Wirtschaft
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Bundesrat will Aktionären die Anonymität nehmen  – Wirtschaft und SVP sind empört

Der Bundesrat schlägt erneut vor, Inhaberaktien die Anonymität zu nehmen. Der Gewerbeverband will weiter für die Inhaberaktie kämpfen.

Fabian Fellmann / ch media



Es sind erst vier Jahre vergangen, seit das Parlament die Transparenzvorschriften für Inhaberaktien verschärft hat. Doch bereits genügt das internationalen Standards nicht mehr. Der Bundesrat hat darum auf Antrag von Finanzminister Ueli Maurer einen neuen Vorschlag präsentiert.

Bei Inhaberaktien dient das Wertpapier als Eigentumsbeleg. Sie erlauben es Aktionären, anonym zu bleiben und Steuern zu hinterziehen. Anders ist es bei den geläufigen Namenaktien, deren Rechte nur mit Eintrag ins Aktionärsbuch gewährt werden.

ARCHIVBILD ZUM ABSTURZ DES SMI UM 1,5 PROZENT, AM DONNERSTAG, 11. OKOTBER 2018 - Ein Bildschirm an der Boerse zeigt den Kursverlauf des SMI in Zuerich, am Freitag, 24. Juni 2016. Der EU-Austritt Grossbritanniens hat am Freitag die Schweizer Boerse auf Talfahrt geschickt. Bis 09.30 Uhr tauchte der Leitindex SMI um 4,75 Prozent auf 7641 Punkte ab. (KEYSTONE/Ennio Leanza)..A screen shows the SMI index at the Swiss Stock Market, in Zurich, Switzerland, Friday, 24 June 2016. Swiss stocks fell sharply and the franc rose in strength as news of Britain’s

Inhaberaktien erlauben es Aktionären, anonym zu bleiben und Steuern zu hinterziehen. Bild: KEYSTONE

Kritik an den Inhaberaktien üben internationale Gremien, etwa das Global Forum zu Transparenz und Informationsaustausch zu Steuerzwecken, ein Teil der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit OECD, hinter dem auch die G20 stehen.

Schon 2005 stellte der Bundesrat die Abschaffung zur Diskussion, vergeblich. 2014 hat die Schweiz unter Druck eine Registrierungspflicht eingeführt – wobei die bürgerlichen Parlamentarier ablehnten oder nur unter Murren zustimmten.

Seither müssen Inhaberaktien nach Erwerb innert Monatsfrist bei der Gesellschaft gemeldet werden. Das Global Forum kritisiert das als zu wenig wirksam. Zu diesem Schluss kam es bei der Länderprüfung 2016, welche die Schweiz noch mit einer genügenden Note abschloss.

Bereits in diesem Jahr beginnt indes die nächste Prüfung. Dafür muss die Schweiz bis Herbst 2019 nachbessern. Sonst riskiert sie laut Bundesrat eine ungenügende Note – und in eine Gruppe mit Ghana, Curaçao und Kasachstan zu geraten: «Dies hätte nicht nur einen beträchtlichen Reputationsschaden zur Folge: Die Schweiz liefe auch Gefahr, von anderen Staaten auf eine Liste nicht kooperierender Staaten gesetzt zu werden.»

Nur noch in zwei Sonderfällen

Ganz abschaffen will die Landesregierung die Inhaberaktien nicht: Das lehnten bürgerliche Parteien und Wirtschaft in der Vernehmlassung strikt ab. Inhaberaktien sind in der Schweiz beliebt, aber rückläufig: 2014 bestand mehr als jede vierte neue Gesellschaft auch aus Inhaberaktien. 2018 entschied sich nur noch jede zehnte Gesellschaft dafür. International sind sie in den meisten Ländern abgeschafft.

Ihre Bedeutung würde mit den Vorschlägen des Bundesrats weiter sinken, denn neu sollen sie nur noch in zwei Fällen zugelassen sein. Einmal bei börsenkotierten Unternehmen, weil dann die Transparenzvorschriften der Börse greifen. Im andern Fall würden Inhaberaktien als Bucheffekten deponiert und in einem Konto eingetragen, wodurch Behörden die wirtschaftlich berechtigte Person ermitteln können.

Die Option ist indes teuer und macht die Inhaberaktien komplizierter. In früheren Botschaften hatte sie der Bundesrat als «faktische Abschaffung» abgelehnt. Dass er sie nun selbst vorschlägt, ist ein Kompromissangebot an die Bürgerlichen. Diese stossen sich aber auch an der Forderung des Global Forum, wonach bei vorsätzlichen Meldeverstössen neu Bussen bis 10'000 Franken verhängt werden können. Die Vorlage wird darum im Parlament viel zu reden geben.

