Wirtschaft
Schweiz

Migros verliert bei Bio-Lebensmitteln – Coop und Discounter ziehen davon

ZUR OSTEREIERVERARBEITUNG DES GEFLUEGELHOFS DAETWYLER STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Colored Easter eggs in an egg carton on the poultry farm Daetwyler in Oberwangen ...
Eier sind das beliebteste Bio-Produkt.Bild: KEYSTONE

Migros verliert auch bei Bio-Lebensmitteln – Coop und Discounter ziehen davon

Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln klettert auf einen neuen Rekord. Das zeigen neue Zahlen von Bio Suisse.
01.04.2026, 20:0701.04.2026, 20:07
Pascal Michel / ch media

Im Osternestli liegt oft ein bemaltes Ei in Bio-Qualität. Denn Eier sind das beliebteste Schweizer Bio-Produkt, wie die Organisation Bio Suisse am Mittwoch an ihrer Jahresmedienkonferenz mitteilte. Der Marktanteil liegt hier bei 28 Prozent. «Viele Kunden überzeugt der Geschmack – und dass die Hühner Auslauf und nachhaltiges Futter bekommen», erklärt Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse.

Auch ausserhalb des Osternestlis kann Brändli erfreuliche Zahlen vermelden: Der Umsatz mit biologischen Lebensmitteln stieg 2025 um 2,8 Prozent auf 4,3 Milliarden Franken. Das ist ein neuer Rekordwert und entspricht 468 Franken pro Kopf. Zum Umsatzplus trugen mehr verkaufte Bio-Produkte bei, nicht höhere Preise. Tatsächlich hat der Preiskampf im Handel zuletzt auch die Preise im Bio-Regal gedrückt. Neben den Eiern sind Gemüse, Salate oder Kartoffeln gefragt.

Migros Flughafen, ZURICH, SWITZERLAND - CIRCA OCTOBER, 2018: entrance to Migros supermarket in Zurich International Airport. Migros is Switzerlands largest retail company
Bei der Migros brachen die Verkäufe von Bio-Produkten um 2 Prozent ein.Bild: www.imago-images.de

Discounter mit starkem Wachstum

Treiber des Bio-Booms sind nach wie vor die beiden Detailhandelsriesen Migros und Coop. Sie stemmen einen Grossteil des Umsatzes. Deutlich zulegen konnte letztes Jahr Coop. Der Händler machte rund 4 Prozent mehr Bio-Umsatz. Ganz anders die Migros, die ihr Supermarktgeschäft neu aufgestellt hat: Die Verkäufe brachen dort um 2 Prozent ein.

Das dürfte einerseits damit zu tun haben, dass die Migros einige Dutzend Bio-Produkte neu auch in ihrer Tiefpreislinie aufgenommen hat. Andererseits konnte die Migros nicht alle bio-affinen Kunden halten. Sie wechselten zu den Discountern. Lidl etwa verkündete jüngst einen Umsatzzuwachs von 11 Prozent. Derzeit strafft die Migros ihr Sortiment und versucht, auch bei den Bio-Produkten im Supermarkt wieder mehr Übersicht zu schaffen.

Rolf Bernhard ist überzeugt, dass dies bald wieder Wachstum bringen wird. Er ist Co-Geschäftsführer von Bio Suisse. «Wir konnten der Migros bereits aufzeigen, wo wir aktuell Sortimentslücken sehen.» Zu tief in die Details möchte Bernhard nicht gehen, nennt aber zwei Bereiche mit Potenzial: Bio-Brot und Bio-Käse.

«Wir konnten der Migros bereits aufzeigen, wo wir aktuell Sortimentslücken sehen.»
Co-Geschäftsführer von Bio Suisse Rolf Bernhard

Längerfristig möchte die Organisation den Bio-Anteil am hiesigen Lebensmittelmarkt von aktuell 12,3 auf 15 Prozent steigern. Das ist ambitioniert, ist die Schweiz doch bereits mit dem aktuellen Wert Weltspitze. Dafür braucht es laut der Organisation weiter das Engagement der beiden Platzhirsche Migros und Coop. «Sie sind der Bio-Motor der Schweiz», sagt Brändli. Gleichzeitig erkennt Bio Suisse neue Geschäftsfelder: etwa  in den Bereichen Gastronomie oder Convenience. Für letztere kämen etwa Bahnhöfe infrage, wo sich Reisende aktuell kaum mit Bio-Essen verpflegen können.

