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Felix Auger-Aliassime, of Canada, celebrates a point against Borna Coric, of Croatia, during the quarterfinals of the Miami Open tennis tournament Wednesday, March 27, 2019, in Miami Gardens, Fla. (AP Photo/Jim Rassol)

Félix Auger-Aliassime wird in der Weltrangliste einen weiteren Sprung nach oben machen. Bild: AP/FR171669 AP

Das Migrations-Märchen – oder warum Kanada ein goldenes Tennis-Zeitalter bevorsteht

simon häring / ch media



Andere hätten den Kopf hängen lassen, mit dem Schicksal gehadert, vielleicht geweint. Nicht so Félix Auger-Aliassime, als er Ende 2017 früher als geplant aus Dubai abreisen musste, weil er sich am Knie verletzt hatte. Eine Woche lang hätte der damals 17-Jährige mit Roger Federer trainieren dürfen. «Ich machte mir keine Sorgen um ihn. Denn obwohl es ein schwieriger Moment für ihn war, blieb er positiv», erinnerte sich Federer einige Monate später an die Zeit mit dem Kanadier, der am 8. August 2000 und damit auf den Tag genau 19 Jahre nach ihm zur Welt gekommen war. Und Federer sprach auch davon, dass er sich sicher sei, dass Auger-Aliassime ein «grossartiger Spieler» werde.

Schon da eilte dem heute 18-Jährigen sein Ruf voraus. Mit 14 qualifizierte er sich als jüngster Spieler der Geschichte für ein Challenger-Turnier. Mit 16 gewann er seinen ersten Titel und die US Open der Junioren. Mit 17 gehörte er als Jüngster seit Rafael Nadal zu den 200 Besten der Welt. Noch bevor er seinen 18. Geburtstag feierte, gewann er sein drittes Challenger-Turnier. Das war vor ihm nur drei Spielern gelungen: Novak Djokovic, Richard Gasquet und Juan Martin Del Potro.

Der erste 2000er in den Top 50:

Ende Februar stiess er beim ATP-500-Turnier von Rio de Janeiro bis in den Final vor. Als Jüngster in der Historie der 2009 eingeführten Kategorie. Und nun? Nun steht er beim Masters-Turnier von Miami als Jüngster in der 35-jährigen Geschichte in den Halbfinals – als Qualifikant notabene. Er, der bisher alle fünf Duelle gegen Spieler aus den Top 20 gewonnen hat, stösst am Montag mindestens auf Platz 33 der Weltrangliste vor.

Flucht vor Krieg und Verfolgung

Auger-Aliassimes Vater Sam wuchs in Togo als eines von 13 Geschwistern auf. 1996, im Alter von 25 Jahren, emigrierte er nach Kanada, wo er als Tennislehrer arbeitete und die Lehrerin Marie Auger heiratete. Félix Auger-Aliassime wuchs in L’Ancienne-Lorette, einem Vorort von Québec, auf, ehe er mit 13 Jahren ins nationale Tenniszentrum in Toronto wechselte. Mit seinem multi-ethnischen Hintergrund steht er exemplarisch für eine goldene Generation in Kanadas Tennis. Der 28-jährige Milos Raonic, 2016 Wimbledon-Finalist, kam in Podgorica, Montenegro, zur Welt

Seine Eltern Dusan und Vesna, beide Ingenieure, flüchteten 1994 vor dem Jugoslawienkrieg nach Kanada. Die Eltern des 28-jährigen Vasek Pospisil, der im Doppel 2015 die Nummer 5 der Welt war, flohen vor den Kommunisten via Österreich nach Kanada. Die Eltern des 19-jährigen Denis Shapovalov emigrierten nach dem Kollaps der Sowjetunion erst nach Tel Aviv, siedelten aber noch vor Denis’ erstem Geburtstag nach Toronto über. Bianca Andreescu (18) die jüngst in Indian Wells triumphierte, kam in Toronto zur Welt, ihre Eltern aber stammen aus Rumänien: Vater Nicu ist Ingenieur, Mutter Maria bekleidet einen Spitzenposten bei einer Bank.

