«Es würde ihnen gefallen, wenn wir bald heimreisen» – Iraner kritisieren FIFA scharf
Der Iran darf weiter auf einen Platz in der K.-o.-Phase der Fussball-WM hoffen. In der Tabelle der Gruppendritten liegt er nach seinem letzten Spiel der Vorrunde (1:1 gegen Ägypten) auf Rang sechs – die besten acht kommen weiter. Sofern der Iran in dieser Tabelle heute Nacht nicht mehr von Kroatien, Algerien und der DR Kongo überholt wird, ist er im Sechzehntelfinal Gegner der Schweizer Nati.
Obwohl die WM-Reise der Iraner also womöglich noch ein Stück weitergeht, zogen sie nach dem Ende der Gruppenphase eine erste Bilanz – und liessen dabei kein gutes Haar an der FIFA. «Präsident Gianni Infantino muss aufstehen, damit nie mehr ein Team so unfair behandelt wird wie wir», sagte Trainer Amir Ghalenoei nach dem 1:1 gegen Ägypten.
Damit sprach er die Visum-Situation seiner Mannschaft an. Die iranische Delegation erhielt von der US-Regierung aufgrund des Krieges gegen den Iran nur beschränkt gültige Visa. Die Iraner, die ihre WM-Basis kurzfristig nach Tijuana in Mexiko verlegt haben, dürfen jeweils nur am Spieltag in die USA ein- und wieder ausreisen.
Das sorgte gerade am letzten Spieltag für grossen Stress. Die Partie gegen Ägypten begann um 20 Uhr Ortszeit und die Iraner mussten vor Mitternacht die USA wieder verlassen. Ihr Flieger landete dann um 3 Uhr in Tijuana. Einige Staff-Mitglieder durften sogar überhaupt nie in die USA einreisen.
«Ich weiss, dass Infantino versucht hat, unsere Probleme zu minimieren. Aber der Gastgeber hat uns nicht gut behandelt», klagte Ghalenoei. Er dränge die FIFA, zu schauen, dass in Zukunft keine Mannschaft und keine Spieler mehr derart schlecht behandelt werden.
Captain Mehdi Taremi schlug in die gleiche Kerbe: «Dieses Turnier war von Beginn weg ein Desaster.» Es sei die Aufgabe der FIFA, jedes Problem zu lösen, aber leider habe der Weltverband beim Iran dies nicht geschafft.
«Infantino kam bei unserem ersten Spiel in die Garderobe und versprach, das sei erst der Anfang. Aber die Gruppenphase endet, und wir haben unsere Logistikleute nicht hier, wir haben keine Visa. Wie ist das möglich?», wetterte der Stürmer von Olympiakos Piräus.
Der 33-Jährige wurde auch noch gefragt, ob er das Gefühl habe, dass die USA und die FIFA wollen, dass sich der Iran möglichst schnell aus dem Turnier verabschiedet. Taremi antwortete: «Von unserer Perspektive sieht es so aus, als würde es ihnen gefallen, wenn wir bald heimreisen.» (abu)
