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Embolo war dabei, als die neuen Regeln für die WM erklärt wurden

Switzerland's Breel Embolo, left, reacts after referee Joao Pedro Silva Pinheiro, right, sends him off the field with a red card after VAR intervention during the World Cup quarter final match be ...
Breel Embolo kann es nicht fassen: Er muss runter.Bild: keystone

Embolo war dabei, als die neuen Regeln für die WM erklärt wurden

Der Platzverweis gegen den Schweizer Stürmer ist unbestritten der Knackpunkt im WM-Viertelfinal gegen Argentinien. Wie Breel Embolo reagiert und was die Teamkollegen sagen.
12.07.2026, 12:0112.07.2026, 17:13
Sebastian Wendel, Kansas City / ch media

Kritik in Richtung Breel Embolo für seine Schwalbe? Nicht von seinen Teamkollegen. Obwohl sie unisono zustimmen, dass der darauffolgende Platzverweis gegen den Stürmer der Nati das Momentum geraubt hat und der Grund für die Niederlage ist. Manuel Akanji sagt stellvertretend: «Breel ist so wichtig für uns, wir stehen hinter ihm.»

Der Rotsünder selber läuft nach dem Spiel mit gesenktem Kopf an den Journalisten vorbei. Reden will er nicht. Trost gibts von seinen Kindern und seiner Frau, die zu Embolo in den Bus eilen, wo er gedankenversunken auf die Rückfahrt ins Hotel wartet. Trotz seinem Schweigen ist es keine besonders gewagte Prognose, dass Embolo noch lange mit dem Geschehen rund um die 69. Minute zu kämpfen haben wird.

Mit Embolos Theatralik nimmt das Unheil seinen Lauf

Zwei Minuten ist es her seit Dan Ndoyes Treffer zum 1:1, die Nati hat den amtierenden Weltmeister nun endgültig im Würgegriff. «Wir hatten mehr Energie und mehr Qualität auf dem Platz als sie, wir waren besser», wird Granit Xhaka später sagen. Dann kommts zum Zweikampf zwischen Embolo und Leandro Paredes nahe der Mittellinie.

Der Schweizer schiebt den Ball am Argentinier vorbei, fällt hin und wälzt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden. Embolos Theatralik ist es, die Schiedsrichter Pinheiro dazu bewegt, Paredes Gelb zu zeigen. Und damit nimmt das Unheil seinen Lauf: Der Videoschiedsrichter bittet Pinheiro an den Bildschirm, worauf dieser die Gelbe Karte für Paredes zurücknimmt und sie stattdessen auf Embolo überwälzt. Grundlage ist das extra für die WM eingeführte Regelinstrument «Mistaken Identity». Der Begriff ist ab sofort haushoher Favorit bei der nächsten Wahl des «Unwort des Jahres».

So brutal der Entscheid für Embolo und die Nati – er ist korrekt. Das Groteske daran: Embolo ist selber schuld. Hätte er die Theatralik bei seiner Schwalbe sein lassen, wäre Schiedsrichter Pinheiro gar nicht erst auf die Idee gekommen, den Argentinier zu verwarnen. Und hätte dann nicht die Möglichkeit bekommen, Embolo für seine Schauspielerei zu bestrafen.

Wut, Fassungslosigkeit, Tränen

So musste Embolo am eigenen Leib erfahren: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Mit dem Hintergrund, dass er bereits verwarnt war, ist das Verhalten für einen 29-jährigen, vermeintlich abgezockten Spieler wie Embolo doppelt fragwürdig.

Als er das Ausmass seiner Schwalbe begreift, reagiert Embolo mit einer Mischung aus Wut und Fassungslosigkeit. Die Teamkollegen müssen ihn erst zurückhalten, damit Embolo mit bösen Worten Richtung Schiedsrichter nicht alles noch schlimmer macht. Ehe er weinend und mit dem Gesicht unter dem Trikot den Platz verlässt.

«Wahnsinn, schon gelbverwarnt so eine Schwalbe zu machen»

Von internationalen Beobachtern hagelt es scharfe Kritik für Embolo. «Der dümmste Platzverweis der WM», schreibt die deutsche Bild-Zeitung. Für die englische Daily Mail ist Embolos Schwalbe «embarrassing» – also schlicht peinlich. Der ehemalige BVB- und Bayern-Verteidiger und 2014er-Weltmeister Mats Hummels stellt bei Magenta-TV klar: «Die Aktion hat das Spiel entschieden, zuungunsten der Schweizer. Embolo wird es sicher nicht sonderlich gut gehen. Das ist natürlich Wahnsinn, schon gelbverwarnt so eine Schwalbe zu machen. Dazu noch eine, die noch nicht mal besonders viel bringt – in einem Raum, der komplett gefahrenfreie Zone ist.»

