Tour dur dSchwiiz
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Tour dur d'Schwiiz, 14. Etappe: Morcote – Origlio

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Warum reisst die Kette auf meiner Reise durch die Schweiz genau im dümmsten Moment der 86 Kilometer langen Etappe?

Da radle ich 86 Kilometer durch herrlich unberührte Ecken im Tessin. Nirgends wäre ein Kettenriss witzig. Aber meist bin ich alleine unterwegs und könnte problemlos kurz am Strassenrand flicken. Ausser in dem Moment, in dem die Kette wirklich reisst.



Mit dem Velo durch die Schweiz

In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d’Schwiiz besuche ich alle der 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter!

Eigentlich wollte ich heute etwas über Morcote und Origlio schreiben. Morcote liegt traumhaft an einer Ecke des Lago di Lugano. Man kann herrlich durch verwinkelte Gassen schlendern, endlos Treppen hoch und endlos wieder hinunter. An der Promenade Gelati schlecken, was feines essen oder einfach die Ruhe geniessen. Denn los ist nicht viel. Eigentlich nichts. Der Verkehr sei zwar mehr als früher. Aber wer was erleben will, muss ins nahe Lugano. Viele reiche Leute geniessen das Leben hier.

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Morcote schmiegt sich an den Hang beim Lago di Lugano. Bild: watson

Origlio ist da anders. Das Dörfchen spielt seinen Charme zwar auch mit einem herzigen Ortskern aus. Reich scheinen die Einwohner hingegen nicht zu sein. Dafür lädt der Laghetto di Origlio zum Verweilen ein. Im Naturschutzgebiet ist Baden zwar verboten, aber die Wege um das Seeli sind traumhaft. Los ist auch nicht viel. Eigentlich nichts. Wer was erleben will, muss ins nahe Lugano.

Tour dur dschwiiz etappe 14

Der Laghetto di Origlio: Eine Oase der Ruhe. Bild: watson

Aber ja, die beiden Dörfchen müssen hinten anstehen. Denn die Show gehört Antonio, vom Ciclorama in Lugano (Breganzona). Als ich nämlich von Manno (Gemeinde 157) hoch Nach Vezia (Nummer 158) fahre, passiert es: Kettenriss. Ich ärgere mich schon auf dem Weg, dass hier jetzt zum Abschluss noch so eine stark befahrene Hauptstrasse kommen muss. Es geht bergauf, die Sonne brennt, rechts türmt sich eine Stützmauer, links rasen die Autos vorbei. 

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Kettenriss im dümmsten Moment. bild: watson

Plötzlich knattert mein Velo, der Gang scheint zu klemmen und dann – zack – ich trete ins Leere. Die Kette hat's erwischt. Eigentlich ist dies keine grosse Sache, ich habe ein Ersatzkettenglied dabei. Normalerweise ist dies in fünf Minuten geflickt. Doch ausgerechnet hier hab ich keinen Platz. 86 Kilometer lege ich heute zurück und auf gefühlten 85 hätte ich von mir aus einen Defekt erleiden können. Oft war ich alleine unterwegs, meist waren die Strassen wenig befahren und links wie rechts gab's alle paar Meter ein ruhiges Plätzli.

Kleine Auflockerung: Ein Kettenriss in Breno und ich wäre glaub gleich dort geblieben:

Hier aber muss ich das Velo den Anstieg hochschieben. Nach 200 Metern finde ich eine kleine Wiese, wo ich die Reparatur durchführen kann. Damit ich gleich wieder eine Ersatzkette (oder zumindest ein Ersatzkettenglied) habe, suche ich das nächste Velogeschäft auf. Das Ciclorama liegt nur zwei Kilometer entfernt. Besitzer Antonio hat leider keine passende Kette für mich. Doch statt mit den Schultern zu zucken und diesen Typen, der kaum Italienisch spricht (mich) abzuwimmeln, ruft er seinen Freund an und fragt, ob er aushelfen könne. 

Das war kurz vor dem Kettenriss: Die geniale Abfahrt von Cademario nach Bioggio:

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YouTube/Reto Fehr

Tatsächlich hat der ein passendes Teil. Statt mich dorthin zu schicken, erklärt mir Antonio, dass er kurz mit dem Töff da hin fahre und in zehn Minuten mit der Kette zurück sei. Ich soll mich doch dort drüben in den Schatten setzen und allfälligen Kunden sagen, dass er gleich wieder komme. Der hat Mut! Mein Italienisch reicht normalerweise für knapp mehr als ein «Buon giorno» und «Grazie».

Doch ich meistere meine Wach-Aufgabe souverän und wenig später kann ich mit neuer Kette weiterfahren. Antonio meint noch: «Du hast Glück, bin ich so schnell. Bei anderen hättest du eine Woche gewartet.» So verstehe ich seine Verabschiedung jedenfalls.

Es ist in den ersten zwei Wochen nicht das erste Mal, dass sich jemand extrem hilfsbereit zeigt. Vielleicht sehe ich so bemitleidenswert aus. Vielleicht stimmt das mit dem Vorurteil der knorrigen Schweizer gar nicht. Vielleicht ereignete sich der Kettenriss genau darum im eigentlich dümmsten Moment, weil es auf den zweiten Blick der beste war.

Tour dur d'Schwiiz, 13. Etappe: Melide – Morcote

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