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UBS-Expansion: Neue Banklizenz, Wachstum in den USA und viel Risiken

US-Expansion der UBS: «Schweizer Steuerzahler haften letztlich für zusätzliche Risiken»

Die UBS hat in den USA eine Banklizenz erhalten und kann damit in Zukunft als vollwertige Bank operieren. Dieser Schritt soll der UBS weiteres Wachstum bringen. Finanzprofessor Marc Chesney warnt vor den Systemrisiken – und kritisiert den Bundesrat für seine zu laschen Regulierungsvorschläge.
29.03.2026, 10:1529.03.2026, 10:30

Das Vorhaben: Eine Bank für alle Amerikanerinnen und Amerikaner

Rob Karofsky und Brian Carlin sitzen im glänzenden UBS-Studio dem Moderator gegenüber. Dieser gratuliert ihnen zur erhaltenen US-Banklizenz und sagt: «Ich weiss, es war eine aufregende Zeit für Sie und es brauchte viel Arbeit, um hierherzugelangen.» Das PR-Video, Teil der Video-Serie «UBS Trending», wurde am 20. März, kurz vor dem Wochenende, auf der UBS-Website hochgeladen und über Social Media geteilt.

Karofsky ist Co-Präsident des Global Wealth Management der UBS und Präsident von UBS Americas, die die Tochterfirmen auf dem amerikanischen Kontinent unter sich vereint. Er sagt in die Kamera: «Ich bin sehr glücklich, mitteilen zu können, dass wir die finale Genehmigung erhalten haben.» Er bekräftigt, wie viel Effort dieser Schritt benötigt hatte und bedankt sich bei allen Involvierten. Karofsky sagt: «Dieser Meilenstein positioniert uns wirklich gut für die nächste Wachstumsphase.»

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Die nächste Wachstumsphase – was heisst das für die Bank, die erst gerade aufgrund der Integration ihres grossen Konkurrenten, der Credit Suisse, massiv gewachsen ist? Die noch kaum den Integrationsprozess abgeschlossen hat, bei dem am Ende gemäss UBS-Aussagen um die 3000 Mitarbeitenden ihren Job verloren haben werden?

An advertising of the Swiss bank Credit Suisse reading in German "Part of the UBS Group", is pictured in a Swiss Bank UBS branch, in St. Moritz, Switzerland, Thursday, December 19, 2024. (KE ...
Eine UBS-Filiale: Die Grossbank rechnet damit, den Integrationsprozess bis Ende 2026 weitgehend abzuschliessen.Bild: keystone

Wachsen, das will die UBS vor allem im US-Markt. Der Markt, zu dem die Grössten der Grossen gehören, wie JP Morgan Chase, Bank of America oder Citigroup. Zu diesem Zweck hat sich die UBS Bank USA, die US-Tochterfirma, um eine nationale Banklizenz beworben. Jetzt kann sie als «normale» Bank im ganzen Land fungieren. Das konnte sie bis anhin nur im Staat ihres Sitzes, Utah. Darüber hinaus bedient die UBS zwar schon seit über 25 Jahren (eher vermögende) US-Kunden, allerdings beschränken sich dort die Dienste bislang auf Vermittlungs- und Maklerdienstleistungen sowie Vermögensmanagement.

Wie steht die UBS Bank USA mit der UBS AG in Verbindung?

Der Aufbau der UBS gestaltet sich, wie in jeder grossen Bank, komplex. Während die UBS Group AG die Muttergesellschaft ist – das heisst: die oberste Holdinggesellschaft des ganzen Konzerns – welche die Geschicke der Bank leitet, bezeichnet UBS AG die «eigentliche» Bank. In der Schweiz ist es wiederum die Tochtergesellschaft UBS Switzerland AG, die als operativer Arm für das Inlandsgeschäft in der Schweiz zuständig ist.

Auch UBS Bank USA ist eine von hunderten von Tochterfirmen – so genau kennt man die Zahl nicht – des Konzerns. Sie hat ihren Sitz in Salt Lake City, Utah, und wird nach US-Recht reguliert.

Neu kann die UBS also ganz normale Dienstleistungen tätigen, sich so auch weniger vermögenden Kundinnen und Kunden widmen und ihnen die Gesamtlösung anbieten: Gehaltskonto, Kreditkarten, Anlageberatung oder Hypotheken. Eine entsprechende, moderne Vollbank-Plattform soll 2027 aufgestellt werden. Sie soll mit digitalen und KI-gestützten Funktionen aufwarten.

