibt sehr viel mehr als Fussball auf dieser Welt. Das haben wir vergangene Nacht gefühlt.»

Roman Bürki

Fußball Champions League: Viertelfinal-Hinspiel, Borussia Dortmund - AS Monaco am 12.04.2017 im Signal Iduna Park in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Torwart Roman Buerki von Dortmund traegt beim Aufwaermen ein Trikot mit der Rueckennummer für den beim Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verletzt fehlenden Teamkollegen Marc Bartra. (KEYSTONE/DPA/Bernd Thissen)

Der Schweizer Goalie Roman Bürki trug beim Aufwärmen für das Spiel ein Trikot seines Teamkollegen Marc Bartra, der bei dem Anschlag verletzt wurde.  Bild: DPA

«Man hat uns keinen Gefallen getan, dieses Spiel anzusetzen, nicht mal 24 Stunden nach einem Anschlag. Ich hatte nicht eine Stunde Schlaf in der Nacht, das ist nicht die optimale Vorbereitung auf solch ein Spiel»

Trainer Thomas Tuchel

Dortmund's head coach Thomas Tuchel waits for the beginning of during the Champions League quarterfinal first leg soccer match between Borussia Dortmund and AS Monaco in Dortmund, Germany, Wednesday, April 12, 2017. (AP Photo/Martin Meissner)

Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

«Wir hätten uns mehr Zeit zur Vorbereitung und natürlich zur Verarbeitung gewünscht. Aber wir haben diese Zeit nicht bekommen. Damit mussten wir umgehen. Doch wir fühlten uns komplett übergangen, als es hiess: ‹Morgen seid ihr dran!›»

«Wir waren in die Entscheidung überhaupt nicht involviert. Der Termin wurde vorgegeben, als das Ausmass noch längst nicht bekannt war, und wir hatten zu funktionieren. Es erweckte den Eindruck, als wäre bloss eine Bierdose an unseren Bus geflogen.»

«Die Uefa in der Schweiz hat dies einfach so entschieden und es uns per SMS mitgeteilt. Das war natürlich kein gutes Gefühl – vielmehr eines der Ohnmacht.»

Das meint der zukünftige FIFA-Sicherheitschef

Der künftige Sicherheitschef der FIFA hält die Ansetzung des Champions-League-Nachholspiels von Borussia Dortmund nach dem Anschlag für richtig. «Wenn wir einknicken, machen wir genau das, was diese Kriminellen wollen», sagte Helmut Spahn, der seinen Posten am 2. Mai übernehmen wird, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Nach einer Attacke wie auf den Dortmunder Mannschaftsbus am Dienstag müsse aber abgewogen werden.

«Wenn es Tote gegeben hätte, hätte natürlich kein Spiel stattgefunden»

Helmut Spahn

Die Dortmunder hatten am Mittwoch das nach dem Anschlag um einen Tag verlegte Viertelfinal-Hinspiel daheim gegen AS Monaco 2:3 verloren. Bei den Sicherheitsstandards sei der deutsche Fussball führend. «Wenn dann trotzdem zum Beispiel Pyrotechnik eingeschmuggelt wird, liegt natürlich die Vermutung nahe, es könnten auch mal andere Stoffe sein», sagte Spahn. «Mit diesem Restrisiko, das man so weit wie möglich minimieren muss, muss man aber leben - oder es wird keine Fussballspiele mehr geben.»

Helmut Spahn arbeitete nach der WM 2006 fünf Jahre für den Deutschen Fussballbund. 2011 wurde er Direktor des internationalen Zentrums für Sicherheit im Sport in Katar.

Die Uefa meint

Der europäische Fussballverband wies die Vorwürfe von Tuchel zurück. Beide Vereine hätten zugestimmt, die Partie schon 22 Stunden nach dem zunächst geplanten Anstoss nachzuholen. Diese Version war schon am Tag zuvor bei der eilig einberufenen Pressekonferenz im Dortmunder Polizeipräsidium bekanntgeworden und von allen Teilnehmern bestätigt worden, auch vom Verein.

(mlu/sda)

