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Bild: Keystone

SRF wechselt Experten aus

Gilbert Gress darf nicht mehr im Fernsehen plaudern – hier sind 10 Tipps, damit ihm nicht langweilig wird

Seit 14 Jahren analysiert der Elsässer mit seiner unverkennbaren Frisur Fussballspiele im Schweizer Fernsehen – nach der WM verschwindet Gilbert Gress von der Bildfläche. Was kann der 72-Jährige nach seinem unfreiwilligen Abgang mit der plötzlich vorhandenen Zeit anfangen?



Was halten Sie davon, dass Gilbert Gress bald nicht mehr im Schweizer Fernsehen Fussballspiele analysiert?

Es ist eine Nachricht, die jeden zweiten Fussballfan freut: Gilbert Gress ist nach der Fussball-WM nicht mehr als Experte im Schweizer Fernsehen zu erdulden. Die andere Hälfte der Fans bedauert das Verschwinden. Denn ist ein Spiel noch so langweilig, der 72-Jährige mit Kultfrisur und -brille ist stets für einen guten Spruch gut.

Dass das SRF ihn abserviere, habe Gress getroffen, berichtet der «Tages-Anzeiger». «Die Enttäuschung ist gross», sagt der einstige Natitrainer der Zeitung. Das Fernsehen erneuert den Vertrag mit Gress nicht und begründet dies mit einer Fussballmetapher: «Es kommt zu vielen Trainerwechseln, Spieler geben ihren Rücktritt, Positionen auf dem Feld werden neu besetzt.»

Gilbert Gress, Raphael Wicky and Rainer Maria Salzgeber, from left, prior to the Champions League round of sixteen first leg match between Switzerland's FC Basel and Germany's FC Bayern Munich in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Wednesday, February 22, 2012. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die Experten Gress und Wicky, Moderator Salzgeber (von links). Bild: Keystone

Das sind die geplanten SRF-Wechsel

Neu sollen ab der kommenden Saison zwei Walliser die Spiele der Fussballnati begleiten – Moderator Rainer Maria Salzgeber und Ex-Nationalspieler Raphael Wicky als Experte. Das Duo Matthias Hüppi/Alain Sutter wird stattdessen von der Landesauswahl abgezogen und zur Betreuung der Champions League delegiert, gemeinsam mit Volker Finke. Der langjährige Trainer des SC Freiburg ist aktuell Nationaltrainer Kameruns.

Auch Benjamin Huggel darf sich künftig mit Champions-League-Fussball befassen; der Basler wird für die Analyse der Super-League-Spiele durch Gürkan Sermeter ersetzt. Wie Gilbert Gress wird künftig auch Hanspeter Latour nicht mehr am Fernsehen zu sehen sein. In der Europa League kommt weiterhin Andy Egli zum Zug.

Wie soll Gilbert Gress nun seine Zeit verbringen?

Von früher erzählen

Wer als regelmässiger SRF-Zuschauer noch nicht weiss, dass Gilbert Gress einmal ein erfolgreicher Trainer in Strasbourg und bei Xamax gewesen ist, sollte dringend einen Ohrenarzt konsultieren. Nichts macht Gress lieber, als von damals zu erzählen. «Isch weiss noch, wie wir da mit Samaags gegen Real Madrid gespielt haben, gell ...»

Meistercup 1986: Xamax schlägt Real Madrid auf der Maladière mit 2:0. Video: Youtube/sp1873

Rekrutenschule im Algerienkrieg

1961 musste Rekrut Gress in den Algerienkrieg einrücken. Davon hat er unlängst in einem watson-Interview erzählt. Schiessen habe er nie müssen, nur beinahe sei es bei einer Nachtwache dazu gekommen, erinnert er sich: «So gegen zwei Uhr hörte ich einen ohrenbetäubenden Krach. Ich dachte: ‹Jetzt ist es soweit.› Ich schrie nach dem Unterleutnant, Robert Budzynski, der wie ich Profi-Fussballer war, ‹Bud! Bud!› Er kam angerannt, zusammen mit dem Feldwebel, beide splitterfasernackt. Da standen wir drei, ich mit dem Maschinengewehr, Budzynski mit einer Lampe, der Feldwebel mit gar nichts.»

Gilbert Gress Algerien

Rekrut Gress vor einem einem Armee-Jeep (1961). Bild: Gilbert Gress

Noch mehr von früher erzählen

Gilbert Gress – vielleicht wissen Sie es nicht – war vor seiner Karriere als Fernsehexperte ein erfolgreicher Fussballtrainer. Unter anderem feierte er mit Strasbourg und Neuchâtel Xamax grosse Erfolge. Bitten Sie ihn darum, davon zu erzählen, wenn Sie ihm zufällig über den Weg laufen, er wird sich freuen. Beachten Sie bloss, dass sie zwei Tage lang keine Termine in Ihrer Agenda haben.

