DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Lucien Favre muss nach dem Horror-Foul vom Platz getragen werden.
Lucien Favre muss nach dem Horror-Foul vom Platz getragen werden.
Bild: KEYSTONE
Unvergessen

Chapuisat zertrümmert Favres Knie – das schlimmste Foul im Schweizer Fussball

13. September 1985: Gabet Chapuisat hat sich bis zum Herbst seiner Karriere den Namen als Raubein regelrecht ertreten. Doch was er gegen Lucien Favre zeigt, schockt alle.
13.09.2021, 00:0110.09.2021, 20:25
Reto Fehr
Folgen

Unterschiedlicher könnten die beiden kaum sein. Auf der einen Seite Pierre-Alain «Gabet» Chapuisat: Überharter Abwehrchef, ein Klopfer, ein Raubein, das Enfant Terrible im Schweizer Fussball. Auf der anderen Seite Lucien Favre: Eleganter Regisseur, gesegnet mit einem linken Zauberfuss, eine Augenweide.

Während Chapuisat – der Vater des späteren BVB- und Nati-Stürmers Stéphane – mit 37 Jahren im Spätherbst seiner Karriere steht und nach 34 Länderspieleinsätzen (letztes Spiel 1979) bei Vevey die Hintermannschaft organisiert, erlebt Favre nach seiner Rückkehr von Toulouse zu Servette noch immer die Blüte seiner Fussballzeit, er ist Nationalspieler (erstes Spiel 1981) und als 28-Jähriger eine der grossen Figuren im Schweizer Fussball.

Das Foul von Chapuisat an Favre.

Die Saison ist noch jung, da kommt es in der 8. Runde im Stade de Charmilles (Vorgänger des Stade de Gèneve) zum Romand-Derby zwischen Servette und Vevey. Es ist ein Freitag, der 13. im Spätsommerabend.

«... ein Foul, das nicht einmal mehr mit dem Namen Chapuisat zu erklären ist»

Chapuisat verursacht bald einen Elfmeter, der zur Führung der Gastgeber führt. Dann läuft die 42. Minute. Favre tanzt mit dem Ball Richtung Strafraum, als Chapuisat plötzlich wie von der Tarantel gestochen losstürmt und dem Angreifer mit gestrecktem Bein und Stollen voraus ins Knie springt, den Ball verfehlt er dabei deutlich.

Favre wälzt sich am Boden, doch Schiedsrichter Bruno Galler lässt weiterspielen. «Ich habe das Foul einfach nicht gesehen, weil mir ausgerechnet bei dieser Situation ein Spieler die Sicht auf den Tatort nahm», erinnert er sich Jahre später im «Tages-Anzeiger».

Animiertes GIFGIF abspielen
Gabet Chapuisat hatte einen schlechten Ruf. Hier bei einem Foulspiel, das der Kommentator als «typisches Chapuisat-Foul» bezeichnet.
Gif: Youtube/StevoVfl

Der TV-Kommentator hatte die bessere Sicht: «... ein Foul, das nicht einmal mehr mit dem Namen Chapuisat zu erklären ist», berichtet er. Die Kreuzbänder seien mindestens gedehnt.

Das stellt sich wenig später als leicht untertrieben heraus. Favres Aussenbänder, Kreuzbänder und der Meniskus sind kaputt. Mit anderen Worten: Totalschaden. Acht Monate fällt der Mittelfeldspieler aus, der zur Situation sagt: «Das war Krieg auf dem Platz.»

11. Juni 1987: Gabet Chapuisat vor Gericht.
11. Juni 1987: Gabet Chapuisat vor Gericht.
Bild: KEYSTONE

Favre zieht vor ein Zivilgericht

Auch Galler sieht die Bilder am nächsten Tag in der Sportschau: «Das sah natürlich grauenhaft aus», gibt er zu. Der Unparteiische gerät arg in die Kritik. Selbst eigene Kollegen und die Schiedsrichterkommission attackierten ihn heftig: «Es kam mir vor, als hätte ich Favre das Knie kaputtgeschlagen.»

Galler vergleicht das Foul später mit dem Angriff von Toni Schumacher auf Patrick Battiston an der WM 1982: «Damals stand ich an der Linie.»

Schumachers Foul an Battiston an der WM 1982.

Favre lässt die Attacke nicht auf sich sitzen und klagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor einem Zivilgericht. Erstmals in der Geschichte des Fussballs ist dies der Fall. Das Genfer Polizeigericht verhandelt sechs Stunden lang und beschliesst dann: 5000 Franken Busse für Chapuisat. Von seinem Verein Vevey wurde der Libero schon nach dem Foul fristlos entlassen. Die Karriere beendet Chapuisat beim FC Renens.

Lucien Favre und Gabet Chapuisat (r.) treffen sich 1988 in der Sendung TellQuel von RTS wieder. Freunde werden sie nie mehr.
Lucien Favre und Gabet Chapuisat (r.) treffen sich 1988 in der Sendung TellQuel von RTS wieder. Freunde werden sie nie mehr.
Bild: KEYSTONE

Frostiges Wiedersehen als Trainer

Später werden Chapuisat und Favre Trainer. 2010 will es der Zufall, dass Favre mit dem FC Zürich auf Sion trifft, das 17 Tage zuvor Chapuisat engagierte. Das Schweizer Fernsehen interviewt beide Trainer vor dem Duell. Die Wunden sind noch immer nicht verheilt. Favre sagt: «Dazu möchte ich mich nicht äussern.»

Auch Chapuisat ist es sichtlich unwohl. «Dieses Bild kommt leider immer wieder zurück. Die Leute, die mich gut kennen wissen, dass ich nicht so bin. Ich bin ein ruhiger Typ.» Von Absicht will er nichts wissen: «Das war ein Unfall, es geht so schnell.»

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle Schweizer Trainer in der Bundesliga

1 / 11
Alle Schweizer Trainer in der Bundesliga
quelle: imago sportfotodienst / sportfoto rudel
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So sieht es aus, wenn zwei Laien ein Fussballspiel kommentieren

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Vucinic lässt der Schweiz die Hosen herunter und trägt sie als Kopfschmuck

8. Oktober 2010: Dass die Schweiz in Montenegro mit 0:1 verliert, gerät beinahe zur Nebensache. Für Aufsehen sorgt vielmehr der unkonventionelle Jubel des einzigen Torschützen Mirko Vucinic.

Nach dem enttäuschenden Ausscheiden in der Gruppenphase an der WM 2010 will es die Schweizer Nati am nächsten Turnier besser machen. Doch die EM 2012 verpasst sie – weil der Start völlig in die Hose geht.

Zuerst ein 1:3 in Basel gegen England, dann eine unerwartete 0:1-Niederlage auswärts gegen Montenegro. In Podgorica fehlt es der Schweiz an Durchschlagskraft, sie hat keine Ideen, wie sie den Gegner überwinden kann. So fällt das einzige Tor auf der anderen Seite. In der 67. Minute vernascht …

Artikel lesen
Link zum Artikel