Wirtschaft
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The logo of German carmaker Volkswagen is seen at a VW dealership in Hamburg, in this October 28, 2013 file photo. The scandal engulfing Volkswagen, which has admitted cheating diesel vehicle emissions tests in the United States, spread on Tuesday as South Korea said it would conduct its own investigation and a French minister called for an EU-wide probe. REUTERS/Fabian Bimmer/Files

Bild: FABIAN BIMMER/REUTERS

Ein Racheakt der US-Autoindustrie? 8 Fragen und Antworten zum VW-Abgasskandal



Warum haben die Abgas-Manipulationen so drastische Auswirkungen?

Sie sind symptomatisch für VW und Ausdruck einer fehlgeleiteten Strategie: Der deutsche Autobauer hat jahrelang auf effiziente Diesel-Motoren gesetzt – und dabei die Entwicklung bei den Elektroautos verschlafen. Ganz anders der Erzrivale Toyota. Die Japaner haben schon Ende der 90er Jahre das Hybridauto Prius entwickelt. Nun zeigt sich, dass die Diesel-Strategie nicht aufgeht. VW muss sich neu ausrichten.

Was ist das Problem mit den Diesel-Motoren?

Der legendäre VW-Chef und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch wollte den Durchbruch mit einem 1-Liter-Diesel-Auto erzwingen. Das ist nie gelungen. VW kann zwar heute Diesel-Autos bauen, die sportlich sind und viel Fahrspass bereiten. Trotz Spezialfilter ist aber – das zeigt sich nun – das Feinstaub-Problem nicht gelöst. Die Werte, die nun in Kalifornien gemessen worden sind, sind schlicht schockierend.

Handelt es sich um einen Racheakt der amerikanischen Autoindustrie?

Nein. Die Manipulationen wurden zufällig entdeckt. Bei einem Test der Umweltbehörde zur Umweltverträglichkeit von Dieselautos waren zwei von drei Testautos VWs. Zudem ist VW für die US-Autoindustrie derzeit kein ernsthafter Konkurrent.

Wird auch in Europa bei den Abgaswerten getrickst?

Ziemlich sicher schon. Der deutsche Umwelt-Experte Axel Friedrich sagt gegenüber dem Manager-Magazin: «Es ist nur Zufall, dass es Volkswagen als Erstes erwischt hat. In Europa gibt es noch eine ganze Reihe anderer Fälle. Nur bei uns prüft keiner nach.»

Sind auch Autos in der Schweiz mit falschen Abgaswerten verkauft worden?

Das weiss man noch nicht so genau. Livio Piatti, Pressesprecher beim Schweizer VW-Importeur Amag, sagt gegenüber dem Tages-Anzeiger: «Aktuelle Fahrzeuge, welche die neue Abgasenorm EU 6 erfüllen sind nicht betroffen. Betroffen ist ein besonderer Motorentyp. Ob dieser auch in Fahrzeugen eingebaut ist, die in der Schweiz zirkulieren, klären wir ab.» Bis anhin gibt es dazu keine neuen Informationen der Amag.

Hat der Skandal Auswirkungen auf den europäischen Automarkt?

Kurzfristig nicht. Langfristig wird man sich aber auch in Europa die Frage stellen müssen, ob Diesel als Treibstoff für die Zukunft das Richtige ist, zumal Autos immer mehr zu «iPhones auf Rädern» werden. Im Bereich der Luxusautos ist Tesla bereits eine Erfolgsstory. Nun steigen auch noch die IT-Giganten Apple und Google ins Autogeschäft ein. Alles spricht somit langfristig für das Elektroauto.

Was bedeutet der Skandal für VW?

Weil die Abgas-Manipulationen unter das US-Gesetz «Clean Air Act» fallen, kann VW kräftig zur Kasse gebeten werden. Im schlimmsten Fall droht eine Busse in der Höhe von 18 Milliarden Dollar, und dass mit den US-Behörden nicht zu spassen ist, davon können die Schweizer Banken inzwischen ganze Arien singen. Zudem wird das Image von VW stark leiden. Der erhoffte Durchbruch auf dem so wichtigen US-Markt wird vorläufig ein Wunschtraum bleiben. 

Wird VW den Skandal überleben?

Daran zweifelt niemand. VW ist für Deutschland mindestens so wichtig wie die UBS für die Schweiz. Zudem ist das Land Niedersachsen der wichtigste Aktionär. Ein Kollaps von VW ist undenkbar, nicht aber eine Generalüberholung. «VW muss vom Kopf auf die Füsse gestellt werden», sagt der bekannteste Kenner der Branche, Ferdinand Dudenhöffer zu watson. Die Folgen des Skandals sind nicht abschätzbar, aber auf jeden Fall beträchtlich. Zum Vergleich: Nach dem Toyota-Skandal mit klemmenden Gaspedalen und Bremsproblemen musste der japanische Autobauer 1.2 Milliarden US-Dollar Schadenersatz zahlen. (pl/egg)

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lugi 23.09.2015 12:52
    Highlight Highlight Zuerst die Banken nun die Autos. Da sieht man gut das die USA viel Geld braucht um die nächsten Jahre zu überleben.
  • M2020 23.09.2015 06:55
    Highlight Highlight Als wäre vw die einzige. Weiss man ja seit Jahren!!
  • 7immi 22.09.2015 22:59
    Highlight Highlight das nicht auffliegen in der eu hat vielleicht auch damit zu tun, dass die eu gesetze dazu sehr schwammig sind. so ist es zb nicht verboten, den alternator abzuschalten und das licht abzuschalten und die servo-hilfe, oder beim cw wert einige spälte abzukleben...
    ausserdem ist die autolobby ein guter sponsor merkels partei. aber natürlich nur zufälle, allesamt.
    • Alnothur 23.09.2015 00:06
      Highlight Highlight EU-*Gesetze* gibt es mangels Existenz eines Staates EU sowieso nicht, bloss Richtlinien und Verträge.
    • 7immi 25.09.2015 07:30
      Highlight Highlight @grufti
      beide werte werden mit dem gleichen verfahren/zyklus (nefz) bestimmt.

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