Meistercup 1987: Xamax schlägt Bayern München auf der Maladière mit 2:1. Video: Youtube/ZwoelfMagazin

Die Gesangskarriere wieder aufnehmen

In einem Paralleluniversum war Gilbert Gress auch ein erstklassiger Chansonnier. Erst kürzlich ist bei einer Aufräumaktion im watson-Estrich eine verstaubte LP aufgetaucht, die an unseren Freitags-Apéros jeweils für einen grossartigen musikalischen Rahmen sorgt:

Fussball LP Cover Gress

Bild: watson

Weiter von früher erzählen

Jüngeren Fussballfans sei gesagt: der alte Mann im Fernsehen war nicht immer alt und nicht immer nur im Fernsehen. Nein, Gilbert Gress stand auch selber auf dem Platz und war anschliessend ein erfolgreicher Trainer. Bei Strasbourg zum Beispiel oder bei Neuchâtel Xamax. Er würde so gerne darüber erzählen, aber dieser Moderator mit den violetten Hosen, dessen Dialekt er kaum versteht, fragt immer nur Sachen zu Arsenal, Barcelona oder Juventus Turin. Laden Sie Gress an Ihre nächste Grillparty ein und versprechen Sie ihm, nur über Würste, Strasbourg und Xamax zu plaudern.

UEFA-Cup 1978: Strasbourg fegt Elfsborg mit 4:1 aus dem Meinau-Stadion. Video: Youtube/sp1873

«Mein Leben für den Fussball»

Vor wenigen Tagen ist Gilbert Gress' Biografie erschienen. Bestellen kann man das 300 Seiten starke Werk beim «Giger Verlag».

Handys verkaufen

Mit 72 Jahren ist Gilbert Gress eigentlich alt genug, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber kann die Welt auf einen Mann mit einem derart grossen Technologie-Fachwissen verzichten? Gress ist immerhin bis heute der einzige Mensch dem es gelang, mit seiner TV-Fernbedienung zu telefonieren. Glauben Sie nicht? Hier lesen Sie die Geschichte dazu.

Fernbedienung TV

Bild: Shutterstock

Anekdoten von früher erzählen

In der Champions League analysiert Gilbert Gress die Spiele der momentan besten Vereine Europas. Möglicherweise ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass er zwischendurch immer wieder etwas von «Strasbourg» oder «Xamax» nuschelt. Die Erklärung: Gress war früher ein erfolgreicher Trainer bei diesen beiden Klubs. Sein Fundus an Geschichten ist gross, zu jedem Training kann Ihnen der alte Trainerfuchs aus dem Stegreif fünf Anekdoten erzählen – und wie Äste an einem Baum zweigen von jeder Story wieder fünf neue ab.

UEFA-Cup 1982: Xamax ringt dem HSV auf der Maladière ein 0:0 ab. Video: Youtube/sp1873

Mit Coiffeuren ein ernstes Wörtchen reden

Endlich hat Gilbert Gress die notwendige Zeit, um den Haarkünstlern der Fussballstars ins Gewissen zu reden. All diese Gel-Frisuren von Cristiano Ronaldo und Co. – da stellt es einem Ästheten wie Gress mehr als bloss die Nackenhaare hoch! Der stets topfrisierte Elsässer könnte die Coiffeure davon überzeugen, den Superstars das «Haarkleid Gress» zu verpassen.

1966: Gress muss nach seinem Transfer zum VfB Stuttgart Haare lassen. Video: Youtube/ZwWdf

Sie und sich an damals erinnern und von früher erzählen

Blicken Sie in den Spiegel und seien Sie ehrlich: Vieles von dem was war, haben Sie vergessen. Kein Wunder, schliesslich ist mittlerweile an jedem der 365 Tage eines Jahres ein «Spiel des Jahres». Wie gut, dass Gilbert Gress ein Gedächtnis wie ein Elefant besitzt. Gerne wird er Ihnen von früher erzählen und wie das damals alles war. Denn er war – wussten Sie das überhaupt? – ein erfolgreicher Trainer in Strasbourg und Xamax. Dass die Geschichten von früher deshalb hauptsächlich solche von diesen beiden Klubs sind, darf Sie nicht stören. Diese beiden Vereine haben damals sowieso immer alles gewonnen und waren die Besten der Besten.

2010: Der Experte kennt sich selbst auf Zürcher Provinzfussballplätzen aus wie kein Zweiter. Auswendig könnte Ihnen Gress sämtliche Torschützen des FC Wettswil-Bonstetten in jener grandiosen Aufstiegssaison aufzählen. Video: Youtube/FCWettswilBonstetten

Nochmals Trainer sein

Neuchâtel Xamax hat sich nach den Wirren um Präsident Bulat Tschagajew und dem Absturz in die Anonymität des Regionalfussballs erholt. Die Rot-Schwarzen steigen im Sommer in die 1. Liga Promotion auf, immerhin die dritthöchste Spielklasse. Ein erstklassiger Trainer könnte dafür sorgen, dass es einen Durchmarsch in die Challenge League gibt. Ach, was soll die Bescheidenheit: In vier Jahren spielt Xamax wieder mit Real Madrid, wenn es sich ein viertes Mal seinem einzigartigen Ex-Trainer der 80er-Jahre anvertraut!

