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Guantanamo

Verhörmethoden der CIA

Es ist alles noch viel schlimmer

Der letzte grosse Auftritt von Senatorin Dianne Feinstein in ihrer Rolle als Vorsitzende des Geheimdienstausschusses war auch ihr wichtigster. Der Bericht des US-Senats über den Umgang der CIA mit Terrorverdächtigen nach 9/11 ist 6000 Seiten lang. Eine 525-seitige Zusammenfassung wurde am Dienstag vorgestellt. Die Verhörmethoden der CIA waren weit brutaler als angenommen. 



«Waterboarding» – simuliertes Ertränken

epa01323382 Still image taken from the Amnesty International film called

Bild: EPA

Eine der brutalsten «Verhörmethoden» der CIA ging so: Das Opfer wird auf ein schräg abfallendes Brett gelegt – mit dem Kopf nach unten. Mund und Nase werden mit einem Tuch belegt. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. Die «Verhörspezialisten» richten einen Wasserstrahl auf das Gesicht, das Opfer kann nicht mehr atmen, es reagiert mit Panik, glaubt zu ertrinken.

Quelle:

Die Ausführungen basieren im Wesentlichen auf dem Artikel «The Most Gruesome Moments in the CIA 'Torture Report'» von The Daily Beast.

«Waterboarding» nannte die Regierung von Präsident George W. Bush dieses Vorgehen, das die Fahnder nach den Terroranschlägen vom 11. September weiterbringen sollte. Dass es sich um Folter handelte, stritten die Beteiligten stets ab. Kritiker hatten seinerzeit bereits ein anderes Wort für das Grauen: «Gulag auf amerikanisch».

Salt Pit – «Cobalt»-Kerker in Afghanistan und andere «Black Sites»

Salt Pit, von ehemaligen Gefangenen auch «Das dunkle Gefängnis» (im Bericht wird es unter dem Pseudonym «Cobalt» erwähnt) genannt, wurde 2002 in Afghanistan eröffnet. An diesem berüchtigten Ort operierte untrainiertes CIA-Personal, das unauthorisierte und nicht überwachte Verhöre durchführte. Chef des Gefängnisses war ein Junior Officer, der aufgrund seines Backgrounds gar nicht bei der CIA hätte arbeiten dürfen.

Im besagten CIA-Gefängnis seien Männer in dunklen Räumen isoliert und mit lauter Musik beschallt worden. 2002 sei ein Gefangener an Unterkühlung gestorben, nachdem man ihn über lange Zeit halbnackt auf einem Zementboden festgekettet hatte.

Vergessene Gefangene

[THEMA - ZUM JAHRESTAG DER ALLGEMEINEN ERKLAERUNG DER MENSCHENRECHTE VOM 10. DEZEMBER - ARTIKEL 10: Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und oeffentliches Verfahren vor einem unabhaengigen und unparteiischen Gericht.] - The

Symbolbild Bild: EPA

Öffentlich hat die CIA immer verlauten lassen, dass sie 100 Terrorverdächtige halte. Doch man fand in den CIA-Gefängnissen deren 119. Tatsache ist, dass man total die Übersicht verlor. Manchmal seien Untersucher überrascht gewesen, dass da noch mehr Leute im Gefängnis sassen. Mindestens 26 seien fälschlicherweise festgehalten worden; 39 wurden besonderen Verhörmethoden unterzogen, also Folter.

Non-Stop-Verhöre

FILE - This undated file photo provided by U.S. Central Command, shows Abu Zubaydah, date and location unknown. Zubaydah was the CIA’s guinea pig. He was the first high-profile al Qaida terror suspect captured after the Sept. 11 attacks and the first to vanish into the spy agency’s secret prisons, the first subjected to grinding white noise and sleep deprivation tactics and the first to gasp under the simulated drowning of waterboarding. Zubaydah’s stark ordeal became the CIA’s blueprint for the brutal treatment of terror suspects, according to the Senate Intelligence Committee’s report released Tuesday. (AP Photo/U.S. Central Command, File)

Abu Subaida. Bild: AP/U.S. Central Command

In dem Report wird geschildert, wie der erste Gefangene im CIA-Gewahrsam, Abu Subaida (Bild oben), schwer misshandelt wurde. Er sei rund um die Uhr, während Tagen und Wochen, Attacken ausgesetzt gewesen, an Wände geschleudert, in eine sargartige Kiste gesteckt und dann dem Waterboarding ausgesetzt worden – dem simulierten Ertränken. Das habe solange gedauert, bis er gehustet und sich übergeben habe und «Krämpfe am Leib und seinen Extremitäten hatte». Schaum sei aus seinem Mund gekommen, und er habe das Bewusstsein verloren.

Erzwungene Mastdarm-Einläufe und Dehydration

Mindestens fünf Gefangene wurden «rektal gefüttert oder dehydriert», ohne medizinische Notwendigkeit und als «Methode zur Selbstkontrolle», wie es im Bericht heisst:

Schlafentzug

This photo provided by attorney Guy L. Womack, who is representing Army Spc. Charles A. Graner Jr., was purportedly taken at the Abu Ghraib prison in Baghdad, Iraq.  The defense claims the photo shows unidentified military intelligence personnel, marked as No. 4, 5, 7, 8.  Graner, identified as No. 1 in this photograph, is one of seven soldiers facing criminal charges for alleged abuse of Iraqi prisoners at the prison.  Womack has said his client was following orders.  U.S. military officials declined to comment on the photograph. (KEYSTONE/AP Photo/Courtesy of  Guy L. Womack)   ===  MANDATORY CREDIT ===

Symbolbild. Bild: AP COURTESY OF GUY L. WOMACK

Andere wiederum wurden vom Schlafen abgehalten. Bis zu 180 Stunden wurden Gefangene wach gehalten, manchmal stehend, manchmal mit den Händen über dem Kopf. Manche mussten sie nackt herumlaufen oder wurden von Aufseher auf dem Korridor hin- und hergezogen, während wiederum andere auf sie einschlugen.

Meist wertlose Informationen 

Sieben der 39 Gefangenen, die der Folter unterzogen wurden, lieferten keinerlei verwertbare Informationen; andere hätten sich unter dem Druck einfach etwas ausgedacht, damit die Folter aufhöre.

Jahrelang hiess es, die umstrittenen Methoden hätten zu erheblichen Erfolgen im Anti-Terrorkampf geführt, die Opfer hätten unter ihren Qualen Geheimnisse über das al-Kaida-Netz ausgeplaudert. Vor allem der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney brüstete sich geradezu mit diesen angeblichen Erfolgen. Doch der Senatsbericht streitet das rundherum ab: «Die harschen Verhörmethoden der CIA waren kein effektives Mittel, Geheimnisse zu erfahren oder die Kooperation der Gefangenen zu erlangen.»

CIA hat Präsidenten und Regierung hintergangen

Former President George W. Bush discusses his new book

George W. Bush. Bild: Pat Sullivan/AP/KEYSTONE

Neu ist auch, in welchem Ausmass die CIA Regierung und Präsidenten hinters Licht geführt haben. «Die Verhöre der CIA waren brutal und viel schlimmer, als die CIA es gegenüber Politikern und Anderen darstellte.» Die Geheimdienste hätten unter anderem falsche oder gezinkte Berichte an das Justizministerium gegeben.

Auftragnehmer und Psychiater

Zwei externe Psychologen haben die erweiterten Verhörtechniken für die CIA entwickelt und eine zentrale Rolle bei der Ausführung, Bewertung und Verwaltung des Programms gespielt. Bis zum Jahr 2005 lagerte die CIA mit dem Programm verbundene Tätigkeiten dann weitgehend an Dienstleister aus. Verdienst: Mehr als 80 Millionen Dollar.

Zweifel am Programm wurden unter den Tisch gewischt

Die CIA hat zahlreiche interne Kritiker ins Abseits gedrängt und Einwände bezüglich der Ausführung und Verwaltung des Haft- und Verhörprogramms ignoriert. 

Drohung, die Mutter zu vergewaltigen

Unidentified U.S. soldiers surround an Iraqi detainee in this photo obtained by The New Yorker said to be taken in December 2003, at the Abu Ghraib prison in Baghdad, Iraq.   (KEYSTONE/AP Photo/Courtesy of  The New Yorker) === , MANDATORY CREDIT ===

Symbolbild. Bild: AP COURTESY OF THE NEW YORKER

Psychische Folter war üblich: CIA-Offiziere haben den Gefangenen gedroht, ihren Kindern Schäden zuzufügen, ihre Mutter zu vergewaltigen oder der «Mutter den Hals durchzuschneiden». Oder man liess sie im Glauben, nie mehr lebendig das Gefängnis verlassen zu können, sondern nur in einem Sarg.

Sexuelle Übergriffe

An image of an Iraqi prisoners during torture in Abu Ghraib prison in Bhagdad. The photo was first seen on the CBS television program Sixty Minutes II aired on Wednesday 28 April 2004. (KEYSTONE/EPA/DSK)

Symbolbild Bild: EPA

Sexuelle Übergriffe an Terrorverdächtigen war ebenfalls üblich.

(kub)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Go-away 10.12.2014 10:27
    Highlight Highlight Fuck the USA!!! So jetzt darf ich wohl nicht mehr in die USA einreisen...
  • quark 10.12.2014 09:42
    Highlight Highlight Wir würden uns alle sehr wundern, dies zu sehen im Vergleich zu: Saudi Arabien, China, Russland, Türkei, Frankreich, Uk, ..... etc. Sehr wundern würden wir uns.
  • Mr. Kr 10.12.2014 08:26
    Highlight Highlight NSA und CIA sind alles Verbrecher. Ich weis gar nicht wieso man Ihnen all diese Sachen durchgehen lässt? Die Amis verteilen Strafen an Banken und Staaten am laufendem Band aber Sie selber werden verschont.
  • saukaibli 10.12.2014 08:09
    Highlight Highlight "andere hätten sich unter dem Druck einfach etwas ausgedacht, damit die Folter aufhöre." Sorry, aber dass das passiert wissen wir spätestens seit der spanischen inquisition und den Hexenverbrennungen. Den Typen ging es doch nur darum ihre sadistischen Neigungen auszuleben. Alle Beteiligten sollten vor ein Gericht gestellt und wegen Verstoss gegen die Menschenrechte verurteilt werden.
  • Zeit_Genosse 10.12.2014 08:02
    Highlight Highlight Es wäre ebenfalls zum Kotzen wenn wir von den gegnerischen Regimen die gleichen transparenten Informationen hätten. Es wird rund um den Globus gefoltert was das Zeug hält. Die USA arbeitet wenigstens ihren hässlichen Part auf. Es ist zu begrüssen, weil man den Glauben darüber nicht verliert, dass man solches Gebaren unter den Tisch wischen kann. Es geht richtig Präsidentschaftswahlen und da muss der mediale Müll vorher beseitigt werden. Wir dürfen uns derweilen an Folterbilder ergötzen und uns an dem empören, was wir insgeheim wussten. Der Krieg zeigt seine hässliche und unmenschliche Fratze. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier, aber nicht "nach oben", sondern weit "nach unten", wo eine Spezies sich selbst zu Quälen bereit ist.
  • Oki 10.12.2014 01:13
    Highlight Highlight Ich kann nicht mehr schreiben. Und das war ja nur der Anfang.

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