Sport
Fussball

Nach Fall Balogun – England und Frankreich legen Berufung bei FIFA ein

epa13079258 Folarin Balogun of USA leaves the pitch after receiving a red card during the FIFA World Cup 2026 Round of 32 match USA against Bosnia and Herzegovina, in San Francisco, Califronia, USA, 0 ...
Folarin Balogun muss trotz Platzverweis keine Sperre absitzen – nun flattern bei der FIFA weitere Anfragen ein.Bild: keystone

FIFA hat mit Balogun-Entscheid die Büchse der Pandora geöffnet – was nun droht

Eigentlich ist es klar definiert: Eine Rote Karte bei der WM hat eine automatische Spielsperre zur Folge. Doch die FIFA machte nun erstmals bei dem Turnier von einem Artikel im Disziplinarreglement Gebrauch – und hat damit wohl die Türen für weitere nationale Verbände geöffnet.
07.07.2026, 00:2707.07.2026, 00:27

Die FIFA hat erstmals in ihrer Geschichte eine Sperre während einer Weltmeisterschaft auf Bewährung ausgesetzt. So darf der US-Stürmer Folarin Balogun im Achtelfinal gegen Belgien spielen, obwohl er im Sechzehntelfinal gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen hat. Dies hat eine automatische Spielsperre zur Folge – der Weltfussballverband hat Balogun jedoch begnadigt. Die Reaktionen und die Kritik waren daraufhin heftig. Die UEFA sprach zum Beispiel von einer überschrittenen roten Linie.

Ein Grund für den Ärger sind die Umstände rund um den Entscheid: Unter anderem fand zwischen dem Platzverweis und dem Entscheid des FIFA-Disziplinarkomitees ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino statt. Und obwohl Letzterer verneint, dass das einen Einfluss auf den Fall Balogun hatte, scheint damit die Büchse der Pandora geöffnet worden zu sein.

Denn wie in englischen Medien nun berichtet wird, überlege sich der dortige Verband FA nun, die Sperre gegen Jarell Quansah anzufechten. Der 23-jährige Verteidiger sah im Achtelfinal gegen Mexiko (3:2) wie Balogun nach einem Eingriff des VAR direkt Rot. Die FIFA erlaubt eigentlich gar nicht, Berufung gegen Sperren einzulegen. Dies hatten Vertreter des Weltverbands nach der Roten Karte gegen Balogun gegenüber «The Athletic» bestätigt.

Beim späteren Entscheid, die Sperre auf Bewährung auszusetzen, berief es sich auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, wonach die Durchführung einer Disziplinarmassnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann. Dies wurde zuvor aber bei einer Weltmeisterschaft noch nie getan. Die Regel erlaubt es der FIFA also de facto, nach ihrem Gutdünken zu entscheiden.

Als Reaktion hat der britische Abgeordnete Noah Law einen Brief an Gianni Infantino verfasst. In etwas spöttischem Ton bat er darin um die Aufhebung der Sperre gegen Quansah. «Während ich es für richtig halte, dass Jarell Quansah die Rote Karte erhalten hat, und ich glaube, dass die Regeln für alle gleich gelten sollten, sollte die Sperre auf nach der WM verschoben werden», schrieb der 32-jährige Labour-Politiker und verwies auf die ähnliche Situation rund um Balogun.

Die Integrität eines Turniers hänge auch davon ab, dass die Regeln für alle Nationen gleich angewandt würden. «Ich bin sicher, dass wir es nicht rechtfertigen könnten, wenn ein Spieler von einer aufgehobenen Sperre profitiert, während ein anderer unter ähnlichen Umständen dies nicht tut», so Law.

Zusätzlich habe auch der französische Fussballverband (FFF) Berufung gegen die Gelbe Karte von Michael Olise beim 1:0-Sieg im Achtelfinal gegen Paraguay eingelegt, wie The Athletic weiss. Der Offensivspieler wurde nach einer Auseinandersetzung mit Matias Galarza verwarnt. Der Paraguayer ging zu Boden und hielt sich das Gesicht. Die Videobilder zeigten jedoch, dass Olise lediglich am Trikot des Gegenspielers gezerrt, ihn aber nicht im Gesicht getroffen hatte. Sollte Olise im Viertelfinal erneut eine Gelbe Karte erhalten, würde er im Halbfinal gesperrt fehlen. Der französische Verband teilte aber mit, dass die Berufung keine Reaktion auf den Fall Balogun war. Stattdessen sei die Gelbe Karte gegen Olise unabhängig davon eine Ungerechtigkeit.

In dieser Szene sah Olise die Gelbe Karte.Video: YouTube/OG Football

Dennoch hat die FIFA offensichtlich an einer zuvor unumstösslichen Wahrheit gerüttelt: Auf eine Rote Karte folgte bisher zuverlässig eine Sperre von mindestens einem Spiel. Gleiches gilt bei einer gewissen Anzahl Gelber Karten im gleichen Wettbewerb. Weil dies aber nicht mehr in jedem Fall gilt, drohen in Zukunft nach jedem Platzverweis grosse Diskussionen und Gestürm beim Weltfussballverband, dass diese Sperre doch nun auch ausgesetzt werden solle.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Fussball-WM 2026
1 / 119
Die besten Bilder der Fussball-WM 2026

Fast schon Renaissance, Teil 1: Ob Aymeric Laporte diesen Ball getroffen hat?

quelle: keystone / sam wasson
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump zum Fall Balogun und Infantino
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
4 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
4
«Ich habe bei der FIFA darum gebeten»: Trump spricht über Telefonat mit Infantino
Der Fall Balogun beschäftigt die Fussball- und Politikwelt weiterhin. Nachdem sich der belgische Fussballverband öffentlich über das Vorgehen der FIFA beschwert hat, giesst nun US-Präsident Donald Trump weiter Öl ins Feuer. Bei einer Medienkonferenz im Oval Office sprach Trump über die von der FIFA wieder zurückgezogene Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun.
Zur Story