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Diese ETFs bringen Stabilität und Wachstum in dein Depot

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Diese ETFs bringen Stabilität und Wachstum in dein Depot

Viele Portfolios stehen derzeit auf Rot. Gerade in solchen Zeiten lohnt sich ein Blick auf Strategien, die Schwankungen reduzieren können, ohne auf langfristiges Wachstum zu verzichten. Zwei ETF-Ansätze rücken dabei besonders in den Fokus: Low Volatility und Multi-Factor. Wie sie funktionieren und wann sie sinnvoll sein können hier.
02.04.2026, 14:0202.04.2026, 14:02
Olga Miler
Olga Miler

Wenn dein Portfolio seit Wochen rot ist, bist du nicht allein. Die Märkte bleiben turbulent. Innert eines Monats hat der S&P 500 rund 6,5 % verloren, Schweizer Aktien (SPI) gaben mit etwa −4,97 % etwas weniger stark nach (Daten investing.com, 30. März 2026).

Gleichzeitig ist die Unsicherheit deutlich gestiegen: Der Volatilitätsindex (VIX) hat innert eines Monats um rund 31 % zugelegt (S&P 500 VIX, Investing.com, 30. März 2026).

Ein Ende dieser Phase ist derzeit nicht in Sicht. Steigende Ölpreise belasten die Konjunkturaussichten, viele Wirtschaftsprognosen wurden nach unten korrigiert. Gleichzeitig rückt die Inflation wieder stärker in den Fokus und mit ihr die Erwartung weiter steigender Zinsen.

Dies alles führt dazu, dass viele Menschen ihre Strategie jetzt hinterfragen. Die Frage, die ich in Webinaren häufig bekomme: Wie strukturiere ich mein Portfolio jetzt so, dass es auch in turbulenten Zeiten funktioniert?

Zwei ETF-Ansätze, die in diesem Kontext zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind Low Volatility ETFs und Multi-Factor ETFs. Solche ETFs zielen mit unterschiedlichen Ansätzen darauf ab, das Verhältnis von Risiko und Rendite zu verbessern und so einen gewissen «Schutz» vor Kursverlusten zu ermöglichen.

Richtig eingesetzt können sie dein Portfolio stabilisieren und gleichzeitig langfristiges Wachstum ermöglichen.

Wie genau das funktioniert, welche Chancen und Risiken solche ETFs bieten und für wen sich welche Strategie eignet, findest du hier.

Was sind Smart-Beta-Strategien?

Beide ETF-Arten, Low Volatility und Multi-Factor ETFs, gehören zu den sogenannten Smart-Beta-Strategien. Doch was steckt dahinter? Hier kurz im Erklärmodus:

Klassische ETFs bilden meist bekannte Indizes wie den S&P 500 oder den MSCI World ab. Die darin enthaltenen Unternehmen werden in der Regel nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet, also nach ihrem Börsenwert. Je grösser ein Unternehmen, desto höher sein Anteil im Index.

Smart-Beta-Strategien verfolgen einen anderen Ansatz. Sie investieren weiterhin regelbasiert und systematisch, gewichten Aktien aber nicht nur nach Grösse, sondern nach bestimmten Kriterien. Diese Kriterien basieren auf sogenannten Faktoren, Eigenschaften von Aktien, die in der Finanzforschung seit Jahrzehnten untersucht werden und historisch mit höheren oder stabileren Renditen verbunden sind.

Zu den wichtigsten Faktoren gehören z.B.:

  • Value: Günstig bewertete Unternehmen
  • Quality: Finanziell stabile Firmen
  • Momentum: Aktien mit starkem Aufwärtstrend
  • Low volatility: Aktien mit geringen Kursschwankungen.

Der Vorteil dieser Ansätze liegt darin, dass nicht allein die Grösse eines Unternehmens die Gewichtung bestimmt. Ein Smart-Beta-ETF kann dadurch eine andere Struktur aufweisen als klassische Indizes und zusätzliche Eigenschaften im Portfolio abbilden, wie etwa geringere Schwankungen oder eine gezielte Ausrichtung auf bestimmte Renditetreiber.

