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Barcelona's Luis Suarez, right, challenges Juventus's Giorgio Chiellini, left, and Juventus's Leonardo Bonucci, center, during the Champions League quarterfinal second leg soccer match between Barcelona and Juventus at Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Wednesday, April 19, 2017. (AP Photo/Manu Fernandez)

Was für ein Duo: Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini sind das beste Innenverteidiger-Duo der Welt. Bild: Manu Fernandez/AP/KEYSTONE

Kommentar

So geht Betonmischen 2.0: Juventus zeigt uns, dass auch Verteidigen Spass machen kann

Barcelona ist entzaubert. Der sechste Champions-League-Titel für den ewigen Favoriten muss warten. Grund dafür ist Juventus Turin – und das mehr als verdient, mit schön anzusehendem Betonmischen 2.0.



Jetzt können wir endlich mal ein Loblied auf Juventus Turin singen – und dann ist unser Juventino, Rasenmeister Zappella, nicht im Büro. Darum wird mir die Aufgabe zugeteilt. Es fällt mir etwas schwer. Denn Juve mag ich nicht.

Aber gestern hatte ich grossen Spass am italienischen Serienmeister. Vor dem Spiel kündete ich einem anderen Arbeitskollegen, der an das Wunder von Barcelona glaubte, zwar noch an: «Italiener lassen sich nicht mit 3:0 oder 4:0 abschiessen.» Aber dass Juventus dann so souverän auftreten würde, das hätte ich nicht gedacht. In den letzten zwei Saisons blieb nur Malaga im Camp Nou ohne Gegentor. Die Südspanier wussten wohl kaum warum. Juventus kennt die Gründe genau: BBC und Betonmischen 2.0.

Juventus players celebrate at the end of the Champions League quarterfinal second leg soccer match between Barcelona and Juventus at Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Wednesday, April 19, 2017. The game ended in a goal less draw and Juventus advances after their first leg win. (AP Photo/Emilio Morenatti)

BBC und Betonmischen 2.0: So darf sich Juventus über das CL-Halbfinale freuen. Bild: Emilio Morenatti/AP/KEYSTONE

Nie musste man Angst haben, dass die «alte Dame» im Camp Nou noch stolpern würde. Dabei spielte Barcelona nicht mal schlecht. Aber spätestens in der entscheidenden Zone ging nichts mehr. Der vielgelobte MSN-Sturm blieb impotent. Lionel Messi hatte zwar Torchancen, aber die Genauigkeit fehlte; Neymar war bemüht, aber glücklos; Luis Suarez ein Ausfall. Die «Marca» gibt dem Uruguayer gar das Prädikat: «Schlechtester Mann auf dem Platz.»

Kein MSN-Sturm, dafür die italienische BBC-Verteidigung

Es fehlte einfach die Magie, die es für ein zweites Wunder wie gegen den PSG gebraucht hätte. Denn Juventus hat zwar kein MSN, dafür aber das italienische BBC: Buffon, Bonucci, Chiellini. Wie diese drei die Mannschaft dirigierten, war schlicht phänomenal. Allen voran Giorgio Chiellini. Der 32-Jährige ist ein Meister des Spiellesens, grätscht wie kein Zweiter und war eine unüberwindbare Hürde. Gegenspieler Suarez verdankt sein «Marca»-Prädikat dem Abwehrrecken. 

epa05915859 FC Barcelona's Luis Suarez (L) and Giorgio Chiellini (R) of Juventus react during the UEFA Champions League quarter final, second leg soccer match between FC Barcelona and Juventus FC at Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, 19 April 2017.  EPA/QUIQUE GARCIA

Eine Geste, zwei Aussagen: «Was soll ich machen, der ist so gut» (Suarez) und «Was soll ich machen, ich bin so gut» (Chiellini). Bild: EPA/EFE

Neben Chiellini verteidigt Leonardo Bonucci, 29-jährig, Nationalmannschaftskollege und mit ähnlichen Attributen wie sein Nebenmann gesegnet. Dass dann dahinter noch Gigi Buffon im Tor steht, trägt das Übrige zum genialen Defensivverbund Juventus' bei. Gestern musste er zwar nicht oft eingreifen, aber wenn – dann war der Goalie da.

Dumm für Juventus' Marketingchef ist einzig, dass sich Shirts von Verteidigern und Goalies deutlich schlechter verkaufen als Stürmer-Leibchen. Seit 2010 verteidigen die drei zusammen bei der Juve und in der Nationalmannschaft. Man sieht es ihnen jede Sekunde an.

