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Switzerland's Pajtim Kasami, front right, Benjamin Siegrist, front left, and Ricardo Rodriguez, back, operate their mobile phones during a stadium visit at the City of Coventry Stadium in Coventry, Great Britain, during the London 2012 Olympic Summer Games, pictured on Saturday, July 28, 2012. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bei Olympia 2012 sorgte Michel Morganella für einen Social-Media-Skandal. Wie er und seine Teamkollegen damals werden auch die olympischen Wintersportler ihre Erlebnisse über Twitter und Co. verbreiten. Bild: Keystone/Peter Klaunzer

Skandälchen im Anmarsch

Social-Media-Ereignis Sotschi – oder das Warten auf eine Panne am Stammtisch des 21. Jahrhunderts

Wann wird auch in Sotschi beim Hantieren mit Twitter oder sonstigen Kommunikations-Maschinen ein Shitstorm ausgelöst? 



Technisch hochgerüstet wie nie seit der Erfindung des Buchdruckes (1450) durchkämmen die Maschinisten der Medienindustrie das Universum nach Aussagen von Stars und Sternchen wie die Astronomen das Weltall nach ausserirdischer Intelligenz. Erst recht in Zeiten Olympischer Spiele. Also gerade in diesen Tagen. 

Die Medien funktionieren in diesem Zusammenhang wie eine «Empörungs-Maschine». Sie setzen im Kampf um Aufmerksamkeit sogar auf die ungefilterten Reaktionen von anonymen Leserinnen und Lesern. Harmlose oder aus dem Zusammenhang gerissene Sprüche werden skandalisiert und lösen können einen Shitstorm auslösen. 

Die ganze Welt hört mit

Damit wir uns in diesem Zusammenhang richtig verstehen: Aufrufe zu Gewalt, rassistische Sprüche, Beschimpfungen – kurzum, alles was justiziabel ist – hat auch in der schönen neuen Medienwelt nichts zu suchen. 

Aber sehr oft ist die Aufregung künstlich und die Empörung reine der öffentlichen Aufmerksamkeit geschuldete Heuchelei. Sind wir denn sooo empfindlich geworden? Die Äusserungen auf den verschiedenen Kanälen sind meistens spontan und auf den Punkt gebracht. 

Aber weder böse noch eine Aufregung wert. Twitter ist der Stammtisch des 21. Jahrhunderts. Bloss hören dank der neuen Technologie nicht bloss Freunde und Kollegen mit, sondern die ganze Welt. 

Morganellas übler Misstritt lässt grüssen

«Ich mache alle Südkoreaner fertig. Geht euch alle abfackeln, ihr seit eine Bande von geistig Behinderten.» Das schrieb Michel Morganella nach der 1:2-Niederlage gegen Südkorea beim olympischen Fussball-Turnier 2012 in London auf Twitter. Das geht nicht. Er wurde damals von Olympia-General Gian Gilli richtigerweise umgehend nach Hause geschickt. 

Vor Sotschi hat es bereits ein erstes Wetterleuchten am olympischen Medienhorizont gegeben. Die Skirennfahrerin Lara Gut hat durch harmlose Olympia-Kritik («Wenn ich zwölfmal durch einen Metalldetektor gehen muss um ein Rennen zu fahren, ist das nicht das, was ich mit den Olympischen Spielen verbinde») in einem Interview mit der «Sonntags-Zeitung» bei einem Deutschen Online-Medium einen Entrüstungssturm ausgelöst. Nicht nur Twitter hat seine Tücken.

Ein Skandälchen ist absehbar

Wir können ziemlich sicher sein, dass uns Sotschi 2014 einige Twitter- oder sonstiges Kommunikations-Skandälchen bescheren wird. Dass es am Stammtisch des 21. Jahrhundert irgendwann zu einer Panne kommen wird. Sind Social Media also Teufelszeug? Sollte den Sportlerinnen und Sportlern also während den olympischen Tagen der Umgang mit diesen Spielsachen verboten werden? Nein. Ganz im Gegenteil. 

Das Problem sind sehr oft nicht die Athletinnen und die Athleten. Sondern die Mechanik der Medien. Es ist beunruhigend, wenn so harmlose Aussagen wie jene von Lara Gut in Zeiten Olympischer Spiele zum Medienthema erhoben werden. 

Authentizität geht verloren

Und da ist noch etwas: Es ist nicht gut, wenn Alphatiere aus Sport, Kultur und Politik aus Furcht vor den Shitstorms immer mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen und immer vorsichtiger kommunizieren. So wird die Differenz zwischen dem, was gesagt und was gedacht wird, immer grösser. Die Authentizität geht verloren.  

Gian Gilli, Chef de Mission Swiss Olympic Team 2014, spricht an der Medienkonferenz der Swiss Olympic am Dienstag, 28. Januar 2014 in Dietikon. Das Schweizer Team in Sotschi umfasst 163 Athletinnen und Athleten und ist damit so gross wie noch nie an olympischen Winterspielen. Moeglich machte dies nicht zuletzt die Aufnahme von neuen Disziplinen ins Olympia-Programm. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Gian Gili setzt auf Eigenverantwortung. Bild: KEYSTONE

«Wir verpassen niemandem einen Maulkorb»

Gian Gilli war schon 2010 in Vancouver und 2012 in London Olympia-General. Er weiss also aus eigener Erfahrung, wie heikel Äusserungen von Athletinnen und Athleten sein können. Aber er sieht die Sache recht unaufgeregt und sagt zu watson: «Das IOC hat klare Richtlinien für den Umgang mit Social Media erlassen. Daran halten auch wir uns. Wir haben zudem entsprechende Schulungen gemacht. Die Athletinnen und Athleten haben auch eine Eigenverantwortung und wir werden niemandem einen Maulkorb verpassen oder Twitter verbieten.»

Im Umgang mit Social Media braucht es auch bei unserer Olympiadelegation in Sotschi weder Verbote, noch Gesetze, Richtlinien oder Therapeuten. Ja, sogar Schulungen sind übertrieben. Eigenverantwortung, Anstand und gesunder Menschenverstand reichen bei weitem. Und davon haben unsere Olympia-Helden ja hoffentlich genug. 

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