Die Frage ist: Warum will die UBS diesen Schritt so unbedingt gehen?

Einen Teil der Antwort wird im Video der UBS gegeben. Brian Carlin, CEO der Tochterfirma UBS Bank USA, sagt dort: «Wir wollen Everyday-Banking anbieten. Viele Schlüsselprodukte werden von unseren Kunden bei der Konkurrenz getätigt. Wir geben ihnen die Möglichkeit, diese jetzt auch bei uns zu tätigen.» Und Karofsky fügt an: «Das wird unseren Schwung in den USA stärken und unterstreicht unser Ziel, als führender globaler Vermögensverwalter an der Spitze zu stehen.»

Was simpel tönt, ist es in der Realität selten. Marc Chesney ist emeritierter Professor für Finanzmathematik an der Universität Zürich. Er sagt: «Wir leben in einer Zeit, in der alle wachsen wollen. Doch Expansion ist nicht so einfach. Die UBS hatte diese Bestrebungen vor der Finanzkrise schon einmal – und wir haben gesehen, was ‹Wachstum› für sie am Ende bedeutet hat.»

Die UBS und die Finanzkrise

In den zehn Jahren vor der Finanzkrise 2008 hatte die UBS eine grossangelegte Expansionsstrategie in den USA verfolgt, vor allem im Bereich Investment Banking. 2005 und 2006 resultierten Rekordergebnisse.
Bereits in den frühen 2000er Jahren war die UBS auch im US-Hypothekenmarkt aktiv. Sie begann jedoch im Vergleich zu anderen Grossbanken relativ spät, dafür umso aggressiver, ihr Geschäft in den USA mit sogenannten strukturierten Kreditprodukten auszubauen. Kurz vor der Finanzkrise gehörte die UBS zu den Banken mit den meisten sogenannten Subprime-Produkten weltweit.
Doch die komplexen strukturierten Finanzprodukte, die auf Hypotheken beruhten, verloren 2007 massiv an Wert. Später stellte sich heraus: Die Banken hatten zu leichtfertig Hypotheken vergeben, diese in komplizierte Produkte verpackt und weltweit verkauft. Weil schliesslich aber niemand mehr wusste, welches Produkt wie viel effektiv wert war, crashten deren Preise. Mit sich nach unten zogen die Subprime-Produkte sowohl das Vertrauen der Banken untereinander als auch deren Bilanzen.
2007 musste die UBS den ersten Verlust ihrer 10-jährigen Geschichte hinnehmen: knapp 4,4 Milliarden Franken. Während sich die Krise in den USA verschlimmerte, verlor die UBS am 17. März 2008 14 Prozent ihres Werts an der Börse.
Am 16. Oktober, auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise, wurde die Grossbank durch den Schweizer Bund und die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit insgesamt 60 Milliarden Franken gerettet. Das grosse Glück, wie sich später herausstellte: Sowohl die SNB (5 Milliarden Franken) als auch der Bund (1,2 Milliarden Franken) verloren ihr Geld nicht, sondern verdienten mit der Rettung sogar dazu.

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bild: ap

Durchwachsenes US-Geschäft

Dabei lief das US-Geschäft der Grossbank bisher nicht wie gewünscht. Gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gab es 2025 Nettoabflüsse von Kundenvermögen. Alleine im letzten Quartal flossen Gelder in der Höhe von 14 Milliarden ab. Ein möglicher Grund dafür: Geschätzte 200 Kundenberater haben gemäss Reuters die Bank verlassen – für die UBS ein Problem, denn in der Vermögensverwaltung hängen Kunden stark an ihrem Berater. Zudem kann die UBS (noch) nicht die Margen erzielen, die sie gerne würde. Sie erzielt gemäss Reuters geringere Margen als die Konkurrenz, und ist damit gemäss eigenen Massstäben noch zu wenig rentabel.

Um den Beraterabfluss zu stoppen, wird die UBS ihnen gemäss Medienberichten grosszügigere Vergütungen anbieten. Dieses Geld dürfte zu den Investitionen hinzukommen, welche die Bank für ihre Vorhaben in den USA bereits getätigt hat. Wie alle Investitionen ist auch dieses Geld eine Wette auf die Zukunft, in der die UBS, um mit der Konkurrenz mithalten zu können, bereit sein muss, mehr Risiken einzugehen – zum Beispiel über die Vergabe von mehr Krediten, aber zu günstigen Bedingungen.