Juventus' Leonardo Bonucci, left, fights for the ball with Barcelona's Luis Suarez during the Champions League quarterfinal second leg soccer match between Barcelona and Juventus at Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Wednesday, April 19, 2017. (AP Photo/Emilio Morenatti)

Leonardo Bonucci: Du kommst hier nicht vorbei, Luis! Bild: Emilio Morenatti/AP/KEYSTONE

Attraktives Verteidigen

Den Triumph mit einer Mauertaktik zu begründen, wäre allerdings viel zu kurz gegriffen. Natürlich stand der italienische Meister defensiv extrem solid und spulte sein Programm unaufgeregt und nie nervös ab. Aber vom alten italienischen Catenaccio war das weit entfernt. Denn selbst als neutraler Zuschauer machte Juventus' Darbietung Spass.

Betonmischen 2.0 können wir es nennen: Aktiv verteidigen, aggressiv und hart, aber fair spielen und auch nach vorne agieren. Juve hatte über beide Spiele gesehen kaum weniger Torchancen als Barcelona. Im Hinspiel überraschte Juventus insbesondere in der ersten Halbzeit offensiv mit Dybala, Higuain, Mandzukic und Cuadrado in Spiellaune und auch im Rückspiel zeigten sich die Gäste frech und hätten mehrfach ein Tor erzielen können.

Barcelonas Trainer Luis Enrique musste an der Pressekonferenz nach der Partie gestehen: «Wir haben zwei Teams gesehen, die angriffen. Wir, weil wir mussten, aber sie haben sich auch nicht einfach nur eingeigelt.» Sein Gegenüber Massimiliano Allegri lobte seine Squadra derweil: «Barcelona hatte heute weniger Chancen als in Turin. Wir standen sehr gut. In zwei Spielen gegen Barcelona kein Tor kassieren, das kommt nicht oft vor. Offensiv hätten wir unsere Chancen konsequenter zu Ende spielen müssen.»

epa05915959 Juventus' head coach Massimiliano Allegri reacts during the UEFA Champions League quarter final, second leg soccer match between FC Barcelona and Juventus FC at Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, 19 April 2017.  EPA/ALBERTO ESTEVEZ

Der Baumeister des Erfolgs: Massimiliano Allegri. Bild: EPA/EFE

Allegri steht am Ursprung dieser Leistung. Im Sommer 2016 vollzog er den Umbruch und sorgte nach Startschwierigkeiten für die Auferstehung der alten Dame. Jetzt hat er sein Team so weit geschult, dass der Titel in der Königsklasse zuzutrauen ist. Erst zwei Gegentore kassierte Juventus in der diesjährigen Champions League, in der K.o.-Phase hielt Buffon seinen Kasten bisher gar noch rein. Das schaffte seit der Saison 2005/06 (Arsenal) seither niemand mehr.

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Der irische Experte Eamon Dunphy ist trotz allem noch nicht ganz überzeugt von Juventus Turin. Er sieht da praktisch nur Esel im Team. Video: YouTube/RDinHD

Die Krone auf Buffons Karriere?

Der 39-jährige Goalie will diesen Titel unbedingt. Neben der Europameister-Trophäe ist er der einzige, der im Palmares noch fehlt. «Wir haben mit unserer Vorstellung hier gezeigt, was wir können. Da waren vor allem in der Defensive einige Momente, in denen wir bewiesen, dass wir ein echtes Team sind. Aber der Erfolg heute bringt nichts, wenn wir den Titel nicht gewinnen.»

epa05903536 Juventus' goalkeeper Gianluigi Buffon celebrates their 3-0 win at the end of the UEFA Champions League quarter final first leg soccer match between Juventus FC and FC Barcelona at Juventus Stadium in Turin, Italy, 11 April 2017.  EPA/ANDREA DI MARCO

Gigi Buffon: Er will nach dem Uefa-Cup 1999 mit Parma auch die Champions League endlich gewinnen. Bild: EPA/ANSA

2015 stand Juventus letztmals im Final. Damals unterlagen die Turiner Barcelona klar mit 1:3. Jetzt soll der erste Champions-League-Titel seit 1996 her. Es ist ein altes Sprichwort, das Juventus Mumm macht: «Mit dem Sturm gewinnst du Spiele, mit der Verteidigung Meisterschaften.» Die Serie A ist zwar seit Jahren nicht mehr die beste Liga der Welt, aber Juventus aktuell sicherlich eines der besten Teams des Planeten. Mit dieser taktischen Reife würden die Bianconeri die Premier League gewinnen. Und so gewinnen sie auch die Champions League.

Umfrage

Wer gewinnt die Champions League?

