Wie Trump seinen eigenen Boom vermasselt
Selbst die Gegner des US-Präsidenten rechneten bis vor kurzem noch damit, dass es Trump gelingen wird, im laufenden Jahr einen wirtschaftlichen Boom auszulösen. So erklärte beispielsweise Daleep Singh, wirtschaftlicher Berater von Joe Biden, in einem Interview mit watson:
Dank des Kriegs muss derzeit niemand mehr Angst haben, dass das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft zu kräftig ausfallen wird. Doch die Angst vor steigender Inflation bleibt. Schuld daran ist nicht die Tatsache, dass die Amerikaner zu viel konsumieren, sondern dass die Preise wegen des neuen Öl-Schocks in die Höhe schnellen. Gemäss Experten hat dieser Schock bereits historische Ausmasse angenommen.
Und das wiederum hat weit reichende Konsequenzen: Die Notenbank (Fed) wird die Leitzinsen nicht senken können, ja möglicherweise gar anheben müssen. Dafür wird sich die «Erschwinglichkeit»-Krise verschärfen, denn steigende Ölpreise haben die unangenehme Eigenschaft, sich in fast alle Bereichen der Wirtschaft auszubreiten. Nicht nur der Benzinpreis steigt, sondern – weil Lebensmittel transportiert werden müssen —, auch die Nahrungsmittel. Teurere Düngemittel verschärfen diese Tendenz. Dazu kommt, dass auch die an der Hypotheken-Front die Lage angespannt bleibt, weil die Fed die erwarteten Zinssenkungen nicht vornehmen kann. Darunter leiden Hausbesitzer und Mieter gleichermassen.
Tom Porcelli, Chefökonom der Well Fargo Bank, fasst in der «New York Times» das Ergebnis wie folgt zusammen: «Alle haben sich von der Fiskalpolitik Rückenwind erhofft. Sollten der Ölpreis länger auf diesem Niveau bleiben, wird dieser Rückenwind jetzt aber ausbleiben. Das ist sehr schade, denn ich war überzeugt, dass vieles stimmte, um den Konsum anzukurbeln.»
«Nur keine Panik», wird man an dieser Stelle anführen. Schliesslich hat sich der Mini-Crash vom 2. April 2025, als Trump seine reziproken Zölle verkündete, rasch wieder in Luft aufgelöst. Ja die Aktienmärkte sind gar von einem Rekord zum nächsten geeilt und die Zinsen für die Staatsanleihen sind wieder auf ein erträgliches Mass gesunken.
Wer diesmal hofft, gemäss der Buy-the-Dip-Strategie ein Schnäppchen zu machen, dem droht ein böses Erwachen. Andy Haldane, der ehemalige Chefökonom der Bank of England, stellt in der «Financial Times» fest:
Wenn es im Iran-Krieg überhaupt einen Gewinner gibt, dann heisst er China. Ende Monat wird Staatspräsident Xi Jinping wird seinen amerikanischen Amtskollegen gelassen empfangen können. Er besitzt gute Karten. Angst, dass ihm das Öl ausgehen wird, braucht er nicht zu haben. Seine Reservelager sind prall gefüllt und sein Bro Wladimir Putin wird für Nachschub sorgen.
Trump hingegen hat mit seinem Krieg Xi einen wichtigen Trumpf in die Hände gespielt: die Seltenen Erden. Bekanntlich besitzt China ein De-facto-Monopol auf diese Mineralien, und gerade moderne militärische Güter sind darauf auf Gedeih und Verderben angewiesen. Allein ein F-35-Kampfjet braucht rund 400 Kilo Seltene Erden, aber auch Drohnen und Raketen finden ihre Ziele ohne sie nicht.
Bei steigenden Benzinpreisen werden auch Elektroautos attraktiver, und die Modelle von BYD und Co. verfügen über ein Preis-Leistungs-Verhältnis, mit dem die westliche Konkurrenz nicht mithalten kann.
Trump verschliesst die Augen vor diesen Gefahren. Obwohl wenig dafür spricht, dass sich der Ölpreis bald wieder auf eine Spanne zwischen 60 und 70 Dollar pro Fass einpendeln wird, behauptet er unverdrossen: «Die Inflation sackt ab, die Einkommen steigen, die Wirtschaft brummt und Amerika wird wieder respektiert.»
Immer mehr Ökonomen hingegen sprechen bereits von einer drohenden Stagflation, einer Wirtschaft mit stagniertem Wachstum und steigender Inflation. Andy Haldane drückt dies wie folgt aus:
