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Bild: freshfocus

Josip Drmic

Im Nati-Sturm ist gegen Kroatien einer Hoffnungsträger, dem die Schweizer zuerst gar keinen Pass geben wollten

Im Spiel gegen das Herkunftsland seiner Familie scheint die Stunde für Bundesliga-Überflieger Josip Drmic geschlagen zu haben. Die Schweiz und seine Sturmhoffnung für die WM in Brasilien hatten keinen einfachen Start.



Die Geschichte ist nicht taufrisch, aber vor dem morgigen Spiel der Schweizer Nati gegen Kroatien im Kern aktueller denn je. Als 15-jähriger Jungspund stand Josip Drmic in seiner Wohngemeinde Freienbach vor dem Einbürgerungskomitee. Der Stürmer mit kroatischen Wurzeln, der im Kanton Schwyz geboren wurde, wollte den roten Pass – und ist bei den «Schweizermachern» gnadenlos abgeblitzt.

Die Begründung: Er kenne die Region zu wenig und sei zu stark nach Zürich orientiert. Zudem stolperte er über die Frage nach dem Wahlverfahren für den Bundesrat.

Fangfragen und Provokationen

Ganz auf sich alleine gestellt, hätten ihn damals zehn ältere Leute auch mit provokativen Fangfragen aus dem Konzept gebracht. Darauf sei er nicht vorbereitet gewesen, erinnert sich Drmic an die bittere Pille 2007.

Auch im zweiten Anlauf klappte es nicht. Und so erlebte das damalige FCZ-Talent den Weltmeistertitel der U17 in Nigeria im Jahr 2009 vor dem Fernseher auf der Couch, obwohl ihn Coach Dany Ryser gerne im Kader gehabt hätte.

Diesen historischen Triumph der U17 an der WM in Nigeria hat Josip Drmic wegen der damals noch falschen Staatsbürgerschaft verpasst.  Video: Youtube/humamoh

Nach dem dritten Antraben – und unter sanftem Druck des Bundesamts für Migration auf die Gemeinde Freienbach – hielt Drmic das begehrte Papier im Frühling 2010 schliesslich doch noch in den Händen.

Sofort folgte er den Aufgeboten der Junioren-Auswahlen. Er vertrat die Schweiz bei Olympia 2012 und gab einen Monat später schliesslich auch sein Debüt in der A-Nationalmannschaft.

Granit Xhaka, Josip Drmic und Ricardo Rodriguez, von links, scherzen beim Nati Training am Montag, 3. September 2012, in Freienbach. Die Schweizer Fussball Nationalmannschaft beginnt am kommenden Freitag die Qualifikation fuer die WM 2014 in Slowenien. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Endlich angekommen. Ricardo Rodriguez herzt Josip Drmic vor dessen Debüt für die A-Nationalmannschaft gegen Albanien. Bild: Keystone

Plötzlich der Hoffnungsträger einer ganzen Sportnation

Es entbehrt nicht einer gehörigen Prise Ironie, dass eben jener Fussballer, der von der Schweiz zwei Mal einen Korb kassierte, 99 Tage vor Beginn der WM in Brasilien zum grossen Hoffnungsträger der gesamten Sportnation avanciert. Und dies ausgerechnet im Testspiel gegen das Herkunftsland seiner Familie.

Eine Auswahl der Bundesliga-Tore von Josip Drmic.  Video: Youtube/west 1337

Denn der 21-jährige Drmic, der bis jetzt erst vier Teileinsätze über insgesamt 74 Minuten für das Team von Ottmar Hitzfeld absolvieren durfte, könnte tatsächlich das Rüstzeug haben, um zum offensiven Heilsbringer zu avancieren. 

Freiburgs Dauerbrenner Admir Mehmedi scheint derzeit im Schweizer Sturm gesetzt. Durch seine nächtlichen Bar-Eskapaden hat sich mit Haris Seferovic vorerst bereits ein Teil der Konkurrenz um den zweiten Platz verabschiedet. Und die Formkurve von Deutschland-Legionär Drmic steht derzeit eben sogar noch höher als diejenige von Mario Gavranovic, der beim FC Zürich mit vier Toren im Jahr 2014 ebenfalls gut im Schuss ist. 

16.02.2014; Augsburg; Fussball Bundesliga - FC Augsburg - 1. FC Nuernberg; Josip Drmic (Nuernberg) jubelt nach Spielschluss (Sebastian Widmann/Witters/freshfocus)

Bei Nürnberg hat Drmic in letzter Zeit allen Grund zum Feiern. Bild: Witters

Nach dem Hinrunden-Desaster ohne einen einzigen Sieg hat sich sein Klub, der FC Nürnberg, vor allem auch dank der Skorerqualitäten des Schweizers wieder als Nichtabstiegskandidat positioniert. An den 27 Toren des «Clubs» war Drmic mit elf Treffern und drei Vorlagen zu rund 50 Prozent beteiligt. In der Rückrunde tritt er mit sechs Toren und drei Assists zudem noch imposanter auf als schon im Herbst.

So hat Hitzfeld morgen gegen Kroatien in der Offensive die Qual der Wahl. Auch dank einem, den die Schweizer erst im dritten Anlauf wollten.

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