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Hirnforschung

Der «kleine Unterschied» zwischen Männern und Frauen existiert nicht im Gehirn



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Bild: Shutterstock

Frauen können schlecht einparken und Männer nicht zuhören – und der Grund dafür sind ihre unterschiedlichen Gehirne, lautet ein gängiges Vorurteil. Dieser «kleine neuronale Unterschied» ist jedoch reine Fiktion, schliessen Zürcher Forscher aus einer neuen Studie. Nicht einmal die Gehirngrösse unterscheidet sich wirklich zwischen den Geschlechtern.

Forscher um Lutz Jäncke von der Universität Zürich haben die Gehirne von 856 männlichen und weiblichen geistig fitten Probanden im Alter von 18 bis 95 Jahren mittels bildgebender Verfahren untersucht, wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte. Dabei wurde das Gesamthirnvolumen und das Volumen verschiedener Gehirnareale aus 3D-Daten berechnet.

Für den Vergleich der Daten haben die Forscher die gemessenen Werte zunächst im Hinblick auf das totale Gehirnvolumen statistisch korrigiert. Denn jede fünfte Frau hat ein Gehirn, das so gross ist wie das durchschnittliche Männerhirn, und umgekehrt hat jeder fünfte Mann ein Gehirn, das so klein ist wie das durchschnittliche Frauenhirn, erklärt Jäncke.

Gesamtgrösse spielt Rolle

Der verbleibende Volumenunterschied war eher marginal, bilanziert der Neuropsychologe: Er liegt im Bereich von 0,5 bis 2 Prozent der statistisch erklärten Variabilität. Das bedeutet, dass das Gesamthirnvolumen einen viel grösseren Einfluss auf individuelle Unterschiede hat als das Geschlecht, wie die Autoren im Fachjournal «Human Brain Mapping» schreiben.

Mit Klugheit oder Intelligenz hat die Gehirngrösse sowieso nichts zu tun, betont Jäncke. Fest steht, dass Nervenimpulse in grossen Gehirnen grössere Strecken zurücklegen müssen. Dazu muss die «Verkabelung» ausgebaut werden, also die weisse Substanz.

Bei kleinen Hirnen sind die Wege kürzer und die graue Substanz, also die Nervenzellen, hat einen grösseren Anteil. Mit dem Geschlecht habe dieser Unterschied – soweit man das heute weiss – aber nichts zu tun, sagte Jäncke. Man wisse auch nicht, ob er sich auf Verhalten und Denken auswirkt. 

(sda)

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