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Umstrittene Wahl

Nach der Stimmabgabe direkt ans Buffet – Ostukraine wählt im Sowjetstil

02.11.2014, 21:20
Mehr «Ukraine»

Im Wahllokal in der Schule Nummer eins am Puschkin-Boulevard im ostukrainischen Donezk ist am Sonntag alles wie in alten Sowjetzeiten: Vor dem Gebäude ertönt Musik aus Lautsprechern, drinnen erwartet die Wahlberechtigten ein Buffet, an dem zu niedrigen Preisen Kuchen, Hamburger und Obstsäfte verkauft werden.

Wer will, kann nach der Stimmabgabe vor der Schule zudem zu Sonderpreisen Kartoffeln, Karotten und Kohl kaufen und mit nach Hause nehmen. Zum Puschkin-Boulevard kommen viele Menschen aus allen Teilen der Stadt, die sich anderswo von Kämpfen bedroht fühlen.

Auf grossen Plakaten wird überall verkündet, dass bei den als Parlaments- und Präsidentschaftswahlen deklarierten Abstimmungen jeder ein beliebiges Wahllokal aufsuchen kann. Unabhängige Wahlbeobachter gibt es nirgends - und dass in Donezk und Lugansk die bislang ungewählten Rebellenführer Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki auf ihren Posten bestätigt werden, gilt als ausgemacht.

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Ostukraine wählt im Sowjetstil
quelle: x90168 / maxim zmeyev
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«Nach den Wahlen werden unsere Anführer gewählt sein, sie müssen deshalb von den ausländischen Staaten anerkannt werden», verlangt die Wählerin Olga Nikolajewna in der Schule Nummer eins. Dies gelte «in erster Linie für Russland, aber auch für alle anderen».

Wie viele andere auch berichtet die 47-Jährige freimütig, für Sachartschenko gestimmt zu haben. «Er ist ein Militär, das brauchen wir jetzt an der Staatsspitze», ergänzt sie mit Blick auf die sogenannte Volksrepublik Donezk.

Wie zu Sowjet-Zeiten

In der Schule 104 am Boulevard des 50. Gründungstags der UdSSR werden die Wähler von einem riesigen Plakat zu Ehren der Helden der Sowjetunion begrüsst.

«Ich habe für Sachartschenko gestimmt, er ist jung, wird dem Krieg ein Ende setzen und die Korruption bekämpfen», sagt die 74-jährige Nadeschda Ermotschenko, die hier ihre Stimme abgibt. «Wir müssen uns ein Beispiel an Lenin und Stalin nehmen, denn die waren ehrlich und haben nicht gestohlen», fügt sie hinzu.

Wer ausser Sachartschenko bei den Wahlen noch antritt, etwa für das regionale Parlament, weiss Ermotchenko nicht. Für sie und die anderen Wähler in der Schule Nummer 104 ist allerdings auch nur eines wichtig - dass sämtliche Kandidaten sich gegen die ukrainische Regierung wenden, von Kiew unabhängig werden wollen und eine Annäherung an Russland anstreben. Sicher sind sie sich zudem, dass Moskau den Urnengang trotz harscher Kritik aus Kiew und dem Westen anerkennen wird.

Anatoli Grigorjewitsch, 59-jähriger Elektroingenieur, sieht seine Heimat daher auf dem besten Weg, zu Noworossija (Neurussland) zu werden. Unter dem Begriff verstehen die prorussischen Separatisten einen eigenen Staat im Osten und Süden der Ukraine.

«Wir brauchen zunächst die Unabhängigkeit von den Faschisten in Kiew», sagt Grigorjewitsch. «Dann müssen wir unser Territorium vergrössern, indem wir Odessa, Charkow und andere historisch zu uns gehörende Städte zurückholen.» (sda/afp)

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