Mini-Gebiete für die USA auf Grönland: So soll Ruttes Kompromiss mit Trump aussehen
Der Mann, der es mit Donald Trump gut kann, hat es erneut geschafft. Mark Rutte überzeugte den amerikanischen Präsidenten am Mittwoch davon, dass Grönland nicht zum Verkauf steht – Trump aber sein Ziel, künftig auf der grössten Insel der Welt eine stärkere amerikanische Präsenz zu haben, dennoch erreichen kann.
Dies bestätigte der Nato-Generalsekretär in einem Interview mit dem Sender Fox News Channel. Trump hatte zuvor gesagt, eine entsprechende Rahmenvereinbarung liege nun vor. Und der potenzielle Deal werde bis in alle Ewigkeit gültig sein, sagte er in einem Gespräch mit dem Sender CNBC.
Allein: Details verrieten weder Rutte noch Trump. Der Nato-Generalsekretär gab in Davos immerhin bekannt, dass er mit dem amerikanischen Präsidenten nicht nur über Grönland, sondern über die gesamte Arktis gesprochen habe. Alle europäischen Anrainerstaaten – mit der Ausnahme Russlands – seien bereit, diese Weltgegend künftig besser zu verteidigen. Damit könne «die Vision des Präsidenten» umgesetzt werden.
Der amerikanische Präsident will eine goldene Kuppel bauen
Trump hatte zuvor bekräftigt, dass Grönland zur westlichen Hemisphäre gehöre und deshalb unter den geplanten Raketen-Abwehrschirm «Golden Dome» gehöre. Er griff dabei auf Sprachbilder zurück, die zumindest den Eindruck erweckten, als glaube er, der «Golden Dome» sei tatsächlich eine goldene Kuppel, die über den USA, Kanada und nötigenfalls auch Grönland gebaut werde.
Das ist natürlich nicht der Fall. Und eigentlich spricht bereits jetzt nichts dagegen, dass die USA auf der grössten Insel der Welt mehrere Stützpunkte betreiben, um feindliche Raketen abzuschiessen.
Trump aber will mehr. Es sei wichtig, hatte er kürzlich gesagt, dass Amerika auch grönländisches Territorium besitze. Und über der Pituffik Space Base, dem einzigen noch verbliebenen US-Stützpunkt in Grönland, weht nicht nur die amerikanische Fahne, sondern auch die dänische. So ist es in einem gemeinsamen Vertrag aus dem Jahr 1951 festgeschrieben.
Rutte kam Trump in diesem Punkt nun anscheinend entgegen. Der Nato-Generalsekretär schlug vor, dass die Dänen einzelne, «kleine» Gebiete Grönlands an die USA abtreten sollen. Auf diesem amerikanischen Gelände könnte die Regierung Trump dann neue Stützpunkte bauen, wie die «New York Times» mit Verweis auf Nato-Kreise berichtete.
Als Vorbild dienen angeblich die beiden britische Luftwaffen-Stützpunkte Akrotiri und Dekelia auf Zypern. Diese gehören immer noch zum Hoheitsgebiet Grossbritanniens, obwohl die Mittelmeer-Insel seit 1960 unabhängig ist. Rechtlich sind Akrotiri und Dekelia britische Überseegebiete.
In wessen Auftrag verhandelte Rutte?
Rutte gab im Gespräch mit Fox News keine Details über das neue Rahmenabkommen bekannt. So blieb vorerst unklar, ob der Nato-Generalsekretär überhaupt ein Mandat besitzt, um über dänisches Territorium zu verhandeln. Trump sagte dazu auf CNBC: Er gehe davon aus, dass Rutte mit Kopenhagen gesprochen habe und die Meinung sämtlicher europäischer Nato-Mitgliedstaaten vertrete.
Der Fox-News-Moderator fragte ihn immerhin, ob der amerikanische Präsident an seiner Forderung, Grönland einzuverleiben, festhalte. Der Nato-Generalsekretär sagte dazu:
Das klingt zum einen unglaublich, dominierte das Thema Grönland doch sämtliche Gespräche in Davos. Zuletzt hatte Trump nach dem Gespräch mit Rutte verkündet, er werde die europäischen Staaten, die ihn für seine Pläne kritisiert hatten, nun nicht mehr mit Strafzöllen belegen.
Zum andern erklärt es vielleicht, warum Rutte es immer wieder schafft, Kompromisse mit Trump abzuschliessen. Der Niederländer zieht es vor, die provokativsten Äusserungen des amerikanischen Präsidenten zu ignorieren. (aargauerzeitung.ch)