Der Gewerbeverband will weiter für die Inhaberaktie kämpfen. Er schimpft, die Unternehmen hätten die letzte Rechtsrevision von 2014 teuer umgesetzt – umsonst. Ins selbe Horn blies gestern SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi.

Economiesuisse äussert sich vorsichtig: «Der Bundesrat hat einige Kritikpunkte aus der Vernehmlassung berücksichtigt, andere nicht. Jetzt müssen wir das Paket sorgfältig analysieren», sagt Erich Herzog vom Wirtschaftsdachverband. «Im Parlament gibt es sicher noch Korrekturbedarf», so Herzog. Aber auch für Economiesuisse gilt: Der Finanzplatz sei auf die Note «konform» angewiesen. (aargauerzeitung.ch)

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Video: srf/SDA SRF

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46
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46Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • mogad 23.11.2018 12:34
    Highlight Highlight Gut so! Die masslose Gier bekommt Namen. Wer über Leichen geht, um immer noch mehr Geld und Macht zusammenzuraffen soll gefälligst auch öffentlich dazu stehen und sich nicht verstecken. Immerhin, Ihr lieben Raffkes: Das letzte Hemd hat keine Taschen, sagt der Volksmund.
  • Gubbe 23.11.2018 10:55
    Highlight Highlight Wer Aktien hat, ist Mitbesitzer einer Firma. Da sollte der Aktieninhaber benennt werden dürfen. Der eventuelle Gewinn beim Aktienverkauf, muss in der CH nicht versteuert werden. Da ist doch der Haken, nicht beim Namen.
  • Simon Probst 23.11.2018 09:54
    Highlight Highlight Die "Wirtschaft" ist empört, ich find das so lustig.

    Tja liebe Managers, wer nichts zu verbergen hat, hat ja nichts zu befürchten, oder wie ging der?
    • mogad 23.11.2018 12:48
      Highlight Highlight Dass die anonym bleiben wollen, zeigt, dass da noch ein Rest Scham vorhanden ist.
  • Quacksalber 23.11.2018 09:54
    Highlight Highlight Gewerbeverband ist doch nicht gleich Wirtschaft, höchstens ein kleinlicher Teil davon.
    • mogad 23.11.2018 12:52
      Highlight Highlight Das Problem ist, dass der Gewerbeverband nicht die Interessen des Gewerbes vertritt, sondern jene der Globalplayer. Gewerbe ist für mich der Coiffeur, der Bäcker, der Schuhladen, das Flicklädeli, die Kebabbude, die Dorfmetzg, die Putzfirma, die meine Fenster putzt usw.. Alles in meiner Nachbarschaft. Ueber 90% der Arbeitsplätze stellt das Gewerbe. Und das floriert nur wenn wir weiterhin über anständige Löhne und Renten verfügen.
  • Keine grösseren Probleme...? 23.11.2018 09:43
    Highlight Highlight ....wir sind ja alles Aktionäre: Säule 3a, Pensioskasse, AHV, wo ist das Problem. Geldverstecker zeigt euch. Schön wäre, wenn die ganze Welt mitmacht, so dass ich weiss, wie Einzelpersonen zu 3 stöckigen Yachten (teuerste Jacht 1,5 Mill. Dollar), kommen.
    • mogad 23.11.2018 12:57
      Highlight Highlight Wir sind Aktionäre? Die Finanzindustrie will laufend die Mindestverzinsung auf unser Pensionskassengeld kürzen. Sie verlangt, dass die Mindestverzinsung "entpolitisiert" wird, d.h. es gäbe dann keine staatlich verordnete Mindestverzinsung mehr und die Finanzindustrie könnte nach eigenem Gutdünken die Zinsen senken. Kürzlich forderte sie vom Parlament eine Senkung auf 0,75%, was vom Parlament dank der Mitteparteien zum Glück abgeschmettert wurde. Vorläufig zumindest.
  • piedone lo sbirro 23.11.2018 09:24
    Highlight Highlight die sünnelipartei und ihre bürgerlichen steigbügelhalter müssen doch sehen, dass es den armen milliardären nicht noch schlechter geht!

    450 mio. ems-chemie dividenden 2017, zum reduzierten satz besteuert und ohne sozialabgaben erhoben, reichen den blochers nicht - der rachen ist noch nicht vollgestopft.

