Die 10 Cent Beer Night in Cleveland endet im totalen Chaos đ»
Wie viel Alkoholgehalt das Bier an diesem heissen Sommertag wirklich aufweist, darĂŒber gibt es verschiedene Aussagen. Die Angaben schwanken zwischen acht und zwölf Volumenprozent. Gesichert ist hingegen der Preis fĂŒr einen Becher, der etwa 3,5 Deziliter Inhalt fasst: 10 Cent. Der regulĂ€re Preis ist damals 65 Cent.
Diesen Spottpreis lÀsst sich die Marketingabteilung der Cleveland Indians, die in der Major Baseball League spielen, einfallen. Beer Nights sind zu der Zeit nichts Aussergewöhnliches. Der Trend bei solchen Aktionen geht zu immer grösseren Mengen und tieferen Preisen. Und die Indians treiben es nun auf die Spitze.
Die Vorgeschichte
NatĂŒrlich soll die «Bieridee» der zweitgrössten Stadt im Bundesstaat Ohio einen grossen Zuschaueraufmarsch bescheren. Schliesslich brennen die Indians auf Revanche: Knapp eine Woche zuvor kommt es in Texas gegen die Rangers nĂ€mlich zu heftigen Ausschreitungen zwischen den Spielern, wobei die Ersatzbank der Indians von aufgebrachten Rangers-Fans mit Fast Food und Bierbechern beworfen wird.
Billy Martin, der General Manager der Rangers, feixt nach der Partie auf die Fragen der Journalisten, ob er sich vor der anstehenden Begegnung in Cleveland nicht vor Reaktionen der dortigen Fans fĂŒrchte: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass genĂŒgend Zuschauer anwesend sein werden, um mir Sorgen machen zu mĂŒssen.»
Die FunktionĂ€re der Indians reagieren auf die Provokationen aus Texas und gehen zum Gegenangriff ĂŒber: Den Rangers soll das anstehende Spiel zur Hölle gemacht werden, was die lokalen Zeitungen und Radios gerne aufgreifen und zusĂ€tzlich die Stimmung anheizen.
So bewirkt dies zusammen mit der Bier-Promotion, dass am Abend des Spiels 25'134 Zuschauer den Weg in das Cleveland Municipal Stadium finden â mehr als doppelt so viele wie der ĂŒbliche Zuschauerschnitt in dieser Saison.
Erst das Spiel, dann die SchlÀgerei
Die zahlreichen Fans lassen sich das Sonderangebot schmecken und konsumieren den Gerstensaft in rauen Mengen. Die geplante Ausschankbegrenzung kann nicht eingehalten werden, von Alterskontrollen ganz zu schweigen.
So sitzt beim Spiel eine grosse Anzahl berauschter Menschen auf der TribĂŒne. Nachdem die Indians frĂŒh mit 1:5 zurĂŒckliegen, zeigt sich nun die (negative) Wirkung des Alkohols. Kurzum: viele aggressive Unmutsbekundungen und Zuschauer, die den Willen haben, ins Spielgeschehen einzugreifen.
Zahlreiche Randalierer mĂŒssen in der Folge von SicherheitskrĂ€ften abgefĂŒhrt werden. Eine Frau macht sich sogar auf dem Spielfeld, zur Freude der anwesenden Herren, obenrum frei ⊠Weniger Freude haben die Spieler beider Mannschaften. Diese werden nĂ€mlich mit GegenstĂ€nden eingedeckt und bespuckt. Etliche Feuerwerkskörper, die auf dem Spielfeld landen, runden das Bild ab.
Lyncherei befĂŒrchtet
Als die Indians nach einer Aufholjagd wieder ausgleichen können und das Spiel in die entscheidende Phase geht, fĂŒhlt sich ein Indians-Fan gezwungen, einem Spieler der Rangers die Kappe vom Kopf zu reissen. In dieser unĂŒbersichtlichen Lage fordert der Rangers-Manager seine Ersatzspieler auf, den Platz zu stĂŒrmen, um seine Spieler zu schĂŒtzen.
Diese Aktion fĂŒhrt wiederum dazu, dass zahlreiche Zuschauer auf den Platz rennen. Einige von ihnen haben sich mit herausgerissenen Sitzschalen und Bierflaschen bewaffnet, andere haben sogar Messer und Eisenketten dabei. In diesem heillosen Durcheinander fordert der Indians-Manager, Ken Aspromonte, seinerseits seine Spieler auf, mit ihren BaseballschlĂ€gern auf den Platz zu gehen und die Gegenspieler vom wĂŒtenden Mob zu schĂŒtzen. Zum GlĂŒck, wie manche Beteiligten spĂ€ter zu Protokoll geben: Manch ein Augenzeuge fĂŒrchtet nĂ€mlich, dass der Mob die Rangers-Spieler lynchen könnte.
Weitere PrĂŒgeleien folgen. Die traurige Bilanz zum Schluss: Zahlreiche Verletzte, davon die meisten Zuschauer, aber auch Spieler beider Klubs und auch die Schiedsrichter mĂŒssen gepflegt und/oder hospitalisiert werden.
Logischerweise wird das Baseball-Spiel abgebrochen (Texas wird spÀter ein Forfait-Sieg zugesprochen), schwer bewaffnete Polizisten beenden die Krawalle mit Gewalt.
Die Aufarbeitung
Nur wenige Randalierer werden von der Polizei festgenommen und danach verurteilt. Bereits gut einen Monat spĂ€ter findet in Cleveland trotz der bitteren Erfahrung zuvor eine weitere Beer Night statt, bei der jedoch nur zwei Becher pro Person fĂŒr 10 Cent verkauft werden, was dieses Mal auch kontrolliert wird. Die Zuschauer halten sich brav daran, es kommt zu keinen ZwischenfĂ€llen mehr.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!
