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epa04980221 (FILES) A file picture dated 07 December 2005 shows The president of the German Organising Committee for the FIFA World Cup 2006 Franz Beckenbauer (L) and the vice president of the committee Wolfgang Niersbach talking to each other after a press conference at the fair centre in Leipzig, Germany. FIFA plans to investigate a report that Germany bribed officials in the awarding of the 2006 World Cup, the world soccer ruling body said on 16 October 2015.  EPA/Peter Endig *** Local Caption *** 00591097

Niersbach und Beckenbauer geraten derzeit unter Beschuss.  
Bild: EPA/DPA

Deutschland, deine korrupten Funktionäre – ist Sepp Blatter am Ende der Ehrlichste der Unehrlichen?

Also auch die Deutschen. Das ist nur logisch. Sie sind schliesslich Pioniere der Fussball-Bestechlichkeit.



Schwarze Kassen für eine gekaufte WM 2006 in Deutschland. So etwas haben wir doch bisher meistens mit den WM-Turnieren in Russland oder Katar in Verbindung gebracht. Allenfalls mit Afrika oder Südamerika. Aber Deutschland? Doch nicht. Die Männer des deutschen Fussballs gelten als Saubermänner.

FILE - October 16, 2015: A newspaper in Germany has reported that it has received information suggesting that the DFB used a slush fund to secure votes during its bid to host the 2006 FIFA World Cup, which the then chief of the Organising Committee Franz Beckenbauer and the current DFB President Wolfgang Niersbach had knowledge of. FRANKFURT, GERMANY - DECEMBER 07:  DFB PFLICHTENHEFT UEBERGABE zur WM 2006, Frankfurt; PFLICHTENHEFT FRANKFURT; Praesident und Vizepraesident des ORGA-Komitee WM 2006 Franz BECKENBAUER, Wolfgang NIERSBACH  (Photo by Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images)

Angeblich wussten Wolfang Niersbach und Franz Beckenbauer vom Betrug Bescheid.
Bild: Bongarts

Der grosse Bundesliga-Skandal

Wie naiv waren wir eigentlich? Wir hätten längst wissen müssen, dass den Deutschen im Fussball nicht zu trauen ist. Konsultieren wir doch ganz unpolemisch die Geschichte. Es ist eine schöne Gelegenheit, daran zu erinnern, wie es schon im letzten Jahrhundert im deutschen Fussball zu- und hergegangen ist. Wenn wir schön in Erinnerungen schwelgen, verstehen wir die Gegenwart.

Der grandiose Bundesliga-Bestechungsskandal ist in den frühen 1970er Jahren aufgeflogen. In Zeiten, als die FIFA noch gar nicht genug Geld hatte, um überhaupt irgendjemandem ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen.

Aufgedeckt wurde die ganze Sache durch Horst Gregorio Canellas, dem Präsidenten der Kickers Offenbach. Zur Feier seines 50. Geburtstages überrascht er am 6. Juni 1971 seine Gäste mit dem Abspielen eines Tonbandgerätes. Bei den zu hörenden Mitschnitten verschiedener Telefonate geht es um Spielmanipulationen und Schmiergeldzahlungen. Entsetzt verlässt Bundestrainer Helmut Schön die Party.

BIELEFELD, GERMANY - MAY 16:  Supporters of Bielefeld cheer their team during the Third League match between Arminia Bielefeld and Jahn Regensburg at Schueco Arena on May 16, 2015 in Bielefeld, Germany.  (Photo by Thomas Starke/Bongarts/Getty Images)

Arminia Bielefeld wurde nach der Saison 1970/71 die Bundesligalizenz entzogen. 
Bild: Bongarts

Bei den vom DFB-«Chefankläger» Hans Kindermann geführten Ermittlungen wird festgestellt, dass unter anderem das Spiel Schalke gegen Bielefeld (0:1) von Gelsenkirchener Spielern «verkauft» worden war. Daraufhin werden 1973 fast alle Spieler der Schalker zu Spielsperren verurteilt. Die bekanntesten Sünder: Reinhard «Stan» Libuda (lebenslang, begnadigt nach zwei Jahren), Klaus Fichtel (lebenslang, begnadigt nach sechs Monaten) und Klaus Fischer (lebenslang, abgemildert zu einem Jahr).

Auch Kölns Goalie Manfred Manglitz wird zweimal lebenslang gesperrt (und nach zwei Jahren begnadigt). Zu diesen sportgerichtlichen Urteilen kommen da und dort noch Verfahren vor ordentlichen Gerichten wegen Meineides. Insgesamt werden 52 Spieler, zwei Trainer und sechs Funktionäre bestraft. Außerdem werden Arminia Bielefeld und Kickers Offenbach die Bundesligalizenz entzogen.

FILE - In this Dec. 13, 2005 file picture  former German soccer referee Robert Hoyzer waits  at the Feldkirch, Austria, court. The former referee who was imprisoned for his part in a German match-fixing scandal nearly a decade ago is becoming technical director at a fourth-tier club. Berliner AK 07 said on its website Saturday May 31, 2014  that 34-year-old Robert Hoyzer will work for the club on a voluntary basis and will be responsible mainly for marketing, sales and communication.  (AP Photo/Dietmar Stiplovsek,file)

Schiri Robert Hoyzer hat 2005 manipuliert. 
Bild: Dietmar Stiplovsek/AP/KEYSTONE

Und hat nicht Schiedsrichter Robert Hoyzer im Januar 2005 gestanden Cup-Partien und Spiele der zweiten Bundesliga manipuliert zu haben? Richtig. Die ganze Sache mündete in den Fussball-Wettskandal.

Mannschaften werden neu aufgestellt

Das ist eben auch Deutschlands Fussballkultur. Und ganz ohne Hang zur Polemik stellen wir ausserdem fest: Sogar Bundeskanzler Helmut Kohl ist wegen schwarzer Kassen (für Partei-Spendengelder) ins Gerede gekommen. Und ohne jede Boshaftigkeit verweisen wir auf die vielen öffentlichen Bauprojekte mit ausufernden Kostenüberschreitungen in Deutschland. Der Höflichkeit halber erwähnen wir hier nur den Versuch, in Berlin einen neuen Flughafen zu bauen.

Wir lernen aus dieser neusten Episode: Es wird nicht möglich sein, die FIFA zu ändern. Weil die FIFA durch die Kultur ihrer Mitgliederländer geprägt wird. Am deutschen Wesen kann die FIFA nicht genesen.

Was wir jetzt erleben, ist bloss eine Neubesetzung: Die Mannschaften werden neu aufgestellt und ein neues Spiel beginnt. Aber gekickt wird nach den bisherigen Regeln. Wer weiss, am Ende stellt sich ja noch heraus, dass Sepp Blatter der Ehrlichste der Unehrlichen war.

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

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Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern
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