Wirtschaft
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Wie Putin und Trump versuchen, die Medien in den Griff zu bekommen

Der russische Präsident will eine Internet-Firewall nach chinesischem Vorbild. Der US-Präsident hat Fox News in einen staatlichen Propaganda-Sender umgemodelt. Beide wollen die absolute Kontrolle.



Als Wladimir Putin vor bald 20 Jahren Präsident Russlands wurde, hatte er sehr klare Prioritäten: Als Erstes wollte er die Medien unter Kontrolle bekommen. Sein Vorgänger Boris Jelzin hatte mehrere, teils liberale und kritische TV-Stationen zugelassen. Für Putin war dies Jelzins tödlicher Irrtum. Er handelte sofort: Die Eigentümer der liberalen TV-Stationen wurden ausser Landes gejagt, die Journalisten an die staatliche Leine gelegt.

Heute sind alle wichtigen russischen Medien gleichgeschaltet. Oder doch nicht ganz? Das Internet hat Putin nicht in den Griff bekommen. «Speziell YouTube untergräbt das Monopol des staatlichen Fernsehens», schreibt der «Economist» in seiner jüngsten Ausgabe. «82 Prozent der russischen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 44 schauen YouTube regelmässig an.»

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Verfolgen die gleichen Medienziele: Putin und Trump.

Gleichzeitig haben immer mehr Russinnen und Russen die Nase voll von der staatlichen Einheitskost. Nochmals der «Economist»: «Gemäss dem Levada Centre, einem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut, ist das Vertrauen der russischen Bevölkerung in das staatliche TV seit 2009 um 30 Prozent gefallen und liegt heute unter 50 Prozent.»

Putin schmeckt diese Entwicklung überhaupt nicht. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um das Internet unter staatliche Kontrolle zu bringen. Vorbild dabei ist die chinesische Firewall. In China sind Google, Facebook & Co. entweder gebändigt oder nicht mehr vorhanden. Mit Tencent, Alibaba und Baidu ist es den Chinesen gelungen, ein Parallel-Internet zu installieren.

Es gibt jedoch technische und politische Gründe, die eine russische Firewall verhindern. Die russische Internet-Infrastruktur ist älter als die chinesische. Sie befindet sich immer noch zu einem guten Teil in privaten Händen. Andrei Soldatow, Co-Autor des Buches «The Red Web», weist zudem daraufhin, dass Russland weit stärker als China ins globale Internet-Netz eingebunden ist. Führende Unternehmen wie Yandex haben Server im Ausland, während Google & Co. Server in Russland aufgestellt haben. Dieses Netz zu entflechten dürfte nicht ganz einfach sein.

Russian opposition activist Alexei Navalny takes part in a march in memory of opposition leader Boris Nemtsov in Moscow, Russia, Sunday, Feb. 24, 2019. Thousands of Russians took to the streets of downtown Moscow to mark four years since Nemtsov was gunned down outside the Kremlin. (AP Photo/Dmitry Serebryakov)

Kommt auf YouTub gut rüber: Alexei Nawalny, russischer Oppositionspolitiker. Bild: AP/AP

Das ist ärgerlich für Putin. Alexei Nawalny, der bekannteste russische Oppositionelle, benützt YouTube, um seine Botschaft unter das Volk zu bringen. Seine Videos werden bis zu 20 Millionen Mal angeklickt. Die Russen lieben YouTube jedoch nicht nur als politischen Gründen. Viele junge russische Eltern lassen ihre Kinder YouTube-Videos gucken. Putins Pläne einer russischen Firewall stossen daher auf Widerstand. Am vergangenen Wochenende haben zehntausende Menschen in Moskau dagegen protestiert.

Als Putin die TV-Stationen unter seine Kontrolle gebracht hat, war das Internet als politisches Medium noch keine Grösse. Facebook und YouTube gab es genauso wenig wie das Smartphone. Jetzt das Rad zurückzudrehen dürfte also nicht ganz einfach sein.

In den USA kämpft Donald Trump ebenfalls gegen lästige Journalisten – er bezeichnet sie als «Feinde des Volkes» – an. Einen Teilerfolg hat er bereits errungen: Fox News, die grösste TV-Station des Landes, ist de facto ein staatliches Propaganda-Instrument geworden. Das hat Jane Mayer kürzlich im «New Yorker» eindrücklich aufgezeigt.

epa07036433 US President Donald J. Trump (R) participates in an interview with Sean Hannity (L) before addressing attendees during the Make America Great Again Rally at the Las Vegas Convention Center in Las Vegas, Nevada, USA, 20 September 2018.  EPA/JOHN GURZINSKI

Ein Herz und eine Seele: Sean Hannity (links) und Donald Trump. Bild: EPA/EPA

Fox-News-Moderatoren wechseln regelmässig ins Weisse Haus und umgekehrt. Sie treten an den von Trump geliebten Wahlkampfveranstaltungen auf. Sean Hannity, der aktuelle Star-Moderator, soll gar täglich mit Trump telefonieren.