Schiedsrichter ohne klare Linie

Hat Embolo mit seiner Schwalbe den Halbfinal-Einzug gekostet? Die Frage ist hypothetisch. Manuel Akanji jedenfalls ist überzeugt: «Hätten wir zu elft weitergespielt, hätten wir sie geschlagen.» Dann rechnet der Nati-Abwehrchef generell mit der Schiedsrichter-Leistung ab: «Ich bin eigentlich keiner, der über den Schiedsrichter schimpft. Aber heute wurde jede Kleinigkeit für sie gepfiffen. Ich habe noch nie eine Partie gespielt, in der es so einseitig war. Keine Schwalbe von ihnen wurde geahndet. Es gab keine Gelbe Karte gegen sie in den ersten 90 Minuten. Für die Szene von Breel gibt es dann die Gelbe Karte.»

Kritisiert wird im Schweizer Lager auch die erste Verwarnung für Embolo. Für sich gesehen, verdient das Foul gegen Paredes in der 44. Minute eine Gelbe Karte. Aber es stimmt schon, was Akanji und Co. anprangern: Bei gleicher Linie hätte Pinheiro schon während der regulären Spielzeit Karten in Richtung der Argentinier zücken müssen. Und nicht erst in der Verlängerung. «Wenn du Embolo für das Gelb gibst, musst du die Karte vorher schon geben bei den Fouls gegen Breel», sagt Murat Yakin.

Der Natitrainer äussert vor allem Unverständnis für die Einführung der neuen Regel: «Ich weiss nicht, wer die erfunden hat. Dass wir durch eine Regel so geschwächt werden, ist für mich unverständlich. Wie wir gekämpft haben, mit welcher Mentalität und Qualität wir gespielt haben, zeigt mir: Meine Spieler sind Helden.»

Spieler vor Turnier aufgeklärt

Captain Xhaka stimmt Yakin zu: «Die Regeln sind die Regeln, wir können sie nicht verändern. Aber mit so einer Entscheidung killen sie den Fussball, das ist meine Meinung. Ich appelliere: Killt nicht das Spiel!» Und Remo Freuler meint auf die Frage, ob höhere Mächte Embolos Platzverweis und somit das Schweizer Ausscheiden befohlen hätten: «Dazu darf ich leider nichts sagen. Aber eine schlüssige Erklärung, wie man in dieser Szene auf einen Platzverweis für Embolo kommt, habe ich bislang nicht bekommen.»

Bei allem Verständnis für den Frust: Bemängeln, noch nie etwas von «Mistaken Identity» gehört zu haben, können die Schweizer nicht. Akanji sagt: «Fairerweise muss man sagen: Die FIFA hat uns vor der WM über die neue Regel informiert.» Bei der Regelkunde war auch Embolo anwesend.

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105 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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NotYouButMe
12.07.2026 13:15registriert November 2023
Ich befürworte jede Regeländerung, die Schwalben härter bestraft.
Das ist einfach eine Unsitte.
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cucumberworld
12.07.2026 12:24registriert September 2019
Tja selber Schuld, das war eine absolut unnötig Schwalbe. Und nur als Info, die Regel kam zum ersten Mal bei Paraguay vs USA zum Zug, da hätte man schon sehen können, dass es für Schwalben Konsequenzen gibt.
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hgehjvkoohgfdthj
12.07.2026 12:46registriert März 2020
Das sind Profifussballer. Die Regeln zu kennen ist Voraussetzung zur Ausübung dieses Berufes. Könnte man meinen. Und das ist auch so. "Die FIFA hat uns vor der WM über die neue Regel informiert. Bei der Regelkunde war auch Embolo anwesend." Das nächste mal, sollten die Regeln nach dem Unterricht aber mit einem Test geprüft werden, damit niemand durch die Maschen schlüpfen kann. Wer wiederholt durchfällt, hat während des Unterrichts nicht aufgepasst oder hat generell Verständnisprobleme und muss individuell geschult werden.
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