Auch Marc Chesney ist überzeugt: «Da die UBS in den USA ein Outsider ist, kann ein Wachstum dort nur mit höherem Risiko einhergehen. Und da die UBS – bislang – ihren Hauptsitz in der Schweiz behält, sind es die Schweizer Steuerzahlenden, die diese zusätzlichen Risiken letztlich tragen werden.»

Zur Person

Marc Chesney ist emeritierter Professor an der Universität Zürich, wo er bis 2024 die Professur für Mathematische Finanzen innegehabt hat. Zwischen 2015 und 2021 war er Direktor des Department of Banking and Finance an der Uni Zürich. Er erwarb die Habilitation (HDR) an der Sorbonne in Paris.
Chesney gilt als einer der wenigen Finanzprofessoren, der sich öffentlich kritisch zum Thema Entgleisungen der Finanzkasinowirtschaft äussert.
Er schreckt dabei auch nicht vor Kritik gegenüber einigen Berufskollegen zurück. In einem Interview mit Le Temps beklagte er in März 2024 das «ohrenbetäubende Schweigen vieler Finanzprofessoren in der Schweiz zu den Gründen für den Zusammenbruch der Credit Suisse. Es gibt etwa 150 bis 200 von ihnen an Universitäten. Doch bis auf wenige Ausnahmen hat sich niemand zu diesem Thema wirklich geäussert, weder vor, während noch nach diesem Debakel. Warum? Während der Covid-19-Pandemie beispielsweise haben die beteiligten Wissenschaftler ihre Meinung geäussert.»

2025 erschien Marc Chesneys Buch «Stopp – Gegen Kasino-Finanzwirtschaft, Vermarktung und Zerstörung der Natur».

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bild: zvg

Die Risiken: Schlechte «Sichtverhältnisse» und drohende Schuldenkrise

Die Expansion in die USA birgt also auch Risiken. Chesney sagt: «Die Frage ist: Für wen?» Die UBS sei keine homogene Einheit, es gebe verschiedene Interessen und Akteure: «Da ist das Management, da sind aber auch die Aktionäre, die Kundinnen und Kunden. Für das Management ist das sicher wünschenswert: Wachstum bringt immer eine Rechtfertigung, noch höhere Vergütungen und Boni zu verlangen. Doch das Management trägt am Ende nicht, wie im Liberalismus eigentlich vorgesehen, die Verantwortung. Die Bankleitung haftet nicht für die eingegangenen Risiken.»

Für die Aktionäre hingegen gibt es reale Risiken: Die UBS-Aktie könnte, im schlechtesten Fall, einen Grossteil ihres Wertes verlieren. Diesen Fall gab es bereits bei der Credit Suisse.

Und welche Risiken könnten für schweizerische Kunden entstehen, falls die UBS in den USA schlechte Geschäfte machen würde? Marc Chesney glaubt: «Eine mögliche weitere Erhöhung der Bankgebühren, Unsicherheit infolge eines Vertrauensverlusts, mögliche nicht abgesicherte Verluste bei strukturierten Produkten sowie eine erhöhte Exposition gegenüber neuen geopolitischen Risiken.»

Schliesslich ist da aber auch die Schweizer Öffentlichkeit. Sie haftet am Ende für eine Bank, deren Bilanzsumme etwa doppelt so gross ist wie das Bruttoinlandsprodukt des Landes. Und Marc Chesney gibt zu bedenken: «Der Netto-Nominalwert der Derivate, welche die UBS verwaltet, entsprach Ende 2024 etwa dem 36-Fachen des BIP.» Derivate sind (oft komplexe) Finanzinstrumente, deren Wert von der Preisentwicklung eines Basiswerts (beispielsweise Aktien, Rohstoffe, Devisen oder Zinsen) abgeleitet wird. Prominente Beispiele sind sogenannte Optionen, Futures und Swaps.

Chesney ist sich sicher: «Eine einzige internationale Too-Big-To-Fail-Grossbank ist die schlechteste Lösung für ein kleines Land wie die Schweiz.» Und: «Besser wäre es, mehrere systemrelevante Grossbanken mit Hauptsitz in der Schweiz zu haben – oder gar keine. Doch jetzt ist das Land in Geiselhaft der UBS.»

