Verjüngt und noch mehr Romandie: Das ist die neue Schweizer Nati
Es begann mit dem Xhaka-Hammer: Durch Recherchen des «Blick» kam heraus, dass der Schweizer Captain vor vier Jahren ein Covid-Zertifikat gekauft hatte. Kurzfristig entschieden der Verband und der Spieler deshalb, dass Xhaka den aktuellen Zusammenzug auslässt. Dass der Rekordspieler dem Team bei den vier Spielen innert elf Tagen sportlich und als Leader fehlen wird, steht ausser Frage. Dennoch scheint der Entscheid der richtige gewesen zu sein.
Wäre Xhaka dabei gewesen, hätte sich im Camp in Belek in der Türkei alles um ihn gedreht. Dabei den Fokus zu behalten, wäre für alle schwierig geworden. So aber konnte die Mannschaft den Blick stets auf die kommenden Aufgaben in der Nations League richten.
Natürlich wurden die Spieler an den Pressekonferenzen gleichwohl auf den grossen Abwesenden angesprochen. Dies moderierten sie jedoch souverän ab. Praktisch unisono hielten sie fest: Es sei schade, dass Xhaka nicht da sei, es sei seine Privatsache und sie hofften, ihn bald wieder beim Team zu haben. Auch Trainer Yakin sagte, mit seiner Abwesenheit habe Xhaka «zum Wohle des Teams» gehandelt.
Ein kleiner Umbruch
Die Antwort auf die Frage, ob der Basler, der am Sonntag 34 Jahre alt wird, auch künftig noch der richtige Captain ist, wurde auf später verschoben. Vorerst geht es darum, die Mission «Direkter Wiederaufstieg» in Angriff zu nehmen. Nach dem erstmaligen Abstieg in die Liga B wollen die Schweizer schnellstmöglich in die höchste Liga der Nations League zurück. In der Gruppe mit Schottland, Slowenien und Nordmazedonien ist Platz 1 das klare Ziel.
Dieses nimmt Yakin mit einem verjüngten Team in Angriff, wobei das Grundgerüst weiter besteht. Sascha Britschgi, Winsley Boteli (beide 20) und Zachary Athekame (21) stehen vor ihren Debüts im A-Nationalteam. Hinzu kommen Rückkehrer wie Alvyn Sanches (23) und Adrian Bajrami (24).
Ihre Einsatzchancen stehen gut. Vom WM-Team sind drei Spieler zurückgetreten (Silvan Widmer, Christian Fassnacht, Noah Okafor), zudem fehlen neben Xhaka auch Leistungsträger wie Denis Zakaria und Ruben Vargas, die verletzt sind. Die erste Partie verpasst zudem Breel Embolo, der nach seiner Roten Karte im WM-Viertelfinal gegen Argentinien gesperrt ist. Aufgrund dessen hat der Stürmer in Absprache mit Yakin auch entschieden, länger bei seinem neuen Klub Atlanta United zu bleiben und erst fürs zweite Spiel in Glasgow zum Nationalteam zu stossen.
Vor allem die formstarken Zachary Athekame als Rechtsverteidiger und Winsley Boteli als Stürmer dürfen damit hoffen, beim ersten Spiel in Skopje bereits in der Startaufstellung zu stehen. Als Xhaka-Ersatz haben sich die beiden 24-jährigen Fabian Rieder und Ardon Jashari in Stellung gebracht.
Es wird französisch gesprochen
Was ebenfalls auffällt: Die Romandie ist noch stärker vertreten. Winsley Boteli und Zachary Athekame ergänzen die starke Genfer Fraktion um Johan Manzambi und Zeki Amdouni, zu der auch der verletzte Denis Zakaria gehören würde. Alvyn Sanches, Isaac Schmidt und Dan Ndoye bilden ein Waadtländer Trio. Die nachnominierten Joël Monteiro und Vincent Sierro sowie Ersatzgoalie Yvon Mvogo präsentieren derweil den französischsprachigen Teil der Kantone Wallis und Freiburg.
Natürlich gibt es so diverse Grüppchen, zu einer Lagerbildung kommt es jedoch nicht. Denn mehrere Spieler aus der Romandie und der Deutschschweiz sind (fast) perfekt bilingue. Dennoch muss sich noch zeigen, wie die neue Gruppe zusammenfindet. In den letzten Jahren wurde der Teamgeist immer wieder als Hauptgrund für die Erfolge genannt.
Erste Hauptprobe dafür ist das Spiel gegen Nordmazedonien – das erste Aufeinandertreffen der beiden Nationen. In Abwesenheit von Xhaka dürfte Manuel Akanji die Mannschaft in die Tose-Proeski-Arena führen, die dem 2007 verstorbenen Sänger gewidmet wurde und gut 36'000 Fans Platz bietet. Dort kann das Team beweisen, dass es den Xhaka-Hammer tatsächlich so gut verdaut hat, wie es die demonstrativ gute Stimmung während der Trainingswoche in Belek erahnen lässt. (riz/sda)
