Wirtschaft
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grafik: melanie gath

Wie die Bevölkerung die Wirtschaft einschätzt

Optimisten vs. Pessimisten – oder die neuen Gräben in der Welt

Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Menschen in das globale Wirtschaftssystem erschüttert. Eine Studie zeigt, in welchen Regionen der Welt die wirtschaftliche Zufriedenheit am Tiefpunkt angelangt ist – und wo die Menschen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. 



Melanie Gath
Melanie Gath

Redaktorin

Sechs Jahre nach Beginn der Finanzkrise hat sich die Stimmung in den Volkswirtschaften rund um den Globus unterschiedlich entwickelt. In den meisten Ländern ist weiterhin eine grosse Verunsicherung zu spüren, was die wirtschaftliche Zukunft bringt. Vor allem in den Nationen, die am meisten unter der Krise gelitten haben, herrscht grosser Pessimismus. Zu diesem Schluss kommt das US-amerikanische Forschungszentrum Pew, das in 44 Staaten 48'643 Personen danach befragt hat, wie sie die wirtschaftliche Situation ihrer Länder beurteilen. 

Das sagen die Befragten

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Bei den Industrienationen stechen vor allem die europäischen Krisenstaaten ins Auge, die das Vertrauen der Bevölkerung nahezu komplett verloren haben. In Griechenland sagten lediglich 2 Prozent, dass die Wirtschaft auf gutem Weg ist. Und nur gerade mal 3 Prozent der befragten Italiener fühlen sich wirtschaftlich auf Rosen gebettet, dicht gefolgt von Spanien und Frankreich mit 8 Prozent beziehungsweise 12 Prozent

In Deutschland hingegen sprechen satte 85 Prozent der Befragten von wirtschaftlicher Zufriedenheit (siehe Grafik).

Wirtschaftliche Zufriedenheit in  Prozent

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Smartphone-Nutzer klicken hier, um die Grafik zu vergrössern.

Preise, Job, Arm, Reich, Staatsverschuldung

Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind mannigfaltig – aber wo drückt der Schuh am meisten? Die grösste Angst der Bevölkerung in den Krisenstaaten Griechenland, Italien und Spanien ist, den Job zu verlieren. Aber auch die gestiegenen Preise oder die Schere zwischen Arm und Reich beschäftigen die Menschen. Dementsprechend sagen 98 Prozent der Griechen, dass ihnen die schlechten Jobaussichten Sorgen bereiten, und für 79 Prozent der Italiener sind Staatsschulden ein grosses Problem.

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Lesebeispiel: 89% der Griechen glauben, dass die Jobaussichten schlecht sind. Bei den Deutschen sind es lediglich 24%.

Optimisten versus Pessimisten

Nach dem Freudenfest die Katerstimmung: Wir reden hier von Brasilien, dem grössten und wirtschaftlich potentesten Land Südamerikas. Zu den grössten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen Arm und Reich. Die wirtschaftliche Zufriedenheit nahm zwischen 2013 und 2014 um 27 Prozentpunkte ab. Gegenwärtig hat auch der nördliche Nachbar, Venezuela, wenig zu lachen. Das politische und wirtschaftliche Umfeld ist desolat. Die wirtschaftliche Zufriedenheit nahm um 15 Prozentpunkte ab.

Neben den Staaten, deren wirtschaftliches Klima sich aus Sicht der Bevölkerung verdüstert hat, gibt es aber Regionen, die optimistischer in die Zukunft blicken. Beispielsweise Grossbritannien, Pakistan, Uganda oder Israel. Währen in Grossbritannien 2013 lediglich 15 Prozent der Befragten guter Dinge waren, sind es 2014 bereits 43 Prozent. Und auch die Pakistani blicken positiver in die Zukunft als 2013.

So hat sich die wirtschaftliche Stimmung verändert

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Lesebeispiel: In Deutschland blicken 85% der Befragten positiv in die Zukunft – 10% mehr als noch 2013. Wohingegen die Stimmung in Brasilien um 27 Prozentpunkte abgenommen hat. 

Wie weiter?

Die Aussichten sind allgemein wenig erbaulich, schenkt man Marc Faber Glauben. In einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» sagte der Börsenexperte und Fondmanager: «Ich gehe davon aus, dass sich die Weltwirtschaft in den nächsten sechs bis zwölf Monaten entgegen allen Erwartungen abschwächen wird. Europa wächst grundsätzlich nicht, und in den Schwellenländern findet eine deutliche Verlangsamung statt.»

«Ich gehe davon aus, dass sich die Weltwirtschaft in den nächsten sechs bis zwölf Monaten entgegen allen Erwartungen abschwächen wird.»

Marc Faber, Börsenguru

Sein Pessimismus spiegelt sich auch im Befinden der Griechen, Franzosen und Italiener wieder: 53 Prozent der Hellenen glauben, dass sich die wirtschaftliche Situation in ihrem Land verschlechtern wird, 48 Prozent der Franzosen sehen dies gleich, ebenso 36 Prozent der befragten Italiener. Damit sind die Griechen sogar noch pessimistischer als die Libanesen mit 46 Prozent oder die Argentinier mit 37 Prozent.

Immer noch optimistisch ist die chinesische Bevölkerung eingestellt: 80 Prozent der Befragten glauben, dass sich die wirtschaftliche Situation verbessern wird. 77 Prozent sind es derweil in Peru. Bei den Entwicklungsländern schwingen die Senegalesen oben aus mit 73 Prozent, dicht gefolgt von Bangladesch und Tansania mit 66,  beziehungsweise 60 Prozent, die den Glauben daran haben, dass ihr Land wirtschaftlich zulegen wird.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Middleway 14.09.2014 22:06
    Highlight Highlight Glauben nun 89% oder 98% der griechen, dass sie schlechte jobaussichten haben?
  • Zeit_Genosse 12.09.2014 10:26
    Highlight Highlight Was wir medial aufgetischt erhalten ist, Krieg, Terror, Krankheit, Staatsverschuldung, Jobverlust/Arbeitslosigkeit, Unfälle, Krisen in allen Facetten, sexuelle Ausschweifungen, Überfremdung, Betrug, Korruption und Angst. Da erstaunt es mich nicht. Der Mensch ist das was er den ganzen Tag denkt! Und denken tut er was er an Reizen von aussen erhält. Wir sehen, was uns alles passieren kann und dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Angst zu verlieren (auf hohem Niveau) führt zu ängstlichen Vermeidungsstrategien (Pessimismus, Regulatorien, Gesetze, Einschränkungen, lieber nichts, statt falsches tun). Wir orientieren uns an den Risiken, dabei hatten wir noch nie so viele Chancen. Der Mensch ist ein irrationales Wesen, das sich ständig im Umfeld vergleicht, unangenehmem aus dem Weg geht und das Angenehme anstrebt. Fehlt das Angenehme, dann bleibt nur noch die Vermeidung von unangenehmem, was uns nicht optimistisch, froh, zuversichtlich, risikobereit, begeisterungsfähig, usw. macht. Unsere Welt ist aber nicht so schlecht wie sie dargestellt wird. Daher bleibe ich realistischer Optimist mit Hang zum Optimisten.
  • Romeo 12.09.2014 09:49
    Highlight Highlight Danke Watson. Jeder ist für sein Glück selber verantwortlich, oder ist es als Einzelperson in einem Land nicht möglich oder sehr schwierig und man deprimiert sich deshalb? Sind die Entwicklungsländer zufriedener / glücklicher, weil sie den gemeinsamen Nenner: Armut haben?

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