  • Abstimmen

3,646

  • Atlético Madrid7%
  • Juventus Turin65%
  • AS Monaco7%
  • Real Madrid21%

PS: Falls du das liest, Rasenmeister Zappella: Das heisst nicht, dass ich Juventus nun plötzlich mag. Und wichtig ist jetzt, dass alle auf dem Boden bleiben.

Gigi Buffons Karriere in Bildern

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • c_meier 20.04.2017 13:48
    Highlight Highlight Rasenmeister? Ist dieser Begriff das neue Pendent zum Eismeister? ;)
    • Reto Fehr 20.04.2017 14:24
      Highlight Highlight Ehre, wem Ehre gebührt ;-)
  • Therealmonti 20.04.2017 12:40
    Highlight Highlight Grande Juve! Auf meiner Playstation stemmen die Italiener schon den Pokal!
  • mrlila 20.04.2017 11:26
    Highlight Highlight Als Barca Fan, muss ich sagen das uch mich freue mal andere Mannschaften im Halbfinale stehen als die üblichen Verdächtigen.

    Traumfinale wäre Monacco vs Juve ☺️
    • mrlila 20.04.2017 14:04
      Highlight Highlight Bro, dis Dütsch isch hüt mal wieder bewundernswert! 😂
  • Luca Brasi 20.04.2017 10:17
    Highlight Highlight Achtung Herr Zappella, bald ist Herr Fehr der grösste Juventus-Fan auf der Redaktion. ;P
    • Reto Fehr 20.04.2017 11:01
      Highlight Highlight Nein, keine Angst. Mein italienisches Fussballherz ist längst vergeben.
  • elmono 20.04.2017 10:02
    Highlight Highlight BBC bezieht sich auf Barzagli, Bonucci und Chiellini. Plus noch die andere Sache, aber die hat mit Fussball nichts zu tun😂😂😂
    • will.e.wonka 20.04.2017 10:31
      Highlight Highlight das britische staatsfernsehen? 😝
    • Reto Fehr 20.04.2017 11:00
      Highlight Highlight Das stimmt, im Original mit Barzagli. Aber der hatte nur zwei Kurzeinsätze, darum hab ich ihn durch Buffon ersetzt.
    • greeZH 20.04.2017 13:07
      Highlight Highlight ..und dann wäre dann noch die Madrid Version.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cesare Maldini 20.04.2017 09:57
    Highlight Highlight Guter Kommentar Herr Fehr, schön zusammengefasst und für eine schweizer Online-Portal ziemlich kompetent. Die Serie A mag rein optisch für den neutralen "Event-Zuschauer" nicht so spektäkulär sein wie zBsp. die Premier League, allerdings ist sie meiner Meinung nach immernoch die schwierigste Liga für Stürmer und taktisch die durchdachteste. Was in England für Chancen zugelassen (und nicht verwertet) werden ist zum Teil zum Haareraufen. Conte wird mit Chelsea Meister und beweist dass Fussballtaktisch kein Land mit den Italiener mithalten kann, auch nicht Deutschland....
    • elmono 20.04.2017 11:01
      Highlight Highlight Amen.
    • greeZH 20.04.2017 13:10
      Highlight Highlight "..die schwierigste Liga für Stürmer und taktisch die durchdachteste." - Die wenigsten Tore werden allerdings in Spanien erzielt. Generell ist die spanische Liga auch taktisch die vielseitigste. Quelle: diverse spielverlagerung.de Analysen :)

      "..und etwa 5 vereine in der Stärkeklasse von Dortmund." - Nenn mir diese.
    • fischi 20.04.2017 14:45
      Highlight Highlight mich würden ebenfalls die 5 Vereine in der Stärkeklasse von Dortmund interessieren. Sehe da momentan nicht gerade viel hinter Juve.
    Weitere Antworten anzeigen

Sagt mal, bin ich hier der Einzige, der Oktoberfest doof findet?

Das Grauen hat einen Namen: Oktoberfest. Findet zumindest unser ansonsten dem Trinken nicht abgeneigter Redaktor.

Ich liebe Party. Partydiktat, aber? Nicht so sehr.

Oktoberfest – das ist nicht einfach mit ein paar Freunden feiern, nein. Denn man muss ja Sitzplätze reservieren, Eintritt bezahlen, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein und dann sofort in Partylaune sein.

Gemütlichkeit unter Stress, das ist Oktoberfest. Hier geht alles auf Kommando: Jetzt alle schunkeln! Jetzt alle Prosten! Jetzt alle mitgrölen!

Okay, Mitgrölen geht sowieso nicht, denn der Soundtrack ist unterirdisch. Jene …

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