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Tour dur d'Schwiiz, 17. Etappe: Centovalli - Locarno

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Bosco Gurin: Die brutale Rampe hinauf ins höchste Tessiner Dorf – und dort lustiges Deutsch lesen

Bosco Gurin hat mich schon immer fasziniert. Das einzige deutschsprachige Dorf im Tessin wollte ich seit Jahren besuchen. Jetzt hab ich's geschafft. Mit viel Schweiss und Leiden. Aber es hat sich gelohnt.



Bosco Gurin hält zwei «Rekorde»: Es ist das höchste Dorf im Tessin und der einzige deutschsprachige Ort des Kantons. Da kann man sich vorstellen, dass diese «Insel» wohl ziemlich abgelegen liegt. Wie sehr, das verdeutlicht vielleicht dieser Anfahrtsweg, den biciticino.ch (übrigens eine grossartige Seite für alle Velofans in der Südschweiz – danke nochmals watson-User Richard für den Link!) erstellt hat:

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Die ersten 600 Höhenmeter sind ziemlich locker, aber die letzten 600 – heiliger Bimbam! bild: biciticino.ch

Ihr seht, es geht rund 1100 Höhenmeter hoch von Cevio. Der erste Teil mit den Serpentinen hoch nach Linescio und dann weiter bis Cerentino kann man getrost als «Einfahren unter erschwerten Bedingungen» bezeichnen. Aber richtig steil wird es erst danach. David Etxeberria hinderte dies bei der Tour de Suisse 1997 nicht, den Aufstieg in 45 Minuten zu bewältigen – danke watson-User Yves Hollenstein für den Hinweis. Ich brauchte ... naja ... länger (ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass ich beim kühlen 97er-Wetter auch schneller gewesen wäre). Aber ja. Wer den Höllenritt Etxeberrias nochmals miterleben will, voila: 

So, jetzt aber genug mit Sport und so. Sprechen wir über Bosco Gurin. Wir fangen mit einem kurzen Dorfrundgang an: 

Ein wunderhübsches Dörfchen. Im 13. Jahrhundert kamen die Walser auf Wunsch der lombardischen Herrschaft vom Val Formazza über die Berge und besiedelten den Ort. Daher wird Deutsch gesprochen. Oder besser «Ggurijnartitsch», also Gurindeutsch. Ein Walserdeutsch. Heute beherrschen insgesamt noch rund 130 Personen den Dialekt, rund 30 davon leben unter den zirka 50 Einwohnern Bosco Gurins. So auf den ersten Blick, liest sich das noch witzig:

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Der war einfach, das alte Schulhaus halt. bild: watson

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Bisschen schwieriger: Klein, aber gross genug, wenn man die anderen lieben tut (soweit meine freie Übersetzung). bild: watson

Gehört habe ich den Dialekt aber nicht. Der Mitarbeiter im Coop – mit fünf Regalen, richtig herzig – sprach Italienisch, die Serviertochter im Restaurant ebenfalls. Sowieso seien die Einwohner mittlerweile bilingual. Gurindeutsch ist vom Aussterben bedroht. Angeblich gaben gar mehr Guriner Italienisch als ihre Muttersprache an. Der Name Bosco Gurin übrigens ist ein Kompromiss aus der italienischen Bezeichnung Bosco (Wald) und der deutschen Gurin. Seit 1934 gilt dieser. 

Damals hatte der Ort noch rund 200 Einwohner. Wie praktisch alle Bergdörfer, kämpft man auch in Bosco Gurin gegen die Abwanderung. Dabei könnten Touristen helfen. Im Sommer liegt hier oben ein Wanderparadies und Velofahrer können mal zeigen, was sie so in den Wädli haben. Im Winter gibt's zwei Sessellifte, vier Skilifte, eine Langlaufloipe und gar ein kleines Eisfeld. 

tour dur d'schwiiz, 17. etappe

Aufgepasst, wer von Bosco Gurin ins Tal donnert. Bild: watson

Aber ja, wie gesagt: Die Anfahrt mit dem Velo ist brutal. Ich muss es jetzt doch noch sagen, weil ich bin bisschen stolz. Kurz nach Cerentino überholten mich zwei Rennvelofahrer. Ich konnte dann aber – gefühlt in Etxeberria-Manier – zurückschlagen. Der eine der beiden schob seinen Drahtesel am Schluss entkräftet, der andere legte eine gemütliche Pause im Schatten ein. Und da ich den Grossteil meines Gepäcks unten in Cevio liess, wuchsen mir im Gegensatz fast Flügel. 

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