Wissen

Der «kleine Unterschied» zwischen Männern und Frauen existiert nicht im Gehirn

Hirnforschung

Der «kleine Unterschied» zwischen Männern und Frauen existiert nicht im Gehirn

18.09.2014, 17:2019.09.2014, 09:56
Bild
Bild: Shutterstock

Frauen können schlecht einparken und Männer nicht zuhören – und der Grund dafür sind ihre unterschiedlichen Gehirne, lautet ein gängiges Vorurteil. Dieser «kleine neuronale Unterschied» ist jedoch reine Fiktion, schliessen Zürcher Forscher aus einer neuen Studie. Nicht einmal die Gehirngrösse unterscheidet sich wirklich zwischen den Geschlechtern.

Forscher um Lutz Jäncke von der Universität Zürich haben die Gehirne von 856 männlichen und weiblichen geistig fitten Probanden im Alter von 18 bis 95 Jahren mittels bildgebender Verfahren untersucht, wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte. Dabei wurde das Gesamthirnvolumen und das Volumen verschiedener Gehirnareale aus 3D-Daten berechnet.

Für den Vergleich der Daten haben die Forscher die gemessenen Werte zunächst im Hinblick auf das totale Gehirnvolumen statistisch korrigiert. Denn jede fünfte Frau hat ein Gehirn, das so gross ist wie das durchschnittliche Männerhirn, und umgekehrt hat jeder fünfte Mann ein Gehirn, das so klein ist wie das durchschnittliche Frauenhirn, erklärt Jäncke.

Gesamtgrösse spielt Rolle

Der verbleibende Volumenunterschied war eher marginal, bilanziert der Neuropsychologe: Er liegt im Bereich von 0,5 bis 2 Prozent der statistisch erklärten Variabilität. Das bedeutet, dass das Gesamthirnvolumen einen viel grösseren Einfluss auf individuelle Unterschiede hat als das Geschlecht, wie die Autoren im Fachjournal «Human Brain Mapping» schreiben.

Mit Klugheit oder Intelligenz hat die Gehirngrösse sowieso nichts zu tun, betont Jäncke. Fest steht, dass Nervenimpulse in grossen Gehirnen grössere Strecken zurücklegen müssen. Dazu muss die «Verkabelung» ausgebaut werden, also die weisse Substanz.

Bei kleinen Hirnen sind die Wege kürzer und die graue Substanz, also die Nervenzellen, hat einen grösseren Anteil. Mit dem Geschlecht habe dieser Unterschied – soweit man das heute weiss – aber nichts zu tun, sagte Jäncke. Man wisse auch nicht, ob er sich auf Verhalten und Denken auswirkt. 

(sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die Schweiz hat Juden nicht die Goldzähne herausgerissen – aber da war was mit Raubgold
Der deutsche Aktivist Marcant hat in einem Disput mit einem Teilnehmer an einer AfD-Demo behauptet, die Schweiz habe im Zweiten Weltkrieg verfolgten Juden die Goldzähne herausgerissen, ihnen ihre Sachen abgenommen und sie ins KZ geschickt. Das stimmt so nicht – wir ordnen ein.
Sein Gesicht kennen viele, seinen wahren Namen nur wenige: Der junge Deutsche, der rechtspopulistische und rechtsextreme Kundgebungen besucht, dort mit Demonstranten diskutiert – oder es zumindest versucht – und die Videos dieser Begegnungen in den sozialen Medien veröffentlicht, ist unter dem Pseudonym Marcant bekannt. Sein Youtube-Kanal verzeichnet Millionen von Aufrufen, aber neben zahlreichen Fans hat der mehr als zwei Meter grosse Marcant auch viele Feinde, die ihn mit Schmähungen und Drohungen überhäufen. Die rechtsextreme Szene hat ihn auf ihre Feindeslisten gesetzt.
Zur Story