In Russland hat Putins ehemaliger Chefideologe Wladislaw Surkow die Propaganda zu einer Kunstform entwickelt. Peter Pomerantsev beschreibt sie in seinem Buch «Nichts ist wahr und Alles ist möglich» wie folgt: «Der Kreml sendet willkürlich wechselnde Botschaften, die seinen Zielen nutzen; (…) das Ergebnis ist ein ganzes Aufgebot an Videos und Stimmen, die weltweit Zielgruppen aus unterschiedlichen Richtungen beackern. Zusammen bilden sie eine Echokammer und einen Multiscreen der Kreml-Solidarität, die über Russia Today verbreitet werden.»

Fox News setzt auf die gleiche Methode. Aussagen, die Trump schaden könnten, werden ins Gegenteil verkehrt und mit Verschwörungstheorien untermauert. Ein Beispiel dafür ist die Art und Weise, wie Fox News mit dem gefeuerten FBI-Chef James Comey umspringt. Comey hat Hillary Clinton wahrscheinlich die Wahl gekostet. Er hat eigenmächtig eine Presskonferenz zur unsäglichen E-Mail-Affäre abgehalten und kurz vor den Wahlen diese Affäre erneut aufgewärmt.

Demokraten und Clinton haben damit sehr gute Gründe, Comey zu hassen. Für Fox-News-Zuschauer bilden Clinton und Comey jedoch ein verschworenes Paar, das mit allen schmutzigen Mitteln und mit Hilfe eines so genannten «Deep State» Trump stürzen will.

Wie einst die Tabakindustrie und heute noch die Klimaleugner setzt Fox News auf die Chaos-Karte. Es geht nicht darum, die Leute zu überzeugen, es geht darum, so viele Zweifel und Widersprüche zu säen, dass der normale Mensch verwirrt ist und unfähig wird, zu unterscheiden und zu entscheiden. So wird ein Zustand erzeugt, in dem tatsächlich nichts mehr wahr ist und alles möglich wird. Dieser Zustand ist die ideale Voraussetzung für ein autoritäres Regime.

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Video: watson/Emily Engkent

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ha End 13.03.2019 04:27
    Highlight Highlight Die Glaubwuerdigkeit der Presse weltweit ist auf dem selben Niveau wie die der Politiker . Die Ursache ist bei ihnen selbst zu suchen.
    Freie Presse ? Gibt's schon lange nicht mehr !
  • Liselote Meier 12.03.2019 11:13
    Highlight Highlight So wird ein Zustand erzeugt, in dem tatsächlich nichts mehr wahr ist und alles möglich wird. Dieser Zustand ist die ideale Voraussetzung für ein autoritäres Regime

    Nein, dies wäre für jedes autoritäre Regime pures Gift
    Ein autoritäres Regime ist auf Homogenität angewiesen, klare Linien und keine Widersprüche

    Treten Widersprüche zu tage, kann eine Opposition an diesen Widersprüchen andocken und so ein System zum implodieren bringen => Innenwirkung

    Das verhält sich gerade umgekehrt. Widersprüche sät man beim Gegner um deren Opposition zu stärken und so den Gegner zu schwächen =>Aussenwirkung
  • AdvocatusDiaboli 12.03.2019 01:09
    Highlight Highlight Philipp, eine absolut gewaltige Mehrheit der Medien (gross und klein) in den USA sind vollkommen gegen Donald Trump. Teilweise sogar richtig verzeifelt gegen ihn, so dass sie sich manchmal voreilig selber ins Fleisch scheiden. Wer pro-Trump Nachrichten sehen will muss sich etwas Mühe geben und direkt Fox News einschalten oder richtig danach suchen.