Explosionen vor dem Champions-League-Spiel Dortmund – Monaco

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24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Syptom 13.04.2017 12:13
    Highlight Highlight Herr Spahn, Ihre Aussagen gehen komplett an der Realität verloren!
    Wenn man das Spiel 1 Woche später ansetzt beugt man sich ebenfalls NICHT dem Terror. Aber nicht mal 24h später??? FIFA und UEFA stellen das Geld über die Menschlichkeit. Falsche Entwicklung. Sahin hat es perfekt ausgedrückt. Und Tuchel ebenfalls 'Als wäre eine Bierdose gegen die Scheibe geflogen'.
    Wenn ein Mensch Funktionieren MUSS, dann stimmt etwas gewaltig nicht.
  • KING FELIX 13.04.2017 12:06
    Highlight Highlight Der ball und der rubel muss rollen.
    Das ist sicher nicht einfach für die spieler, aber alle haben sie gekuscht.
    Da war die angst vor geld und imageverlust dann doch noch grösser als die terrorangst.
    Bei solchen geschichten sollte man sich fragen wo das geld hinfliesst, wer verdient denn an so einem spiel? Richtig, all die reichen geldsäcke, wozu auch die fussballer selber gehören.
    Eine absolute heuchelei und zwar von allen.
    Glaubt wirklich einer von euch es handle sich dabei um stärke zu zeigen, sich nicht einschüchtern lassen?
  • FCZBVB180 13.04.2017 10:03
    Highlight Highlight Da hat jemand versucht, die komplette Mannschaft auszulöschen(!) Die Spieler hatten doch Todesangst. Als ich ein Bild vom Training am nächsten Morgen gesehen habe, musste ich mir vorstellen, wie die Spieler angst haben dass sie jeden Momment von einer Kugel getroffen werden. Geld hin oder her, aber das sind auch nur Menschen. Und es ist verständlich, dass die Spieler gestern nicht von Anfang an ihr volles Potential abrufen konnten. Ich hoffe nur, im Rückspiel starten sie wie in der zweiten Halbzeit und spielen 90min auf diesem Tempo! Wäre Schade auszuscheiden nach solch einem Ereigniss
  • Illuminati 13.04.2017 10:02
    Highlight Highlight Das Beste wäre gewesen, wenn sich die Spieler & der Verein geweigert hätten anzutreten...
    Vielleicht hätte es laut Uefa Regeln eine Forfaitniederlage gegeben allerdings glaube ich nicht dass sich die Uefa dies hätte erlauben können. Der Imageschaden wäre zu gross gewesen. Oder das Beste, wenn sich monaco gleich wuch am "Boykott" beteiligt hätte!
  • SVARTGARD 13.04.2017 09:05
    Highlight Highlight UEFA eiskalt und unberechenbar.
  • RacKu 13.04.2017 08:58
    Highlight Highlight Ich muss 😭 sooo gemein ist das Leben wenn du Im FussballOlymp das 💰 in Schubkarren rausschaffst...
    • Blutgrätscher 13.04.2017 10:27
      Highlight Highlight Also wenn eine Islamistische Terrorzelle dich persönlich mit drei Bomben angreift und du Metallbolzen aus der Kopfstütze ziehst, sitzt du am nächsten Morgen im Büro und beschwerst dich nicht?
    • RacKu 13.04.2017 10:59
      Highlight Highlight Nö. War schon einer an normalen Auswärtsspielen in Rotterdam, Neapel, Marseille, Brüssel, Stockholm, Dresden, St. Petersburg oder aufm Balkan? Wie oft liest du von abgefackelten Bussen? Nie? Weils keinen interessiert...
  • Amboss 13.04.2017 08:38
    Highlight Highlight So läuft der Zirkus nun Mal.
    Dass die UEFA so funktioniert und elf gelbe Männli da nicht viel zu melden haben, ist einfach so.

    Das Geld, die Reisen, die Spiele in tollen Stadien nimmt man ja auch gerne.
    Die Spieler, die Verantwortlichen vom BVB hätten selbst in der Hand gehabt. Sie hätten einfach nicht antreten können. Vielleicht hätte die UEFA eingelenkt, vielleicht hätte man aber auch die Konsequenzen tragen müssen(Ausschluss, Forfait etc...)

    Aber ääh, das wollte man dann doch nicht.

    Dieses nachträglich jammern kommt mir deshalb sehr Mimimimi vor


    • Amboss 13.04.2017 12:20
      Highlight Highlight @Hashtag: Stimmt, Mimimimi nervt wirklich, sorry.

      Ansonsten: Ich gebe dir recht.
      Es ist Wettbewerbsverzerrung. Klar wäre es richtig gewesen, das Spiel neu anzusetzen

      Aber das "System UEFA" ist ja bekannt:
      - Quote (18.45 Uhr, wegen der Quote von Bayern-Real)
      - Quote (an einem Ersatztermin wären vielleicht noch andere Spiele gewesen - hätte die Quote gefährdet)
      - Geld

      Der BVB und auch die Spieler (Gehälter)profitieren als regelmässige CL-Gäste profitieren jahrelang von diesem "System-UEFA".
      Jetzt müssen sie halt auch mal mit den Auswirkungen davon klarkommen.
    • Amboss 13.04.2017 13:09
      Highlight Highlight @hashtag: Ich würde es mal so sagen: Gäbe es niemand, der mal etwas wagt, sich gegen den Strom verhält, auch mal scheitert oder dies zumindest in Kauf nimmt - es gäbe heute kein Fussball. Weil wir immer noch Jäger und Sammler wären, in Höhlen leben würden und brav unserem König den Zehnten entrichteten...

      Ich könnte mir schon vorstellen, dass eine Dynamik entstanden wäre, welche für die UEFA sehr sehr unangenehm gewesen wäre.

