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Crans-Montana: Autopsie an Opfer Emanuele (16) aus Italien durchgeführt

Crans-Montana: Das sagt die Autopsie von Emanuele (16)

Die Walliser Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Autopsie. Die Staatsanwaltschaft von Rom holt diese Arbeit nach. Die neusten Erkenntnisse.
26.01.2026, 06:4826.01.2026, 08:57
Andreas Maurer / ch media

Emanuele Galeppini entdeckte schon als Kind seine Leidenschaft für den Golfsport. Seine ersten Bälle schlug er im Golfklub von Rapallo in der Nähe von Genua, wo er mit seiner Familie aufwuchs. Sein Talent fiel früh auf.

Der 16-Jährige schaffte es ins nationale Nachwuchskader von Italien. Auf Instagram feierte er seine Erfolge, ging aber auch offen mit Niederlagen um. Vor einem Jahr teilte er die Resultate eines Turniers, bei dem er vier Bälle im Wasser versenkte. Er wolle nun hart für das nächste Turnier arbeiten, schrieb er dazu. Emanuele war Optimist.

Der englische Profigolfer Nick Faldo, einer der besten Europas, bezeichnete ihn als «extrem talentierten jungen Mann mit einer glänzenden Zukunft».

Emanuele lebte mit seiner Familie in Dubai, wo er eine internationale Schweizer Privatschule besuchte. Die Ferien verbrachte er regelmässig in Crans-Montana. Dort schätzte er den Golfplatz, auf dem er schon für ein renommiertes Turnier angetreten war.

An Silvester schickte Emanuele seiner Familie aus der Bar «Le Constellation» seine letzte Nachricht und wünschte ein schönes neues Jahr. Am 21. Januar wäre er 17 Jahre alt geworden.

Golfverband publizierte Nachruf vor DNA-Bestätigung

Wenige Stunden nach Ausbruch der Brandkatastrophe wurde bekannt, dass Emanuele Galeppini zu den Vermissten zählte. Der italienische Golfverband veröffentlichte schon am 1. Januar einen Nachruf mit einem Schwarz-Weiss-Bild und dem Schriftzug «Ciao Emanuele». Hunderttausende sahen die Botschaft – Tausende reagierten mit Kommentaren und Trauersymbolen.

Mit diesem Foto nahm Emanuele Familie auf Social Media Abschied.
Dieses Foto teilte der italienische Golfverband in den sozialen Medien.Bild: x

Doch einige User äusserten auch Kritik an der vorschnellen Kommunikation des Verbands. Denn die offizielle Bestätigung des Todes stand zu diesem Zeitpunkt noch aus. Emanuele galt damals erst als vermisst. Die Familie hatte noch Hoffnung und wartete die DNA-Analyse der Schweizer Behörden ab. Erst am 3. Januar traf schliesslich die Bestätigung des Todes ein.

In der Leichenhalle erlebte die Familie eine Überraschung. Sie bereitete sich auf den Anblick eines verbrannten, kaum identifizierbaren Körpers vor. Doch Emanuele war äusserlich nur leicht verletzt und hatte noch Haare und Augenbrauen. Er trug sein unbeschädigtes Handy auf sich und sein Portemonnaie. Einzig seine Schuhe waren mit Asche bedeckt. Diese Informationen bestätigt der italienische Anwalt der Familie gegenüber CH Media.

Wallis obduzierte nicht – Rom übernahm

Die Angehörigen verlangten eine Autopsie. Doch die Walliser Staatsanwaltschaft lehnte diese ab, da die Todesursache klar sei. Die Eltern gaben sich damit nicht zufrieden. Sie wollten wissen, wo und wie ihr Sohn starb. Sie hatten einen Verdacht: Könnte es sein, dass er ausserhalb des Lokals starb? Gemäss ersten Erkenntnissen wurden 37 Todesopfer in der Bar und drei ausserhalb aufgefunden.

Am 5. Januar holte Italien seine Todesopfer mit einem Staatsflugzeug heim. Auf einem Flugplatz in Mailand trugen Männer mit weissen Handschuhen die Holzsärge aus einer riesigen Militärmaschine. Soldaten standen stramm und salutierten. Angehörige standen weinend auf der Landebahn.

epa12628497 The coffins containing the remains of the Italian victims from the 'Le Constellation' bar are being loaded onto an aircraft of the Italian Air Force (Aeronautica Militare) at Sio ...
Die Särge der italienischen Todesopfer wurden per Flugzeug in Sion abgeholt.Bild: keystone

Die Staatsanwaltschaft von Rom eröffnete umgehend ein eigenes Verfahren wegen fahrlässiger Tötung, schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung. Sie ordnete Untersuchungen an, welche die Walliser Staatsanwaltschaft nicht für nötig gehalten hatte: Autopsien bei allen sechs italienischen Todesopfern.