Um weiterzuwachsen, müssen die Bio-Lobbyisten letztlich neue Kundschaft erschliessen. «20 Prozent der Leute konsumieren bewusst, 20 Prozent ist es egal, was sie essen. Und dazwischen ist die ambivalente Masse, die wir abholen möchten», sagte Brändli.

Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli.
Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli.Bild: Peter Schneider / Keystone

Das bleibt eine Herausforderung. Regelmässig zeigen Studien, dass der hohe Bio-Zuschlag beim Preis für Konsumenten die grösste Hürde ist, zuzugreifen. Deshalb will Brändli vermehrt den Mehrwert von Bio erklären, also den positiven Effekt auf Gesundheit, Biodiversität oder Bodenfruchtbarkeit. «Bio ist kein Aufpreis, sondern eine Investition», heisst das dann im Marketing-Jargon.

Potenzial in Restaurants und an Bahnhöfen

Was gut tönt, lässt sich nicht so einfach in Marktanteile ummünzen. Denn aktuell stehen die Zeichen eher wieder auf Preiserhöhungen. Der Iran-Krieg könnte die Inflation auch hierzulande in die Höhe treiben. Und das könnte neue Bio-Kunden abschrecken.

Ein Mitarbeiter von Coop verlaedt Gueter in der Verteilzentrale Schafisheim in einen Eisenbahn-Container, am Freitag, 7. November 2025 in Schafisheim. Coop beliefert neu auch ueber 70 Verkaufsstellen  ...
Ein Mitarbeiter von Coop verlaedt Gueter in der Verteilzentrale Schafisheim in einen Eisenbahn-Container.Bild: keystone

Das passierte bereits nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Die Inflation zog an – und viele Konsumenten schauten die Preise im Regal wieder genauer an. Im Jahr 2022 musste Bio Suisse deshalb einen Umsatzrückgang vermelden. In den Folgejahren ging es dann wieder aufwärts. Doch im Markt fand eine sichtbare Flurbereinigung statt: Das Reformhaus musste Konkurs anmelden. Und die Migros schloss die Läden der deutschen Bio-Kette Alnatura.

Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli bleibt optimistisch, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt. Den Einbruch vor vier Jahren erklärt er auch damit, dass man nach der Pandemie mit einer Korrektur habe rechnen müssen. Gleichzeitig zieht Brändli, der seit 15 Jahren als Präsident amtet, einige Gelassenheit aus seiner Erfahrung: «Wir wurden immer mal wieder nervös, konnten aber feststellen: Längerfristig konnten wir trotz Krieg und Krisen immer zulegen.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese 10 Probleme kennen wir alle beim Einkaufen
1 / 15
Diese 10 Probleme kennen wir alle beim Einkaufen
Was du einkaufen möchtest.
quelle: watson
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Stichprobe: Einzelne Banane bei Coop fast doppelt so teuer
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
42 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
dega
01.04.2026 20:11registriert Mai 2021
Da hat wohl McKinsey zu viel "verbessert".... Selber Schuld, wer sich diese Bude ins Haus holt, hat es nicht anders verdient.
656
Melden
Zum Kommentar
avatar
future--?
01.04.2026 20:14registriert November 2023
oh.. die McKinsey Strategie geht ja voll auf!
545
Melden
Zum Kommentar
avatar
Christian Mueller (1)
01.04.2026 20:15registriert Januar 2016
in unserer Migros hat es plötzlich kaum mehr Bio-Schweinefleisch. Dann kaufe ich lieber gar kein Fleisch. Die Migros hat ihr Bio-Sortiment verkleinert und meint, es werde mehr gekauft...
434
Melden
Zum Kommentar
42
Bürokratie frisst ärztliche Behandlungszeit
Drucken, unterschreiben, scannen, mailen: Ein grosser Teil ärztlicher Arbeitszeit fliesst in Bürokratie statt in Behandlungen. Das zeigt eine Umfrage der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGAIM), an der über 1800 Fachpersonen teilnahmen.
Zur Story