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Irgendwo im Nirgendwo. Ohne Bier. bild: bruno der kameramann

Drei Stunden, zwei Gummiboote, ein Ziel: Der Sieg beim Klassiker Bremgarten–Gebenstorf



Wir, die Q und der rasende Holländer, stellen uns der Reuss und bestreiten den wohl hartumkämpftesten Wasser-Wettkampf der letzten Jahre – mindestens.

Linus van Moorsel, Quentin Aeberli

Es ist angerichtet: Bei perfekten Bedingungen, strahlendem Sonnenschein und hohem Wasserstand stellen sich die bescheidenen Zürcher Langstrassen-Piraten (die Q & der rasende Holländer) den Aargau-Spiessern*. Bei den Aargauern geht es um Leben und Tod, bei uns um viel mehr.

Die Regeln sind schnell erklärt: Wer zuerst in Gebenstorf ohne Kollateralschaden ankommt, dem gebührt Ehre, Respekt und vier Fantastillionen Euro (umgerechnet sieben Franken fünfzig). Betrügen erlaubt, sogar erwünscht. Und zu unserem Vorteil müssen wir heute keine Surfersprache mehr verwenden. Ahoi!

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Hier unsere Route von Bremgarten nach Gebenstorf, dargestellt in roten Punkten. Länge: 25 Kilometer. bild: schweizmobil

Dass es um viel geht, zeigt bereits die Ausrüstung. Für welche Liste man sich entscheidet, liegt im Ermessen der Fahrer:

Must-have-Liste

– Gummiboot

– Paddel (erweist sich als essentiell)

– Gute Laune

– Kein Bier

– Badehosen

– Badetuch

– Musik

– Sonnencrème für die Nase

Linus' Spass-Liste

– Eile mit Weile (ja, das Brettspiel)

– Lupe (was brennt, was brennt nicht?)

– Fischerrute

– Mensch ärgere dich nicht (hihi)

– Wasserpistole (um Spiesser zu ärgern)

– Brot (um mit Enten Spiesser zu ärgern)

– Sepp-Blatter-Masken (um Sepp Blatter zu ärgern)

Vor dem Rennen

Während die Spiesser* aus dem Aargau in ihrem Gummiboot einen Holzboden (sie haben tatsächlich einen Boden aus Holz!) verlegen, flicken wir mit Klebeband die letzten Löcher unseres Seahawks. Etwas Luft entweicht dennoch, aber dafür haben wir ja eine Pumpe dabei. Immer.

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«Pump dä volume!» Beim Aufblasen sind wir noch optimistisch. Nur wissen wir noch nicht, dass das Boot ein Loch hat. gif: bruno der kameramann

Mehr Zeit als Geld

Als Studenten dafür ausgebildet mit einem mickrigen Budget die im Überfluss vorhandene Zeit totzuschlagen, reisen wir, die Q und der rasende Holländer (weil cooler als Quentin und Linus), durch die Schweiz, auf der Suche nach Sommeraktivitäten, welche den Griff zum Portemonnaie überflüssig machen. 

Es geht los: Mit unseren von Bier und Pizza gestählten Körpern stechen wir in die Reuss. Dank der geübten Zürcher Arroganz können wir den Spiessern* einen gewissen Vorsprung lassen. Aber sonst wüssten wir ja sowieso nicht, wo wir durchfahren müssen.

Die erste Panne – die Spiesser* ziehen davon

Während die Spiesser* mit ihrer ganzen Routine im Rhythmus davonziehen wie Cäsars Wasserburschen, lassen wir uns stattdessen gemütlich vom Fluss leiten und verdauen dabei die Burger vom Mittagessen (mehr Gewicht = schneller). «Für was braucht man Paddel auf dem Fluss?», denken wir uns.

Zehn Minuten auf der Reuss, und wir wissen warum nicht-paddeln eher suboptimal ist. Dieser knifflige Fluss hat sogar Kurven und die unfairen Spiesser* haben uns nicht davor gewarnt – charakterlose Lappen. So machen wir ein erstes Mal Bekanntschaft mit der schönen Aargauer Natur. Aber seht (und vor allem hört Linus' charmantes Lachen) selbst.

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Wir schauen lieber darauf, dass unser Bier nicht verschüttet wird, statt Kameramann Bruno vor den näherkommenden Büschen zu schützen. Jeder setzt seine Prioritäten halt anders. video: bruno der kameramann

Vorschläge für «die Q und der rasende Holländer»? 

Habt ihr weitere Ideen, welche zum Thema «Mehr Zeit als Geld» passen würden? Unsere Wagemutigen sind zwar auf Sport spezialisiert, gelten aber weit herum als Universaltalente. Sie können also auch Kultur und People, ja selbst ziemlich Sinnloses – solange es nicht viel kostet. Vorschläge werden gerne von quentin.aeberli@watson.ch entgegengenommen!

Paddelbruch und fiese Schnurattacke

Das gegnerische Team (die Spiesser*, falls noch nicht erwähnt) hat trotz unserer taktisch eingesetzten Lupenangriffen schnell einen grossen Vorsprung (sie verzichten sogar aufs Fischen – diese Snobs). Auch die Enten lassen uns am Tag der Entscheidung im Stich. Gibt es im Aargau eigentlich keine Enten?! 

Dank unseres guten Verhältnisses zu Gott (Zlatan Ibrahimovic) werden unsere Gebete später zum Glück doch noch erhört und das Schicksal schlägt sich auf unsere Seite: Die Spiesser* erleiden einen Paddelbruch. Yeah Brah!

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Schaut euch diese Spiesser* an. Nicht einmal mit einem Paddel können sie richtig umgehen. bild: bruno der kameramann

Wir nutzen die Gunst der Stunde, holen auf und landen mit einer gezielten Schnurattacke einen Volltreffer. Schnell und unbemerkt verbindet Linus die beiden Boote. Und aus uns bis heute unerklärlichen Gründen, entwickelt sich ab diesem Zeitpunkt ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. Keiner kann sich richtig vom Gegner lösen.

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Das epische Video zum ganzen Rennen. Vor allem die Musik finden wir originell. video: bruno der kameramann

Der Schlussspurt. Oder: Unser Triumphlauf

Tatsächlich gelingt es bis zum Schluss keinem, sich abzusetzen. Es ist, als wären wir aneinander gebunden. Doch unsere In-Boot-Aufpump-Taktik, gespickt mit sportlichen Paddelschlägen in Richtung der Spiesser*, scheint sich als Erfolgsrezept zu etablieren.

Zum Schluss gibt uns Kapitän Varga von den Spiessern* noch einen kleinen Tipp. Wenn wir es nicht rechtzeitig vom Fluss schaffen, kann es bei der kommenden Schleuse lebensgefährlich werden. Danke, Kapitän Varga. Doch Angstmacherei hat bei uns noch nie geklappt, wir retten ein paar Hundertstel ins Ziel, bringen den Sieg ins Trockene (was für ein sagenhaftes Wortspiel) und werden von einer Meute frenetischer Fans in Gebenstorf empfangen. 

Für all jene, welche sich nun auch für eine Gummiboottour entscheiden, haben wir eine paar Dos und Don'ts in eine Liste verpackt (weil Listen sind toll):

Dos:

– Ein Boot ohne Löcher ist von Vorteil

– Für den Fall, dass ihr uns nicht glaubt: Flicksachen mitnehmen

– Paddel = Lebensgarantie

– Steigt in Gebenstorf aus, sonst wird's lebensgefährlich

Don'ts:

– Eile mit Weile weglassen (Töggel verrutschen die ganze Zeit und Linus beginnt zu bescheissen)

– Quintessenz aus Punkt 1: Nehmt keine Holländer mit

– Sucht euch bessere Gegner als diese Spiesser*

– Verlasst euch nicht auf die Enten im Aargau

*Namen der Redaktion bekannt, aber wir nennen sie lieber Spiesser

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gian.h 01.07.2015 16:41
    Highlight Highlight Ganz in der Nähe von mir liegt der Hedinger Weiher. Meine Challange an euch wäre es dem Eintrittsgeld von 2 Franken zu entkommen. (Man kann einfach aufs Areal laufen der Bademeister versucht dann, den Eintritt zu holen.) Erlaubt ist alles was das Gesetz nicht verbietet. (Geht mit jeder Badi, die ein solches System hat.)
    • Quentin Aeberli 03.07.2015 11:55
      Highlight Highlight I like!
    • Gian.h 05.07.2015 19:20
      Highlight Highlight Achtung die Blutsauger haben auf 6 Franken erhöht. Heisst mehr Motivation zu entkommen.

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