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Argentinische Fans beim Public Viewing in Porto Alegre.
Bild: AP/AP
Fussball und Wirtschaft

Argentinien muss gegen die Schweiz verlieren – sonst droht der Bankrott

Die argentinische Fussball-Nationalmannschaft sollte im WM-Achtelfinal gegen die Schweiz ausscheiden – nicht aus sportlichen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen. Ihre Fans geben in Brasilien zu viel Geld aus.
28.06.2014, 06:5329.06.2014, 08:55

Am Dienstag trifft die Schweiz im Achtelfinal der Fussball-WM auf Argentinien. Nach dem 3:0 gegen Honduras rechnet sich die Hitzfeld-Truppe in São Paulo einige Chancen aus, doch die Südamerikaner um Superstar Lionel Messi sind der klare Favorit. Trotzdem könnte sogar der eine oder andere Argentinier heimlich darauf hoffen, dass die kleine Schweiz die Sensation schafft.

Grund sind die vielen Fans, die ins benachbarte Brasilien reisen, um ihre Lieblinge anzufeuern. Mehr als 100'000 Argentinier überfluteten beim letzten Gruppenspiel gegen Nigeria die Stadt Porto Alegre, die nicht allzu weit von der Grenze entfernt liegt. Nur knapp jeder Fünfte hatte ein Ticket fürs Stadion, die meisten verfolgten das Spiel und den 3:2-Sieg im Public Viewing.

Folgen des Staatsbankrotts 2001

An sich ist eine solche Begeisterung positiv, für den argentinischen Staat aber ist sie ruinös. Die Fans reisen wegen des schwachen heimischen Peso mit US-Dollars ins Ausland. Luis Secco, Direktor des Forschungsinstituts Perspectivas Económicas in Buenos Aires, rechnete gegenüber der Agentur Bloomberg vor, dass sie in Brasilien rund 200 Millionen Dollar ausgeben werden. Und das war vor der WM. Mit dem Grossandrang dürfte eher noch mehr Geld abfliessen.

Auf den ersten Blick sind 200 Millionen nicht viel, vor allem für ein derart grosses Land. Doch der Gauchostaat steckt in einer schwierigen Lage. 2001 rasselte er in den Staatsbankrott, seither kann Argentinien auf den internationalen Kapitalmärkten kein Geld mehr aufnehmen. Das Land ist abhängig von den Devisenreserven der Zentralbank. Diese betragen derzeit rund 28 Milliarden Dollar. Eigentlich eine stattliche Summe, denkt sich der wirtschaftliche Laie.

Protest in Buenos Aires gegen die amerikanischen «Geier».
Bild: AFP

Doch Argentinien steckt in der Klemme. Nach der Staatspleite 2001 konnte die Regierung mit zahlreichen Gläubigern eine Umschuldung aushandeln. Zwei amerikanische Hedgefonds weigerten sich jedoch und verlangten die vollständige Auszahlung ihrer Guthaben von rund 1,3 Milliarden Dollar. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten gab ihnen kürzlich in einem aufsehenerregenden Entscheid recht und verurteilte den argentinischen Staat zur Zahlung bis zum 30. Juni.

Seither herrscht in Argentinien blanke Wut über die «Geier», wie die US-Hedgefonds genannt werden. Doch die Lage ist prekär, denn bis Montag müsste die Regierung auch 900 Millionen Dollar an die übrigen Gläubiger überweisen. Das US-Urteil hat ihr dies verboten. Nun suchen Präsidentin Cristina Kirchner und Finanzminister Axel Kicillof hektisch eine einvernehmliche Lösung mit den klagenden Fonds, denn sonst droht die nächste Pleite.

Chaotische Wirtschaftspolitik

Als Folge davon konnten andere Investoren ebenfalls ihre Forderungen geltend machen. In Buenos Aires geht man gemäss BBC davon aus, dass dies rund 15 Milliarden Dollar kosten könnte. In dieser Situation könnte tatsächlich jeder Dollar, den Fussballfans in Brasilien ausgeben, einer zu viel sein. Experten allerdings orten den Hauptgrund für Argentiniens anhaltende Finanzprobleme in der chaotischen Wirtschaftspolitik der linkspopulistischen Präsidentin.

Cristina Kirchner.
Bild: EPA

In den letzten Jahren erlebte Argentinien einen Wirtschaftsboom, vor allem dank dem Export von landwirtschaftlichen Produkten wie Soja und Rindfleisch. Doch damit ist es vorbei, im ersten Quartal 2014 sank die Wirtschaft in die Rezession. Die Inflation betrug in den letzten sieben Jahren 20 bis 30 Prozent. Um die Flucht in den Dollar zu unterbinden, reguliert die Regierung den Wechselkurs des Peso. Gleichzeitig verfügte sie Einschränkungen für das Onlineshopping im Ausland, und auf Zahlungen mit Kreditkarte erhebt sie eine saftige Steuer von 35 Prozent.

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Wen wundert es, dass das Vertrauen des Auslands in die argentinische Wirtschaftspolitik auf einem Tiefpunkt ist. In solchen Situationen wirken sportliche Erfolge wie Balsam. Deshalb werden am Dienstag erneut Tausende Argentinier nach São Paulo jetten. Auch Cristina Kirchner wird nicht der Schweiz die Daumen drücken, obwohl ihr verstorbener Ehemann und Amtsvorgänger Néstor Kirchner von Schweizer Einwanderern abstammt. Sondern Messi und Co.

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