Inzwischen liegen die ersten rechtsmedizinischen Erkenntnisse aus Italien vor. Demnach starb Emanuele an einer Rauchgasvergiftung, wie sein Anwalt auf Anfrage von CH Media bestätigt. Als der 16-Jährige aus dem Lokal fliehen wollte, wurde er wahrscheinlich überrannt. Darauf weisen Schürfungen und Blutergüsse hin. Ob er drinnen oder draussen starb, ist noch nicht klar. Möglicherweise trug ihn jemand aus dem Lokal, als er bereits tot war.

Die römische Staatsanwaltschaft wird nun ein Autopsiegutachten erstellen und Laboruntersuchungen durchführen lassen. Diese werden die toxische Mischung der Rauchgase analysieren. Diese italienischen Ermittlungen könnten für das Schweizer Verfahren von Bedeutung sein.

Gemäss aktuellem Ermittlungsstand könnten Sprühkerzen auf Champagnerflaschen die Schaumstoffverkleidung der Decke entzündet haben. Das Dämmmaterial war leicht brennbar und nicht brandschutzkonform. Enthielt es auch Stoffe, die besonders giftige Rauchgase verursachten? Ein derartiger Befund könnte die Barbetreiber zusätzlich belasten.

Falls sich hingegen zeigen sollte, dass die Massenpanik auf der schmalen Treppe viele Todesopfer verursacht hat, könnten die fehlenden Kontrollen der Gemeinde in den Fokus geraten.

Erzbischof: «Jetzt muss die Justiz die Wahrheit ans Licht bringen»

Die Staatsanwaltschaft von Rom wird nun die Antworten zu den sechs italienischen Todesopfer ermitteln. Über internationale Rechtshilfeverfahren werden die Ergebnisse von Rom nach Sion übermittelt werden. Die italienischen Strafverfolger holen die verpasste Arbeit der Schweiz nach.

Eine Obduktion ist nach einem unnatürlichen Todesfall ein Standardvorgang. Doch die Walliser Staatsanwaltschaft verzichtete auch bei vielen Schweizer Fällen zuerst darauf. Erst auf Drängen von Anwälten entschloss sie sich später in einigen Fällen doch dazu. Einige Beerdigungen mussten deshalb verschoben werden. Ein verstörender Vorgang mitten im Trauerprozess.

Die Trauerfeiern für Emanuele Galeppini fanden schon in der zweiten Januarwoche statt – die Autopsie und eine Computertomografie erst zwei Wochen später.

An der Gedenkfeier sprach der Erzbischof von Genua, Marco Tasca. Er sagte: «Unser erster Gedanke gilt Emanuele, dem Ende seiner Träume und seines Lebens.» Dann denke er an seine Eltern, seine Verwandten, seine Freunde und «uns alle». «Wir alle sind fassungslos.» Nun müsse die Justiz ihre Arbeit machen und die Wahrheit ans Licht bringen. (aargauerzeitung.ch)

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Der nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana
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Der nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana

Am 9. Januar 2026 fand der nationale Gedenkanlass und Trauertag für die Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana.

quelle: keystone / jean-christophe bott
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Video: watson
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96 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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denkpause
26.01.2026 07:03registriert April 2021
Eine Rauchgasvergiftung ist nun nicht gerade mysteriös.
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Callista
26.01.2026 07:01registriert September 2023
Rauchvergiftung ist bei Bränden die weitaus häufigste Todesursache (ca. 85%) und übertrifft Verbrennungen deutlich. Dazu gibts etliche Statistiken. Von einer unerwarteten Todesursache kann kaum gesprochen werden.
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[CH-Bürger]
26.01.2026 07:04registriert August 2018
will die Tragödie kein bisschen herunterspielen, und klar, könnten die Obduktionsergebnisse relevant sein für die juristische Aufarbeitung - aber "unter mysteriösen Umständen" ist das beileibe nicht...!

ob er jetzt wegen den Verbrennungen oder an einer Rauchvergiftung gestorben ist - er ist in dieser Bar wegen des Feuers ums Leben gekommen!
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