Mit Smart Beta entscheidest du dich also bewusst für eine bestimmte Gewichtung und Strategie.

Was du dabei beachten solltest:
Smart Beta ist kein Garant für bessere Renditen. Folgendes solltest du im Blick behalten:

  • Faktoren funktionieren nicht immer gleichzeitig: Je nach Marktphase können einzelne Strategien über längere Zeit hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben.
  • Unterperformance ist möglich: Es kann Jahre geben, in denen klassische, marktkapitalisierte Indizes besser abschneiden.
  • Methoden unterscheiden sich je nach Anbieter: Die Konstruktion der Indizes kann stark variieren und damit auch das Risiko- und Renditeprofil.

Low Volatility ETFs: Weniger Verlieren als Ziel

Low-Volatility-ETFs verfolgen das Ziel, Schwankungen zu reduzieren und damit Verluste zu begrenzen.

Sie investieren gezielt in Aktien, die historisch geringere Kursschwankungen aufweisen als der Gesamtmarkt.

Dabei können sie nach unterschiedlichen Methoden konstruiert sein:

  • Auswahl von Unternehmen mit niedriger historischer Volatilität. Häufig wird die Schwankung über einen Zeitraum von etwa zwölf Monaten gemessen. Typische Branchen sind Versorger, Basiskonsumgüter oder Gesundheitsunternehmen, Sektoren mit stabilen Cashflows und geringerer Konjunkturabhängigkeit.
  • Optimierte Gewichtung von Aktien mit geringer Volatilität. Hier wird zusätzlich analysiert, wie stark einzelne Titel miteinander korrelieren. Ziel ist es, ein Portfolio zusammenzustellen, dessen Gesamtschwankung möglichst gering ist.

Stabilität hat ihren Preis

Betreffend Rendite zeigen die Daten ein klares Bild:

In Krisenphasen fallen Low-Volatility-ETFs häufig deutlich weniger stark. Berechnungsbeispiele zeigen etwa, dass während der Marktreaktion auf die von Donald Trump angekündigten Strafzölle im vergangenen Jahr ein MSCI-World-ETF rund -20% verlor, während der MSCI World Minimum Volatility Index nur etwa -9,6% nachgab. Der Verlust konnte damit um mehr als 50 % reduziert werden (Quelle: justETF).

In starken Aufwärtsphasen bleiben sie jedoch meist hinter klassischen ETFs zurück. Im Zeitraum vom 30. Dezember 2012 bis 6. Januar 2026 erzielte der MSCI World eine annualisierte Rendite von rund 12,45 %, während der MSCI World Minimum Volatility etwa 9,34 % erreichte (Quelle: justETF).

Low-Volatility-ETF-Beispiele

Typische Low Volatility ETFs sind beispielsweise:

  • Ishares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF
  • Xtrackers MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF
  • Invesco S&P 500 Low Volatility UCITS ETF

Grenzen der Strategie

Low Volatility kann ein nützliches Instrument sein, ist aber, wie oft beim Investieren, kein Allheilmittel:

  • Verluste können reduziert werden, eine Garantie gibt es jedoch nicht. In sehr turbulenten Marktphasen können auch Low Volatility ETFs deutlich nachgeben.
  • Es können Sektorverzerrungen entstehen, da defensive Branchen stärker gewichtet werden.
  • Die Strategie ist teilweise zinsabhängig, da defensive Sektoren wie Versorger empfindlich auf steigende Zinsen reagieren können.
  • Die Auswahl basiert auf historischen Daten, die Vergangenheit ist kein sicherer Indikator für die Zukunft.

Multi-Factor ETFs setzen auf Diversifikation

Während Low Volatility oft auf einen einzelnen Faktor fokussiert ist, verfolgen Multi-Factor ETFs einen breiteren Ansatz. Sie kombinieren mehrere Renditetreiber gleichzeitig, etwa Value, Momentum, Quality etc.

Das Ziel ist dabei nicht primär Stabilität, sondern robustere risikoadjustierte Renditen über verschiedene Marktphasen hinweg, da jeder der Faktoren Vorteile in bestimmten Marktphasen bietet.