Neuchatel (May 16.1998) Gilbert GRESS, applaudi par le public du stade de la maladi re, lors de son dernier match comme entraineur de Xamax. (KEYSTONE/SANDRO CAMPARDO)

Bild: Keystone

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fred Fan 28.04.2014 18:16
    Highlight Highlight Schade, dass mit Gress auch viel fussballerische Kompetenz verloren geht.
    Wenn SRF gerade "mit dem Besen durch den Laden geht" wäre es vielleicht auch der richtige Moment mit Selbstdarstellern wie z.B. Roger Schawinski den Vertrag zu beenden. Einer der seinen geladenen Gästen am Montagabend zu später Stunde immer ins Wort fällt weil es ihn offensichtlich gar nicht interessiert was diese zu sagen haben (den Fernsehzuschauer würde es aber schon interessieren), einer der seinen Abgang verpasst hat und zudem sich selbst untreu geworden ist. Er war es doch, der in der Vergangenheit einer der grössten Kritiker der CH-Radio- und Fernsehlandschaft war, oder liege ich da falsch ?
  • Gudench Barblan 27.04.2014 15:37
    Highlight Highlight Schickt lieber beni turnherr weg, dann schau ich auch wieder fussball auf dem schweizer sender
  • Blue64 27.04.2014 10:53
    Highlight Highlight Schade - Gress mit Salzgeber - da machte sogar Nicht-Fussballern das Zuschauen Spass! Aber es ist typisch für SRF, intelligenten Wortwitz gegen mittelmässige Jugend auszutauschen! Aber dann bitte auch in den Reihen der Programmverantwortlichen des Senders!
  • Romeo 27.04.2014 07:50
    Highlight Highlight Gress soll bleiben. Auf die langweiligen Egli, Huggel und auf die Walliser könnten wir ebenfalls verzichten. Fehlt nur noch der Sven...
  • Ryback 26.04.2014 22:34
    Highlight Highlight Schade, dass Gress geht. Seine treffenden Kommentare waren immer auch mit einem gewissen Witz gespickt, im Gegensatz zu den trockenen Analysen von Wicky. Ausserdem half es, die sich allwöchentlich zum Abwinken wiederholenden Fragen des dauergrinsenden Salzgebers halbwegs erträglich zu ignorieren.
  • cicero 26.04.2014 22:12
    Highlight Highlight endlich .... sind wir diesen antiquierten selbstdarsteller los. möge er sich mit seinen idealistischen fussballerischen vorstellungen, wie sie vor 30 jahren en vogue waren, in seine gemächer zurückziehen. "alläng" möge ihn begleiten! salvete!
  • Mia_san_mia 26.04.2014 16:33
    Highlight Highlight Schade, das Trio Salzgeber/Gress/Wicky war super und Hüppin/Sutter hat bei der Nati auch gepasst. Das man ein bisschen wechselt finde ich OK aber Gress wegzugeben finde ich falsch! Beim SRF müsste eher bei den Fussball-Kommentatoren endlich mal gehandelt werden. Ich schaue mir die CL-Spiele wegen denen lieber bei Sky, auch wenns kostet...
  • Seagull 26.04.2014 15:22
    Highlight Highlight Gress sollte ein eigenes Fussballformat erhalten!
  • Androider 26.04.2014 13:03
    Highlight Highlight Schade, dass er gehen muss. War für mich eigentlich immer ein zuverlässiger Unterhaltungsfaktor. Das Fussballspiel konnte noch so öde sein, wenn Gress oder Latour (oder sogar beide) im Studio waren, war immerhin im Srudio für Unterhaltung gesorgt.
  • niedrigst 26.04.2014 12:46
    Highlight Highlight schade...
    gress war das einzig gute, an den völlig belanglosen analysen.
  • FCS1896 26.04.2014 12:40
    Highlight Highlight Schade, dass Gress gehen muss. Das Trio mit Salzgeber, Wicky und Gress fand ich immer amüsant an einem Champions League Abend.
  • Zeit_Genosse 26.04.2014 12:33
    Highlight Highlight Einmal mehr geht es um Verjüngung im Zeitalter von gleichförmigen Schönmenschen. Jung vekauft sich besser, speziell wegen der Werbung, obwohl erwiesen ist, das Junge kaum TV-Konsum haben. Leider nivelliert sich das TV selbst, wenn es "schräge Vögel" absetzt. Die Durchmischung bringts und Diversität brächte Quoten. Aber das SRF weiss was es tut. Mal sehen... Die Verschiebung der "Experten" zur CL macht aber Sinn, weil es dort noch um Fussball und spezielle Charaktere geht. Etwas Fussballwissen sollte man da schon bündeln. Bei der "Nati" ist das nicht so wichtig, welcher Auslandschweizer gerade die rot-weiss geschminkten Fan-Gesichter zu nationalem Stolz aufleben lässt. Wenn Fussball eine der schönsten Nebensachen ist, dann sind die Moderatoren auch Nebensache.

  • _mc 26.04.2014 12:06
    Highlight Highlight m.E. hätte man den narzisstischen Moderator auch gleich ersetzen können.

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