Boomender Private-Credit-Markt birgt Risiken

Einer der Nebeneffekte von «too big to fail» ist, dass die UBS im Markt damit einen Wettbewerbsvorteil hat – den sie zu ihren Gunsten nutzen kann. Es ist das Prinzip der impliziten Staatsgarantie: Eine mögliche Rettung der UBS ist nicht, wie zum Beispiel im Falle von Kantonalbanken, gesetzlich festgehalten. Weil aber alle wissen, dass die Schweiz im Falle des Falles ihre grösste Bank retten müsste, gilt implizit die Staatsgarantie trotzdem, was auch Finanzministerin Karin Keller-Sutter schon festhielt.

Marc Chesney erklärt: «Sobald eine Bank ‹too big to fail› ist, gibt es für ihr Management Anreize, mehr Risiken auf Kosten des Steuerzahlers einzugehen.»

Doch inwiefern ist die Expansion in die USA genau mit Risiken verbunden? Die Lage in den USA sei hochunsicher, sagt der ehemalige Finanzprofessor. «Zunächst einmal weiss niemand, was in der nächsten Stunde, was morgen oder übermorgen passiert, wenn Donald Trump Präsident ist.»

«Bei schlechter Sicht ist es besser, zu bremsen als zu beschleunigen.»
Marc Chesney

Chesney spricht aber auch den Schattenbankensektor an, der heute viel grösser sei als zu Zeiten der Finanzkrise. Es handelt sich dabei um Finanzinstitute und Finanzaktivitäten, die bankähnliche Funktionen erfüllen, aber nicht den gleichen regulatorischen Auflagen unterliegen wie traditionelle Banken, weil sie über keine Banklizenz verfügen. Innerhalb des Schattenbankensektors wuchs derweil besonders eine Sparte: Private Credit, auch Private Debt genannt. Die Finanzinstitute versorgen anhand sogenannter Private-Credit-Fonds vor allem private Firmen mit Krediten – oft solche, die sie bei einer Bank womöglich nicht gekriegt hätten. Das Ganze funktioniert flexibler als im traditionellen Bankensystem, es ist aber riskanter und vor allem undurchsichtiger für die Finanzaufseher.

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Gross im Private Credit Business: Blackstone ist gemäss eigenen Angaben der «weltweit grösste Verwalter alternativer Anlagen».Bild: imago images

Deregulierung in den USA

Obwohl die traditionellen Banken nur indirekt involviert sind, geht sie der Sektor dennoch etwas an, denn sie selbst leihen ihr Geld den Private-Credit-Firmen.

Die Undurchsichtigkeit bei Private Credit ist derweil riesig. Chesney spricht von einer «Blackbox». Viele Finanztransaktionen sind in der Zwischenzeit in diesen komplexen Sektor abgewandert. Gleichzeitig werden bei den US-Banken die Kapitalvorschriften derzeit gelockert – eine Deregulierungsphase also, während die Schweiz gerade das Gegenteil anstrebt.

Marc Chesneys Fazit: «Die UBS will expandieren – aber was machen die ‹Sichtverhältnisse›? Bei schlechter Sicht ist es besser, zu bremsen als zu beschleunigen.»

Verschuldung in den USA wächst

Als wäre das nicht schon genug, zeichnet sich genau dort, im Private-Credit-Markt, eine sich anbahnende Schuldenkrise ab. Beobachter melden dabei steigende Ausfall- und Stressindikatoren wie eine zunehmende Anzahl an Unternehmen, die ihre Kredite nicht zurückzahlen können. Und immer mehr Investoren mehrerer privater Kreditunternehmen versuchen, ihr Geld aus der Branche abzuziehen. Auch wenn die Anzeichen noch nicht so alarmierend scheinen wie zum Beispiel vor der Finanzkrise 2008, ist man sich in den USA noch nicht ganz einig über deren effektive Tragweite.

Hinzu kommt: Die Verschuldung amerikanischer Privathaushalte ist in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent gestiegen. Rund 111 Millionen Amerikaner konnten ihre Kreditkartenrechnungen Ende 2025 nicht vollständig begleichen – ein Rekord. Und die anhaltend hohen Zinsen in den USA sowie die Folgen des Iran-Kriegs scheinen viele langsam unter Druck zu bringen.

Es kann also festgehalten werden: Der Zeitpunkt für eine Expansion in die USA ist für die Schweizer Grossbank womöglich nicht der beste.