Kanadas goldene Generation

Männer:

Canada's Milos Raonic celebrates after defeating Germany's Alexander Zverev in their fourth round match at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Monday, Jan. 21, 2019. (AP Photo/Andy Brownbill)

Noch ist Aufschlagshüne Raonic Kanadas Nummer 1, doch das könnte sich schon bald ändern. Bild: AP/AP

Frauen:

Eugenie Bouchard, left, and Bianca Andreescu walk toward an umpire to shake hands after their quarterfinal at the Oracle Challenger Series tennis tournament Friday, Jan. 25, 2019, in Newport Beach, Calif. Andreescu won the match. (AP Photo/Jae C. Hong)

Genie Bouchard hat gegenüber Andreescu nur noch auf Instagram die Nase vorn. Bild: AP/AP

Sie stehen damit am Ursprung eines Migrations-Märchens. Kanada hat eine lange Tradition als Einwanderungsland. Inzwischen kommt fast jeder Vierte der 37 Millionen Einwohner im Ausland zur Welt. Der liberale Premierminister Justin Trudeau hat die Multikulturalität sogar auf seine Agenda gesetzt: Mehr als eine Million Menschen sollen in den nächsten drei Jahren in das Land der Einwanderer ziehen, begünstigt von Fachkräftemangel und unbürokratischem Familiennachzug, orchestriert von Achmed Hussen, der als Jugendlicher einst aus Somalias Hauptstadt Mogadischu nach Kanada kam und heute als Immigrationsminister amtet.

Kanada gilt als Wiege des Eishockeys, doch nun steht dem Land eine goldene Tennis-Ära bevor. Auger-Aliassime sagt: «Meine Mutter ist kein Sportfan, und mein Vater wusste nicht einmal, was Hockey ist, bis er nach Kanada kam.» Seine Eltern hätten Wert darauf gelegt, dass er und Schwester Malika (20) verschiedene Sportarten ausübten.

«Wir werden sehen, wie gut er wird», sagte Roger Federer, als er im letzten Jahr zu Auger-Aliassime befragt wurde. Er wolle ihn nicht unter Druck setzen. Vielleicht schliesst sich am Sonntag ein Kreis, sollten die beiden im Miami-Final aufeinandertreffen. 16 Monate nach Auger-Aliassimes Abreise aus Dubai.

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    Alle Leser-Kommentare
  • c_meier 29.03.2019 22:20
    Highlight Highlight Roger ist immer 1 Schritt voraus... Kaum taucht irgendwo ein neuer Name auf und spielt gegen Federer, wie jetzt dieser Kanadier heisst es von Federer "wir haben vor 1-2 Jahren mal zusammen trainiert, toller Typ..." usw :)
    (oder zumindest in diesem Fall war es geplant zu trainieren)
  • Howard271 29.03.2019 20:25
    Highlight Highlight Das ist ja ganz ähnlich wie in der Schweiz. Auch hier haben wir ca. 25% Ausländer. Unsere Top-Spieler:
    Roger Federer (Südafrikanische Mutter)
    Stan Wawrinka (Deutsche/Polnische/Tschechische Vorfahren väterlicherseits)
    Belinda Bencic (Slowakische Wurzeln)
    Timea Bacsinszky (Rumänisch-Ungarische Eltern)
    Martina Hingis (Slowakisch/Tschechische Eltern)
    Viktorija Golubic (Serbisch/Kroatische Eltern)
    Henri Laaksonen (Finnischer Vater)
    usw...
    Schön ist doch, dass sie alle eine vielfältige Schweiz repräsentieren.
    • violetta la douce 30.03.2019 06:15
      Highlight Highlight Ich denke der grosse Vorteil Kanadas ist, dass genau geschaut wird wer kommt.
      Europa lässt immer noch dies Massenmigration zu, ohne selbst aktiv zu werden.
    • Howard271 30.03.2019 09:18
      Highlight Highlight Von ausserhalb nach Europa zu migrieren ist (ausser man kommt aus einem 1.-Welt-Land) ziemlich schwierig. In Europa haben wir vor allem eine interne Migration. Von „Massenmigration“ kann hier doch keine Rede sein. Schau dir mal die Migrationszahlen nach Kenia, in die Türkei, Jordanien, Bangladesh, etc. an...
    • violetta la douce 30.03.2019 09:30
      Highlight Highlight Howard
      Keine Massenmigration.
      Dann gehen Sie mal ab 19 durch den Bahnhof einer beliebigen CH Stadt (zB Bern) und staunen Sie ab diesen vielen Leuten, die offenkundig nicht aus Europa stammen und meist in grösseren Gruppen auftreten.
      Und nein, dies sind keine Touris.
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