      Aber eben: Wir werden es nie erfahren. Weil dem BVB Geld statt Haltung wichtig war.
  • anon 13.04.2017 08:30
    Highlight Highlight Es braucht Bilder wie BVB-Fans die Monaco-Fans bei sich zuhause aufnehmen und keine Darstellung der Spieler als Opfer. Die Solidarität an diesem Abend war genial! Hier geht es nicht nur ums Geld. Je weniger aus dem Vorfall gemacht wird, desto kleiner ist auch dessen Wirkung.

    Wann raffen die Medien das endlich..
    • N. Y. P. D. 13.04.2017 09:08
      Highlight Highlight Genau !
      Bilder wie BVB-Fans die Monaco-Fans bei sich zu Hause aufnehmen, strahlt über den Fussball hinaus.
      DAS ist die Botschaft dieses Viertelfinals.
      Ob 2:3 oder 3:2. Ist für einmal unwichtig.
      Hätten sich die Spieler bei einem 4:0 auch geäussert ?
  • PeterSilie 13.04.2017 08:25
    Highlight Highlight Mich verwundert dieses Verhalten der UEFA überhaupt nicht.
    Glaubt echt einer der Spieler, es gehe um Fussball und Emotionen in diesem Sport? Wirklich?
    Da hätte die UEFA doch am Ende die Tickets der Monaco Fans noch erstatten müssen, no way!!! Dann wäre der Profit viel kleiner als jetzt und die PR mit den Monaco Fans, welche bei BVB Fans übernachten konnten (edel ansich, aber in diesem Kontext eine willkommene PR-Story) hätte es auch nicht gegeben.
  • Asmodeus 13.04.2017 08:17
    Highlight Highlight Wir sind alle ein einig Volk unter Gott Mammon.

    Eigentlich sollten die ganzen FIFA/UEFA_Wettbewerbe schon lange boykottiert werden. Aber das will dann irgendwie auch niemand.
  • Linus Luchs 13.04.2017 08:13
    Highlight Highlight Ich habe mich noch gewundert. Wie können die Spieler einen Tag nach diesem schockierenden Erlebnis, das Todesängste auslöst, sich auf ein Fussballspiel konzentrieren? 24 Stunden nach diesem extremen Stress sind Körper und Seele noch total erschöpft. Ich verstehe den Ärger der Mannschaft sehr gut. Und was ich die absolute Härte finde, ist, dass die UEFA den neuen Spieltermin ansetzt, ohne die Betroffenen zu fragen, ob sie sich dazu in der Lage fühlen. Das ist menschenverachtend.
  • Röschtigraben 13.04.2017 08:13
    Highlight Highlight Und auf n-tv haben sie den Zuschauern weisgemacht dass die Spieler die Wahl haben zu spielen oder nicht. Und es gebe keinen anderen Termin für ein nachholspiel. Widersprüchlich oder nicht?
    • manu9989 13.04.2017 09:14
      Highlight Highlight Das Spiel musste stattfinden, der BVB hatt ed jedoch seinen Spielern als einzelnes freigstellt ob er spielen will oder nicht.
  • Maranothar 13.04.2017 08:12
    Highlight Highlight Es geht um viel Geld. Da kann man natürlich keine Rücksicht auf die Befindlichkeit von ein paar kohlenstoffbasierenden Einheiten nehmen.
  • _kokolorix 13.04.2017 07:56
    Highlight Highlight Auch wenn ich Fussballer generell als plärrende Weicheier wahrnehme, scheint mir dieses Vorgehen typisch für die Managermentalität in den Chefetagen. Geld ist alles, der Mensch zählt nicht.
    • Tschakkaaa! 13.04.2017 08:28
      Highlight Highlight Klar...Hockey Spieler hätten sich mit ihren muskulösen Körper auf die explodierenden Bomben gestürzt und hätten das noch mit einem zahnlosen lächeln weggesteckt.
      Sorry dein Fussballer-echte Männer Vergleich ist an dieser Stelle sowas von unangebracht. Aber mit dem Rest bin ich eiverstanden.
  • Flint 13.04.2017 07:28
    Highlight Highlight Wenn sich die Mannschaft frühzeitig geweigert hätte, wäre bestimmt Bewegung in die Sache gekommen.
    • Asmodeus 13.04.2017 08:29
      Highlight Highlight Die Spieler hätten sich weigern sollen zu spielen wenn das Management ihnen dermassen in den Rücken fällt.
    • Dynamischer-Muzzi 13.04.2017 08:30
      Highlight Highlight Wie will sich eine Mannschaft frühzeitig weigern, die nicht mal 24 Stunden vor dem Anstoß Opfer eines Anschlag wurde? Ich glaube die Gedanken danach sind nicht: "oh shit, wir müssen beantragen nicht zu spielen"!

      Die Gedanken der Spieler nach so einem Erlebnis sind garantiert ganz andere als die, den Sesselfurzern bei Fifa und UEFA zu erklären, das dieses Erlebnis traumatische Folgen hat. Soweit sollten die Herren selber denken können. Aber da sehen diese Herren nur die dicken Dollarzeichen in den eigenen Augen.

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