Die Regulierung: Eigenkapitalquote und ein Elefant im Raum

Damit zurück zur UBS. Deren Expansionspläne fallen zudem genau in die Zeit, in der das Parlament über die Regulierungspläne des Bundesrates diskutiert. Im April soll ein Entscheid gefällt werden. Der Bundesrat schlägt mit der «Lex UBS» unter anderem vor, dass systemrelevante Banken in der Schweiz ihre Auslandstöchter schrittweise zu fast 100 Prozent mit hartem Eigenkapital unterlegen müssen. Heute liegt diese Quote bei etwa 60 Prozent. Die Regelung ist deshalb so wichtig, da das UBS-Geschäft im Ausland deutlich grösser ist als ihr Heimmarkt. «Wachstum», so Finanzministerin Karin Keller-Sutter, sollte damit «teurer werden».

Die Eigenkapitalquote erklärt

Die Eigenkapitalquote zeigt, wie viel von einer Bank «ihr selbst gehört» – im Vergleich zu dem, was sie sich geliehen hat.
Geht man etwas tiefer, wird es schnell kompliziert. So unterscheidet man zwischen:
– der harten Kernkapitalquote (CET1): Diese bildet das Kapital je nach Risiko in der Banken-Bilanz ab: Anlagen, die als risikolos gelten, werden nicht mitgerechnet. Sie liegt bei der UBS laut Unternehmensberichten zwischen 14,4 Prozent und 14,8 Prozent der Bilanzsumme. Die UBS befindet sich damit im internationalen Vergleich etwa im Mittelfeld.
– und dem ungewichteten Eigenkapital (Leverage Ratio): Sie zeigt, wie hoch das Eigenkapital im absoluten Vergleich zum Fremdkapital, also zur Verschuldung, ist. Hier liegt die UBS bei etwa 4,7 Prozent und damit im internationalen Vergleich, gerade im Vergleich mit US-Banken, eher auf den hinteren Rängen.

Gemäss Experten bräuchte eine Grossbank wie die UBS eine Leverage Ratio zwischen 10 und 30 Prozent, um sie wirklich sicher zu machen.

Die UBS wehrt sich massiv gegen die vorgesehenen Regelungen. Sie argumentiert, die 26 Milliarden Franken, die sie zusätzlich als Eigenkapital aufbringen müsste, würden ihre Konkurrenzfähigkeit, gerade im Ausland, belasten. Die Regulierung in der Schweiz sei strenger als im Ausland. Die UBS gehöre heute schon zu den bestkapitalisierten Banken im globalen Wettbewerb, sagt sie. Gemäss der Bank würde mehr Eigenkapital höhere Kosten bei der Refinanzierung bedeuten, was Kredite verteuern würde. Gerade letztere Aussage wird jedoch von Professoren angezweifelt.

Karin Keller-Sutter wird von der Öffentlichkeit derweil als «strenge Regulatorin» betrachtet. Doch Recherchen der Republik zeigten im letzten Jahr, dass das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zuvor noch deutlich strengere Massnahmen gefordert hatte – und dass Gespräche mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gezeigt hätten, «dass diese sämtliche Positionen des Seco teile».

Bundesraetin Karin Keller-Sutter spricht an einer Medienkonferenz zur Bargeldinitiative, am Dienstag, 13. Januar 2026, in Bern.(KEYSTONE/Peter Schneider)
Wird als taff gegenüber der UBS beschrieben: FDP-Finanzministerin Karin Keller-SutterBild: keystone

Auch Marc Chesney kritisiert die Pläne des Bundesrates. Sie gingen zwar in die richtige Richtung, denn das Eigenkapital, das die UBS jetzt hält, sei «viel zu klein». Doch auch was der Bundesrat vorschlägt, sei nicht genug: «Die UBS müsste insgesamt deutlich mehr Eigenkapital haben, nicht nur bei den Auslandstöchtern», meint Chesney.

Das Problem der Messung von Eigenkapital

Doch der ehemalige Finanzprofessor spricht noch ein weiteres Problem an: Eine genaue Messung des Eigenkapitals sei wesentlich. Doch die Bilanz einer Grossbank sei komplex und volatil, sagt Chesney. «Im besten Fall kennen wir die genauen Zahlen alle drei Monate, wenn der Quartalsbericht erscheint. Doch die Bilanz kann sich auf undurchsichtige Weise schnell ändern. Wer weiss oder will wissen, wie hoch die Eigenkapitalquote der UBS genau zu diesem oder jenem Zeitpunkt ist? Anscheinend niemand.»

