Wissen

Neue Ohren aus dem 3D-Drucker – Schweizer Forscher schaffen das

Empa druckt Ohr-Implantat mit 3D-Drucker: mpa-Forscher Michael Hausmann nutzt Nanocellulose als Basis für neuartige Implantate.
Empa druckt Ohr-Implantat mit 3D-Drucker: Empa-Forscher Michael Hausmann nutzt Nanocellulose als Basis für neuartige Implantate..Bild: Empa

Neue Ohren aus dem 3D-Drucker – Schweizer Forscher schaffen das

15.01.2019, 13:4515.01.2019, 15:25

Empa-Forscher stellen mittels 3D-Druck Strukturen aus Nanozellulose her, in denen Knorpelzellen zum Beispiel zu Ohrmuscheln heranwachsen können. Ziel ist es, biomedizinische Implantate zu erzeugen, die Menschen mit Knorpelerkrankungen helfen.

Wer durch Unfall oder Krankheit eine Ohrmuschel verloren hat, könnte künftig möglicherweise auf einen Ersatz aus körpereigenen Zellen zurückgreifen. In der Kulturschale liessen sich Knorpelzellen zu einer neuen Ohrmuschel heranzüchten, so die Vision. Die Zellen brauchen dafür aber ein Gerüst, um in der richtigen Form zu wachsen.

Druckprozess optimieren

An der Forschungsanstalt Empa arbeiten Wissenschaftler an solchen Gerüsten aus einem vielversprechenden Material: aus Holz gewonnener Nanocellulose. Diesem Material wollen sie zusätzliche Eigenschaften verleihen, um biomedizinische Implantate zu entwickeln.

Empa druckt Ohr-Implantat mit 3D-Drucker: Mit dem Bioplotter lässt sich das zähflüssige Nanocellulose-Hydrogel zu komplexen Formen ausdrucken.
Empa druckt Ohr-Implantat mit 3D-Drucker: Mit dem Bioplotter lässt sich das zähflüssige Nanocellulose-Hydrogel zu komplexen Formen ausdrucken.Bild: Empa

«Nanocellulose lässt sich in zähflüssiger Form hervorragend mit dem Bioplotter zu komplexen räumlichen Formen gestalten», erklärte Michael Hausmann von der Empa gemäss einer Mitteilung der Forschungsanstalt vom Dienstag. Ist die Struktur aus Nanocellulose und einem zusätzlichen Biopolymer ausgehärtet, bleibt sie stabil, auch wenn sie zart wirkt. Hausmann untersucht im Zuge eines Forschungsprojekts die Eigenschaften dieses Nanocellulose-Hydrogels und versucht, Stabilität und Druckprozess weiter zu optimieren.

Auch Knieknorpel möglich

In solchen Grundgerüsten sollen künftig körpereigene Knorpelzellen mithilfe von Wirkstoffen dazu gebracht werden, zum Beispiel eine neue Ohrmuschel zu bilden. Solche biomedizinischen Implantate könnten zum Beispiel Kindern mit einer angeborenen Ohrmuschelfehlbildung helfen. Auch ein Ersatz-Kniegelenksknorpel könnte sich so herstellen lassen, schrieb die Empa. Wie sich Knorpelzellen am besten in dem Nanocellulose-Gerüst kultivieren lassen, wird derzeit erforscht.

Das Nanocellulose-Hydrogel lasse sich je nach gewünschtem Endprodukt gestalten und auch mit Wirkstoffen bestücken, hiess es weiter. Nach Einpflanzen des Implantats werde ein Teil des Implantats biologisch abgebaut. Die Nanocellulose löst sich hingegen nicht auf, ist jedoch biokompatibel, also gut verträglich. (whr/sda)

Ein Baukasten-Smartphone für sechs Milliarden Menschen

1 / 8
Ein Baukasten-Smartphone für sechs Milliarden Menschen
Projekt-Ara von Motorola: ein Chassis, viele Komponenten.
Auf Facebook teilenAuf X teilen

ETH gelingt Weltpremiere: Herz aus dem 3D-Drucker

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen
Archäologen finden in Basel einzigartige mittelalterliche Heizung
Archäologen haben in Basel bei Umbauarbeiten eine fast vollständig erhaltene Warmluftheizung aus dem Mittelalter entdeckt. Der Fund auf dem Areal des ehemaligen Klosters Gnadental gilt als schweizweit einzigartig.
Die Heizungsanlage kam im Innenhof der früheren Gewerbeschule am Petersgraben 52 zum Vorschein, wie die Archäologische Bodenforschung des Präsidialdepartements am Mittwoch mitteilte. Sie befand sich unter den Mauern und Mörtelböden des ehemaligen mittelalterlichen Frauenklosters Gnadental und beheizte vermutlich den Speiseraum der Gemeinschaft.
Zur Story