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01.04.2019, Nordrhein-Westfalen, Dortmund: Fußball: Gala zur Einweihung der Hall of Fame des deutschen Fußballs im Deutschen Fußballmuseum. Reinhard Grindel, DFB-Präsident, fasst sich vor der Gala an die Brille. (KEYSTONE/DPA/Ina Fassbender)

Ahnte er da das Unheil bereits? Reinhard Grindel bei der gestrigen Einweihung der Hall of Fame des deutschen Fussballs. Bild: DPA

«Ich bin fassungslos» – DFB-Boss Grindel stolpert über eine Uhr und tritt zurück



Reinhard Grindel, der Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), zog die Konsequenzen aus der wachsenden Kritik. Der Verbandschef räumt nach knapp drei Jahren seinen Posten.

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist nach einer Serie von Fehltritten zurückgetreten. Der Verbandschef bestätigte am Dienstag seinen sofortigen Rückzug, nachdem er in den vergangenen Tagen durch Enthüllungen über fragwürdige Zusatzeinkünfte und die Annahme einer teuren Uhr unter Druck geraten war. Die Nachfolge treten bis zum DFB-Bundestag am 27. September der Ligapräsident Reinhard Rauball und der DFB-Vize Rainer Koch als Vertreter der Amateure an.

So war es schon über den Jahreswechsel 2015/16, als Wolfgang Niersbach im Zuge des Sommermärchen-Skandals gehen musste. Im April 2016 hatte dann Grindel den Posten übernommen. Seit 114 Jahren hat kein DFB-Boss kürzer amtiert als Grindel. Bis September soll nun ein Kandidat für die Nachfolge gefunden werden, auf denen sich Profiklubs und Amateurlager einigen können.

epa07480078 (FILE) - German Football Association (DFB) president Reinhard Grindel gives a press statement in front of the DFB headquarters in Frankfurt, Germany, 20 July 2018 (re-issued 02 April 2019). DFB president Reinhard Grindel is set to step down, German media reports stated on 02 April 2019.  EPA/ALEXANDER BECHER *** Local Caption *** 54502717

Blieb nur drei Jahre im Amt: Reinhard Grindel. Bild: EPA/EPA

Ein Nebenamt – und dann die Uhr

Der frühere ZDF-Journalist und CDU-Bundestagsabgeordnete Grindel war in den vergangenen Monaten zunehmend in die Kritik geraten. Zunächst hatte «der Spiegel» Anschuldigungen veröffentlicht, Grindel habe Vergütungen in Höhe von 78'000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien-Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 nicht publik gemacht.

Der DFB wies den Vorwurf der Verschleierung zurück. Grindel habe bei seinem Amtsantritt korrekte Auskünfte über seine Einkünfte gemacht und den gut dotierten Aufsichtsratsposten erst drei Monate später angetreten. Grindel selbst äusserte sich nicht. Die Vorwürfe kratzten an seinem Versprechen, beim Verband nach der Affäre um die Vergabe der WM 2006 für Transparenz zu sorgen.

Es folgte zu Wochenbeginn ein «Bild»-Bericht, dass Grindel eine Luxus-Uhr vom früheren ukrainischen Verbandsboss Grigori Surkis angenommen habe. Grindel bestätigte dies am Dienstag in seiner Rücktrittserklärung und bezifferte den Wert der Uhr auf 6000 Euro. «Für mich war das ein reines Privatgeschenk. Es war ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen», sagte Grindel. Es habe aus seiner Sicht kein Interessenkonflikt bestanden.

Grindels Rücktrittsschreiben.

Er habe für das Geschenk keinerlei Gegenleistung versprochen, betonte Grindel. Er habe die Marke der Uhr nicht gekannt, erklärte er weiter, «und hatte keine Vorstellung von ihrem Wert.» Es sei allerdings ein schweres Versäumnis gewesen, den Wert nicht sofort zu ermitteln.

Grindel hielt in seiner Rücktrittserklärung in Bezug auf die geschenkte Uhr fest:

«Ich möchte nochmals betonen, dass ich mir nicht erklären kann, warum ich in dieser Angelegenheit nicht für die nötige Klarheit gesorgt habe. Sie können mir glauben, dass ich seit dem Wochenende fassungslos bin über den Fehler, der mir da unterlaufen ist.»

Die Uhr war die eine Negativ-Schlagzeile zu viel

Wegen der neuerlichen Negativ-Schlagzeilen hatte Grindel in den vergangenen Tagen offenkundig den Rückhalt in der Verbandsspitze endgültig verloren. Bei der Eröffnung der neuen Ruhmeshalle im Deutschen Fussballmuseum in Dortmund am Montagabend wirkte Grindel bereits isoliert und angeschlagen. Öffentlich Partei ergreifen mochte niemand mehr für den früheren DFB-Schatzmeister.

Stattdessen formierten sich die Kritiker. In der Tat häuften sich Grindels Missgeschicke zuletzt. In der heiklen Causa um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem umstrittenen türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan liess er es an klarer Linie vermissen. Grindel musste sich vorwerfen lassen, er habe sich nicht entschieden gegen rassistische Attacken gestellt und Özil zum Schuldigen für das WM-Scheitern der Nationalmannschaft gemacht.

epa06846107 South Korea's defender Kim Young-gwon scores a goal during the FIFA World Cup 2018 group F preliminary round soccer match between South Korea and Germany at Kazan Arena in Kazan, Russia, 27 June 2018. South Korea beat the defending champions but failed to join the last 16.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT

Mario Gomez muss zusehen, wie der Südkoreaner Kim Young-gwon ein Tor erzielt: Der desolate Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in Russland fällt ebenfalls in Grindels Amtszeit. Bild: EPA/YNA

Zuvor hatte es bereits Kritik wegen einer übereilten Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw gegeben. Unglücklich wirkte Grindel auch, als er den Umgang von Löw mit der abrupten Ausmusterung der Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng monierte - und dann schnell zurückrudern musste.

Grindel hat es in seiner kurzen Amtszeit nicht geschafft, glaubhaft jene Tugenden zu vertreten, die er eigentlich etablieren wollte. Bei den Fans wurde er nie als der rechtschaffene, ehrliche und transparente Fussball-Liebhaber wahrgenommen, den er eigentlich hätte sein müssen. Seit längerem kursierte in den Sozialen Medien der Hashtag #ausgegrindelt. Den Rückhalt bei der Basis hatte er schon länger verloren. Die geschenkte Uhr war letzten Endes nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. (cma/sda/dpa)

Dieses kürzlich erschienene Interview dürfte Grindels Popularität auch nicht gerade geholfen haben

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