Chesney fragt rhetorisch: «Was bringt es dann, eine Erhöhung in Betracht zu ziehen, wenn die Bewertung nur ungenau ist und zu selten erfolgt?»

Vergleicht man das Eigenkapital nicht nur mit der Bilanzsumme, sondern auch mit ausserbilanziellen Geschäften – wie eben den Derivaten – sei die Eigenkapitalquote noch kleiner und volatiler, gibt Chesney zu bedenken. «Die Kurse der zahlreichen komplexen Finanzprodukte, die in der Bilanz oder ausserhalb derselben erscheinen, können sich ständig bewegen, vor allem in kritischen Phasen.»

Wo wäre dann aber der Lösungsansatz? In der Schweiz ist es die Finma, welche die Aufgabe hat, die UBS, deren Aktivitäten und Bilanz zu kontrollieren. Sie hat ihre Kontrollen zuletzt verstärkt – ob sie ausreichen, ist Bestandteil aktueller Debatten. Finanzmathematiker Chesney fragt sich, inwiefern die Finma gerade auch die ausserbilanziellen Geschäfte genau und oft kontrolliert. Aber er sagt auch: «Da die Fragen zum Thema Messung der Eigenkapitalquote internationaler Grossbanken unbeantwortet bleiben – und das wahrscheinlich noch lange –, sind unabhängige Bewertungen in diesem Bereich, zum Beispiel durch die Akademie, der einzig gangbare Weg. Das ist ein Thema meiner Forschung.»

Hauptsitzwechsel nach New York?

Schliesslich bleibt noch eine weitere Frage ungeklärt, die über all dem schwebt: Ist es möglich, dass die UBS am Ende doch ihren Hauptsitz in die USA verlegt?

Entsprechende Gerüchte machten vor einigen Monaten die Runde. Damals berichtete die Financial Times (der im Übrigen enge personelle Verbindungen mit der Schweizer Bank nachgesagt werden), UBS-Präsident Colm Kelleher habe sich in New York mit US-Finanzminister Scott Bessent getroffen, um eine mögliche Verlegung des Hauptsitzes der Bank in die USA zu besprechen. Demnach seien die beiden Männer schon in den Monaten zuvor in Kontakt gewesen, um zu diskutieren, wie eine solche genau aussehen könnte. Die Trump-Regierung zeige sich dabei «offen» gegenüber der Idee, die grösste Schweizer Bank bei sich zu beheimaten.

epa10548383 Newly appointed Group Chief Executive Officer of Swiss Bank UBS Sergio P. Ermotti (R) and UBS Chairman Colm Kelleher attend a news conference in Zurich, Switzerland, 29 March 2023. Followi ...
UBS-Präsident Colm Kelleher mit dem UBS-CEO Sergio Ermotti (2023). Bild: keystone

Beobachter in der Schweiz äusserten sich skeptisch über die Berichte – die wenigsten glauben, dass die UBS einen solchen Schritt tatsächlich gehen würde.

Marc Chesney stimmt dem zu. Für ihn ist klar: «Die Idee ist, Gerüchte über eine mögliche Verlegung des Sitzes in die USA zu streuen, um auf die Bundesräte einzuwirken und die Anforderungen an das Eigenkapital noch weiter abzuschwächen.»

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Die beliebtesten Kommentare
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banda69
29.03.2026 10:26registriert Januar 2020
Dass ein SVP dominierter Bundesrat der UBS lasche Regulieringsvorgaben macht, erstaunt nun wirklich niemanden. Und klar. Das Volk bezahlt dafür, wenn Andere sich bereichern. Wie immer bei der SVP.
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Ökonometriker
29.03.2026 10:44registriert Januar 2017
Die UBS Schweiz sollte abgespaltet werden. Nur sie sollte Staatsgarantie haben. Wenn die UBS dann noch weitere Abenteuer in Asien oder in den USA wagt, soll das ein Problem der Investoren sein (welche dann auch entsprechend verdienen können). Nicht eines der hiesigen Steuerzahler.
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Lohner
29.03.2026 10:42registriert August 2025
Die nächste Krise bei der UBS ist nur eine Frage der Zeit. Gier kennt bei dieser Bank leider keine Grenzen. Frei nach dem Motto: der Krug geht zum Brunnen bis er bricht.
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