    die gewinne der ems werden in luxemburg versteuert. statt dem klammen kanton GR auf die sprünge zu helfen, und ihn vom joch des NFA zu befreien, zahlt man die steuern lieber in der EU. die blochers nennen sich dann patrioten, die für eine eigenständige, selbstbestimmende schweiz eintreten...
    • mogad 23.11.2018 13:01
      Highlight Highlight Frau Martullo könnt uns doch im Gegenzug mal berichten, wie viele Lehrlinge sie ausbildet, wie viele zusätzl. Arbeitsplätze sie 2018 geschaffen hat, wieviele EU-Bürger bei ihr werken, wie hoch der tiefste Lohn bei ihr ist, ob's eine Kantine gibt bei der EMS und was das Essen kostet usw.. Wär doch mal ein Kontrastprogramm zum Dividendentalk.
  • Raphael Conca 23.11.2018 08:32
    Highlight Highlight Das wäre ja mal positives!
  • Hellrodder 23.11.2018 08:00
    Highlight Highlight Ich warte schon auf die begründung, warum dies anonym bleiben muss. Wahrscheinlich sind dann arbeitsplätze gefährdet😝
  • Menel 23.11.2018 07:16
    Highlight Highlight Lustig, dass die Bürgerlichen, die, welche sich dafür aussprechen, dass Sozialhilfeempfänger ausspioniert werden dürfen (weil sie die Staatskasse belasten) nun gegen die Transparenz bei Aktienbesitzern sind, die mit Steuerhinterziehung dieselbe Kasse belasten. 🤦🏻‍♀️
    • Benji Spike Bodmer 23.11.2018 08:08
      Highlight Highlight .
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    • Bibilieli 23.11.2018 08:52
      Highlight Highlight Lustig ist auch, dass die Linken, die sich dafür aussprechen, dass Sozialhilfeempfänger nicht ausspioniert werden dürfen (obwohl sie die Staatskasse belasten) nun für die Transparenz bei Aktienbesitzern sind, weil diese mit Steuerhinterziehung dieselbe Kasse belasten :)
    • Politikinteressierter 23.11.2018 09:38
      Highlight Highlight Hast du überhaupt den ganzen Text gelesen oder nur kurz einen Kommentar verfasst um Herze einzustreichen??

      Die Identität muss spätestens 1 Monat nach Erwerb der Firma gemeldet werden.

    Weitere Antworten anzeigen
  • Yolo 23.11.2018 07:16
    Highlight Highlight Die SVP hatte schon immer ein Herz für Steuerbetrüger.
    • Ökonometriker 23.11.2018 07:33
      Highlight Highlight @Yolo: wer heute Steuern sparen will hat legal eine Stiftung in Liechtenstein, Schweden oder so. Kaum eine Westler verhält sich heute noch so offen illegal und hält direkt Aktien, die er nicht angibt. Das wäre ziemlich dumm.
    • mogad 23.11.2018 12:47
      Highlight Highlight Und sie sorgt dafür, dass Steuerbetrug legal wird mittels Steuersenkungen bis zum Nullbetrag für Grossaktionäre und Superreiche. Und dann weg mit dem teuren Sozialstaat. Gebt das frei werdende Geld den ausländischen Grossaktionären. Die leiden wie die Kettenhunde, weil sie immer höhere Renditen fordern und dabei mit bitteren Tränen in den Augen feststellen, dass die Zitronen noch längst nicht ausgepresst sind. Da wäre doch schon in diesem Jahr mehr drin gelegen. Also noch einen drauf gesetzt. Wie siehts eigentlich mit der Schale aus? Da muss doch auch noch was drin sein.
  • Redly 23.11.2018 07:01
    Highlight Highlight Wäre schön, wenn im Sinne der Ausgeglichenheit auch die Argumente der Gegenseite vollständig dargelegt würden. Mir sind diese schleierhaft. Möglicherweise liegt das aber am einseitigen Artikel.
  • Jaklar 23.11.2018 06:59
    Highlight Highlight Wiso sollen einige die möglichkeit haben steuern zu hinterziehen?
    • Dr. oec. 23.11.2018 15:53
      Highlight Highlight Weil die SVP und die Bürgerlichen allgemein das so wollen.
  • Asmodeus 23.11.2018 06:55
    Highlight Highlight SVP und FDP versuchen weiterhin Möglichkeiten der Steuerhinterziehung zu verteidigen.

    Typisch
  • _kokolorix 23.11.2018 06:51
    Highlight Highlight Was für eine Begründung gibt es, dass jemand Aktien besitzen kann ohne das es Andere wissen?
    Steuerhinterziehung? Filettierung von Unternehmen? Ist mir was entgangen?
    • Markus97 23.11.2018 07:00
      Highlight Highlight Reduzierter Verwaltungsaufwand bei Unternehmen welche viele Kleinaktionäre haben.
    • The Destiny // Team Telegram 23.11.2018 07:05
      Highlight Highlight Möchtest du, dass öffentlich bekannt ist dass du Teilhaber der Sex Shop GmbH bist?

      Diese Aktienart gibt es nur für KMU.
    • walsi 23.11.2018 07:05
      Highlight Highlight Privatsphäre. Ich weis im Zeitalter von Facebook und Co. wird da nicht mehr so viel Wert darauf gelegt.
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