    Eine neutrale Person sollte generell fast nur anti-Trump Nachrichten zu sehen bekommen. Alles andere hat keine grossen chancen durchzukommen.
  • Stormrider 11.03.2019 23:46
    Highlight Highlight Ein etwas wackliger Vergleich. Der eine hat als Diktator die Macht über die Medien, der andere lästert einfach über diejenigen, die ihm nicht passen, kann aber de facto nichts machen. Ein entscheidender Unterschied.
  • Julian Roechelt 11.03.2019 23:12
    Highlight Highlight Solange die USA sich brüsten, sie können jedem jederzeit das Netz abstellen, tut jeder Staat gut daran, technisch vorzusorgen.
    Die Firewall dient primär dazu, das Netz autonom zu machen.
    • Stratosurfer 12.03.2019 07:06
      Highlight Highlight Ein autonomes Netz hat nichts mit eingeschränkter Pressefreiheit zu tun. Das sind zwei verschiedene Dinge.
    • Ich hol jetzt das Schwein 12.03.2019 15:47
      Highlight Highlight Eine Firewall dient dazu, Daten nicht in ein bestimmtes Netzwerk rein zu lassen. Ob diese Daten von aussen in dieses Netzwerk gepusht, oder von intern extern angefordert werden, spielt erst mal keine Rolle. Um ein Netzwerk autonom von aussen betreiben zu können, muss es intern genügend Infrastruktur haben, sprich Server, Webserver etc. Genau das schreibt Löpfe ja auch, dass die chinesische Netzinfrastruktur besser für eine solche Einrichtung aufgestellt ist als die russische. Wenn du dann die Infrastruktur intern hast, kannst du mit der Firewall alls von aussen kommende abblocken.
  • Swisslord 11.03.2019 22:55
    Highlight Highlight Die Medien in den USA sind bereits gleichgeschaltet. FOX für Republikaner, CNN und MSNBC für die Demokraten.

    Die grösste Gefahr für die Presse ignoriert Herr Löpfe aber. Chelsea Manning kämpft momentan für sie freie Presse ohne, dass sie entsprechend gewprdigt wird.
  • Repplyfire 11.03.2019 21:18
    Highlight Highlight Der Versuch zu Verwirren sieht man bei Artikeln betreffend Trump oder Russland auch in den Komentarspalten ganz gut. Gewisse User oder Accounts trumpfen bei diesen Themen mit Whataboutismus, Ablenkung und Desinformation gross auf.
    • Echo der Zeit 11.03.2019 21:31
      Highlight Highlight Das ist auch Gut so - sorgen müssen sie sich machen wenn es auf ein mal keine Gegenargumente mehr gibt - bezüglich Kontrolliertem Internet.
  • Chrigi-B 11.03.2019 20:35
    Highlight Highlight 🙄😴
  • Dr Barista 11.03.2019 20:31
    Highlight Highlight Die sollten mal bei Silvio anklopfen. Der weiss wie sowas geht!
    • MSpeaker 11.03.2019 20:52
      Highlight Highlight Er hatte das Internet auch nicht im Griff, daraus entstand dann die 5 Sterne Bewegung.
  • ströfzgi 11.03.2019 20:29
    Highlight Highlight "Wie die Medien versuchen, Putin und Trump in Griff zu bekommen" würde als Titel besser passen.
    • max julen 11.03.2019 21:23
      Highlight Highlight und wie schaut das unterfangen der medien konkret aus, ströfzgi?
  • Echo der Zeit 11.03.2019 20:26
    Highlight Highlight Die beiden Passen wirklich zusammen - Nationalisten, finden sich immer. Für Putin dürfte das Internet Priorität haben, die Propaganda muss noch mehr verfangen - damit die Menschen nicht mehr hinterfragen warum die Lebensmittel Teurer werden und die Renten Sinken.
  • Calvin Whatison 11.03.2019 20:26
    Highlight Highlight Ist er nicht hääärzig!? 😂😂😂
    Benutzer Bildabspielen
  • ThomasHiller 11.03.2019 20:23
    Highlight Highlight Naja, irgendwann dürfen wir uns alle eines "Wahrheitsministeriums" erfreuen, militärischen Krieg braucht es dann nicht mehr, die Massen sind dann auch so unterworfen. Wir (so die 40+er) werden das in der Form vielleicht nicht mehr erleben, unsere Kinder vielleicht schon. Ich glaub' aber irgendwie, daß das vielen Menschen ohnehin egal ist ... :(
    • Juliet Bravo 11.03.2019 21:24
      Highlight Highlight Mit dem Medienkombinat Rossija Sewodnja hat die russische Führung so eine Art Wahrheitsministerium.
    • rodolofo 12.03.2019 08:09
      Highlight Highlight Die meisten Menschen verhalten sich konform.
      Man nennt das "Schwarm-Intelligenz", oder "Schwarm-Verblödung", je nachdem...
    • Jack Venture 12.03.2019 13:29
      Highlight Highlight George Orwell lässt grüssen..
  • rodolofo 11.03.2019 20:18
    Highlight Highlight Verwirrte sind leicht zu beherrschen, überall auf der Welt!
    Darum der Rat des "Häsli":
    "Muttu entwirren!"
    Oder der Rat aus "König der Löwen":
    "Erinnere Dich!"
  • Ville_16 11.03.2019 20:06
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    • phreko 11.03.2019 21:10
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    • Ville_16 11.03.2019 21:22
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    • ingmarbergman 11.03.2019 21:40
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