Die Herausforderung besteht darin, dass sich diese Marktphasen kaum zuverlässig vorhersagen lassen.

Deshalb kombinieren viele Multi-Factor-ETFs mehrere Faktoren gleichzeitig. Dadurch soll die Abhängigkeit von einzelnen Marktbedingungen reduziert und der Renditeverlauf stabilisiert werden.

Unterschiedliche Ansätze

Multi Factor ETFs unterscheiden sich oft deutlich in ihrer Konstruktion.

Einige Strategien verlangen, dass Unternehmen mehrere Faktoren gleichzeitig erfüllen, etwa Qualität und günstige Bewertung.

Andere Ansätze gewichten verschiedene Faktoren separat innerhalb des Portfolios.

Diese Unterschiede können sich erheblich auf Risiko, Rendite und Sektorverteilung auswirken.

Multifaktor-ETF-Beispiele

Typische Multi-Factor-ETFs sind zum Beispiel:

  • Ishares Edge MSCI World Multifactor UCITS ETF
  • JPMorgan Global Equity Multi-Factor UCITS ETF
  • Goldman Sachs Equity Factor Index World UCITS ETF
  • L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF

Wie du Low-Volatility- und Multi-Factor-ETFs nutzen kannst

Welche Strategie sinnvoll ist, hängt stark von deinem Anlageziel ab.

Low-Volatility-ETFs reduzieren Schwankungen und sollen Verluste begrenzen.

Multi Factor ETFs zielen darauf ab, das Rendite-Risiko-Verhältnis durch Diversifikation über mehrere Faktoren zu verbessern.

Beide Strategien können helfen, ein Portfolio so aufzubauen, dass es nicht nur in guten Zeiten funktioniert, sondern auch dann, wenn Märkte, wie aktuell, unruhig werden.

Sie können besonders sinnvoll sein, wenn:

  • Du möchtest investieren, aber willst starke Kursschwankungen reduzieren
  • Dein Anlagehorizont nicht mehr 10+ Jahre beträgt
  • Du möchtest Kapital anlegen, das du nicht den vollen Marktschwankungen aussetzen willst
  • Du befindest dich bereits in der Entnahmephase, etwa bei Vorsorgegeldern, die du bereits bezogen hast und weiterhin investiert lassen möchtest. Ebenso für Kapital, das für grössere Anschaffungen vorgesehen ist, aber aktuell noch nicht benötigt wird.

Du kannst solche ETFs entweder als Grundbaustein oder als Beimischung einsetzen. Oft werden sie mit einer Gewichtung von etwa 20–40% innerhalb eines Aktienportfolios eingesetzt, wobei dies sehr stark von deiner Strategie, Anlageziel und Risikoprofil abhängt.

Diese Punkte solltest du beachten:

  • Wähle ETFs bewusst je nach deinem Anlageziel, z. B. möglichst Verluste begrenzen Low Volatility, breitere Strategie Multi Factor.
  • Achte auf die Kosten: Viele Low-Volatility- und Multi-Factor-ETFs sind etwas teurer als klassische Index-ETFs.
  • Mache dich mit der Zusammensetzung und Methode vertraut. Vor allem bei Multi-Faktor-ETFs sind die Strategie und Kombination der Faktoren entscheidend für die Ergebnisse.
  • Die Rendite kann insbesondere bei Low Volatility in starken Börsenphasen unter der des Gesamtmarktes liegen.
  • Prüfe mögliche Überschneidungen mit bestehenden ETFs in deinem Portfolio.

Eine magische Kristallkugel hat niemand, aber in unsicheren Zeiten können dir diese ETFs Alternativen bieten, um deine Anlage robuster aufzustellen.

Habt ihr bereits Low Volatility oder Multi Factor ETFs im Portfolio? Oder würdet ihr euch das ins Portfolio holen? 💸

Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Danach gründete sie den unabhängigen Finanzbilder SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen anbietet. Seit fünf Jahren schreibt Miler den Blog «MoneyTalks», jüngst erschien ihr erstes Buch «Rich, Richer...Me!», ein humoristischer Finanzratgeber, im Beobachter Verlag.
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Bild: Evelyn Harlacher
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