DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Conor Cunningham

«Wieso feiert ein gegnerischer Spieler mit uns?» Die irischen Spieler lachen sich krumm, als der Mann im Trainingsanzug seine Geschichte erzählt. Bild: Youtube/Coach Cunningham

Mit Mut und Glück ins Stadion geschmuggelt

Unvergessen

11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weitergereicht hat, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

11. November 2011: Conor Cunningham war nicht der Matchwinner. Dennoch ist er nach dem klaren 4:0-Sieg Irlands gegen Estland in der Barrage für die EM 2012 das grosse Thema. Denn der Fan hat es geschafft, das Spiel als estnischer Ersatzspieler zu sehen.



Irische Fussballfans sind für zwei Dinge bekannt: Sie trinken viel und reisen gerne. Und am liebsten kombinieren sie diese beiden Tätigkeiten. Sportstudent Conor Cunningham fliegt mit zehn Kumpels für das EM-Qualifikationsspiel der Iren nach Estland – ohne ein Ticket zu haben. Und weil das Stadion klein, aber der Andrang gross ist, stirbt die Option «Schwarzmarkt» rasch.

Und dennoch sitzt der 27-Jährige während des Spiels im Stadion – als Ersatzspieler auf der estnischen Bank!

abspielen

Selfie als Beweis: Cunningham direkt an der Seitenlinie. Video: Youtube/coach Cunningham

«Das war meine Chance. Ich musste es riskieren!»

Cunningham schleicht vor dem Spiel um die Arena. Als er eine offene Tür sieht, die kein Sicherheitsmann im Auge hat, stiehlt er sich ins Innere des Gebäudes. Der Gang, in dem sich der Fan nun befindet, scheint eine Sackgasse zu sein. Doch Cunningham wittert seine Chance, als er in einer Ecke einen Sack voller Fussbälle entdeckt – und einen Trainingsanzug der estnischen Nationalmannschaft.

«Ich habe die Kleider aufgehoben und bin in sie hineingeschlüpft», erzählt der Nationalspieler in spe nach seiner Rückkehr auf die grüne Insel im irischen Fernsehen. «Das war meine Chance, das Spiel zu sehen. Ich musste es riskieren!», schildert Cunningham weiter. Er habe den Sack geschultert, den Blick gesenkt und sei einfach in Richtung Feld gelaufen.

abspielen

Conor Cunningham erzählt im irischen Fernsehen von seinem Husarenstreich. Video: Youtube/RTE

Plötzlich neben dem estnischen Nationaltrainer

Der Plan geht auf. Niemand schöpft Verdacht, Cunningham setzt sich auf die Ersatzbank der Esten. «Keiner sprach mit mir und plötzlich realisierte ich, dass ich neben ihrem Nationaltrainer, Tarmo Rüütli, sass», sagt er der «Daily Mail».

Cunningham beteiligt sich sogar aktiv am Spiel. Als der Ball nach einer Viertelstunde aus dem Spielfeld fliegt, ist es Cunningham, der ihn einem estnischen Spieler in die Hand gibt. Schelmisch grinst er für einen kurzen Moment in die TV-Kamera, die alles filmt.

Zu diesem Zeitpunkt fällt Cunningham einem Offiziellen der UEFA auf. «Er kam zu mir und sagte mir, ich müsse hier verschwinden.» Wie ein Trainer, der sich zu sehr über den Schiedsrichter aufregt, wird Cunningham auf die Tribüne geschickt, wo ihm die Zuschauer brav Platz machen.

Bild

Während die TV-Kamera den irischen Coach Giovanni Trapattoni zeigt, schiesst Cunningham im Hintergrund gerade ein Foto von sich. Bild: Youtube/Coach Cunningham

Die irischen Spieler grinsen sich einen ab

Doch der Abend ist ja noch nicht vorbei. Irland gewinnt klar mit 4:0, ist schon vor dem Rückspiel mit mehr als einem Bein für die EM 2012 qualifiziert. Also schreitet Cunningham auf den Rasen, um mit seinen Lieblingen zu feiern. Die Spieler grinsen sich einen ab, als er ihnen erklärt, dass er gar kein Este, sondern ein Landsmann ist.

Erst da fällt Cunningham wirklich auf. Logisch, denn wieso sollte sich ein estnischer Ersatzspieler überschwänglich mit dem Gegner freuen, der ihn gerade deutlich geschlagen hat? Eine Funktionärin spricht ihn an, «da habe ich einfach gesagt, ich müsse noch die Fussbälle zurückbringen.» Denn Cunningham hat den Sack, der ihm Glück gebracht hat, nach dem Spiel wieder bei sich.

Conor Cunningham

Feiernde irische Spieler und ein feiernder estnischer Ersatzspieler mit einem Sack voller Fussbälle. Bild: Youtube/Coach Cunningham

Den Trainer mit der Aufschrift «Eesti» hat Conor Cunningham mit nach Hause genommen. Als Souvenir an eine Episode in seinem Leben, die wohl noch seine Ur-Ur-Ur-Enkel dereinst ihren Sprösslingen weitergeben werden.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

«Oh Zinédine, pas ça!» Zidanes Kopfstoss im WM-Final gegen Materazzi erschüttert die Welt

9. Juli 2006: Der WM-Final gegen Italien ist Zinédine Zidanes letzter grosser Auftritt. Dem Franzosen winkt der dritte grosse Titel. Doch nach einer Provokation von Marco Materazzi brennen bei «Zizou» sämtliche Sicherungen durch. Es kommt zum berühmtesten Kopfstoss der Geschichte.

Die Fussball-Welt ist geschockt. Was ist bloss in Zinédine Zidane gefahren, dass er so ausrastet? Zu diesem Zeitpunkt. Beim Stand von 1:1, in der 110. Minute des WM-Finals. In seinem allerletzten Spiel! Unverständnis allenthalben. Doch die Wiederholung lügt nicht. Er hat es tatsächlich getan.

Die Szene wirkt harmlos. Nach einem Freistoss in den Strafraum der Italiener hält Marco Materazzi Zidane leicht am Trikot fest. Es kommt zu einem Wortgefecht, von dem Frankreichs Nummer 10 bald einmal genug …

Artikel lesen
Link zum Artikel