Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Hitzfeld Stinkefinger

Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter im Spiel gegen Norwegen gleich zwei Mal den Stinkefinger. screenshot:srf.ch

Gegen sich selbst gerichtet? Natürliche Geste?

Unvergessen

12.10.2012: Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter den Stinkefinger und macht sich danach mit faulen Ausflüchten lächerlich

12. Oktober 2012: Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter im WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen den Mittelfinger. Um seiner gerechten Strafe zu entgehen behauptet der Nati-Trainer danach, er sei gegen sich selbst gerichtet gewesen.



Nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen sind die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft ausser sich vor Wut. Weil Brede Hangeland kurz nach dem Führungstreffer von Mario Gavranovic der 1:1-Ausgleich gelingt, verpasst es die Nati, den direkten Kontrahenten um den Gruppensieg vorzeitig entscheidend zu distanzieren. Schuld an der verpassten Chance tragen jedoch nicht die Spieler selbst, sondern der Schiedsrichter. 

«Die Leistung des Schiedsrichters war miserabel, so einen Schiri habe ich schon lange nicht mehr gehabt.» 

Xherdan Shaqiri nach dem Spiel gegen Norwegen

Der Unparteiische sei «arrogant» und «hochnäsig» und seine Leistung «abartig und unterirdisch» gewesen, sagt Stephan Lichtsteiner nach der Partie. Auch Xherdan Shaqiri nimmt den spanischen Referee David Fernandez Bobalan ins Kreuzfeuer: «Die Leistung des Schiedsrichters war miserabel, so einen Schiri habe ich schon lange nicht mehr gehabt», so der junge Mittelfeldmotor. Und für Diego Benaglio ist sowieso klar: «Wir haben gegen 12 Mann gespielt.»

abspielen

Das Spiel Schweiz gegen Norwegen.  video: youtube/hitzfeld2011

Hitzfeld und der Stinkefinger

Auch wenn die faulen Ausreden der Fussball-Profis nicht gerade die feine Art sind, irgendwie gehören sie im Fussball halt zum «Daily Business». Was aber Trainer Ottmar Hitzfeld an diesem und an den Folgetagen abzieht, gehört weder ins Fussball-Business noch in die Lörracher Kirche, ins Sky Studio oder sonst wohin.

Der sonst so besonnene Trainer kann mit den Schiedsrichter-Entscheidungen noch weniger leben als seine Spieler und zückt kurz vor dem Pausentee doch tatsächlich den Mittelfinger. Die ganze Fussball-Schweiz fragt sich: Hat er wirklich? Ottmar Hitzfeld? Das kann doch nicht sein ... 

Eine Stunde später sind sämtliche Zweifel behoben: Der Nati-Coach hat sich nämlich auch nach dem Schlusspfiff nicht im Griff und streckt seinen Stinkefinger erneut in Richtung des spanischen Schiedsrichters aus. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache. Möchte man meinen ... 

abspielen

Um diese Szene geht es. Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter den Mittelfinger.  video:youtube/CYDFiiiLMS

Faule Ausreden

Ottmar Hitzfeld sieht die ganze Sache nämlich anders. Als ob sein doppelter Ausrutscher nicht schon peinlich genug wäre, behauptet er am Tag danach an der Pressekonferenz doch allen Ernstes, dass er den Stinkefinger gegen sich selber gerichtet habe: «Ich habe mir den Stinkefinger gezeigt, weil ich stinksauer auf mich selber war. Wütend, dass wir gegen Norwegen nicht gewonnen haben. Ich glaube nicht, dass die FIFA jemanden bestraft, der sich selber den Stinkefinger zeigt.»

Witzig auch die Ausrede des SFV: Das Ausstrecken des Mittelfingers sei lediglich eine «natürliche Gestik» von Hitzfeld gewesen. Er mache dies manchmal auch im Training. Belegen, wollen sie diese Theorie mit einem Schnappschuss aus dem Training.

Gestik Hitzfeld

Hitzfelds «natürliche Gestik»: Dass er den Mittelfinger zeigt, solle ganz normal sein. Bild:keystone

Zwei Spielsperren und 7000 Franken Busse

Wie bitte? Natürliche Gestik? Sich selber den Mittelfinger zeigen? Nein, diese Ausreden sind faul. So faul, dass auch die FIFA sie nicht glaubt: Hitzfeld darf im nächsten Spiel gegen Island zwar noch auf der Bank sitzen, für die beiden Zypern-Spiele wird er aber gesperrt. Zusätzlich bekommt er eine Busse von 7000 Franken aufgebrummt. 

Hitzfeld zeigt auch nach der Strafe wenig Rückgrat und verfolgt das Spiel in Zypern nicht einmal von der Tribüne, sondern vom Hotelzimmer aus. Die Schweizer Nati liefert ohne ihren Coach eine dürftige Vorstellung ab und spielt gegen die Mittelmeer-Kicker lediglich 0:0. 

Trotz des Hitzfeld-Blackouts qualifiziert sich die Schweizer Nati letzten Endes souverän für die WM-Endrunde, wo sie nach einem heroischen Kampf gegen Argentinien im Achtelfinale ausscheidet. 

Natürliche Gestik oder Beleidigung?

Übrigens: Im Spiel gegen Chile an der WM 2010 hatte Hitzfeld ebenfalls seine liebe Mühe mit dem Schiedsrichter: «Es gibt Schiedsrichter für den Fussballplatz und solche für den Strand», sagt der Ex-Nati-Trainer damals stinksauer. Ob er auch schon dem Saudi-Schiri Khalil al-Ghamdi den Stinkefinger gezeigt hat, dürfen sie selbst entscheiden:

«Die FIFA kann mich nicht bestrafen, weil ich gegen mich selbst den Stinkefinger gemacht habe.»

Ottmar Hitzfeld an der Pressekonferenz in Freienbach

Hitzfeld gegen Chile

Ottmar Hitzfeld an der WM 2010. Natürliche Gestik oder Beleidigung? Bild: welt.de

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

George Weah dribbelt einfach alle aus und schiesst ein Wundertor

8. September 1996: George Weah eröffnet die neue Serie-A-Saison mit einem Paukenschlag. Beim 4:1-Sieg Milans gegen Hellas Verona trifft Afrikas Fussballer des Jahrhunderts nach einem unfassbaren Solo über den ganzen Platz.

In Erinnerung habe ich von George Weah drei Sachen. Erstens: Er hatte Oberschenkel wie ein Pferd. Zweitens: Er wollte nach seiner Karriere Staatspräsident werden. Und drittens: Er schoss ein Tor für die Ewigkeit.

Von Beinmuskulatur und politischen Ambitionen wird etwas später die Rede sein. Primär war George Tawlon Manneh Oppong Ousman Weah ein herausragender Fussballer. Mamma mia, was war er für ein grossartiger Stürmer!

1995 wird er als erster und bis heute einziger Afrikaner zum …

Artikel lesen
Link zum Artikel