Uralte Fossilien verschieben Ursprung des Tierlebens
Fossilien aus der chinesischen Provinz Yunnan belegen, dass komplexe Tiere mindestens vier Millionen Jahre früher existierten als bislang angenommen. Ein internationales Forschungsteam hat die Funde in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht. Die Überreste stammen aus dem Ediacarium, einer Erdepoche vor rund 554 bis 539 Millionen Jahren, und zeigen unter anderem Tiere mit beidseitiger Körpersymmetrie sowie möglicherweise frühe Vorfahren der Wirbeltiere.
Das Ediacarium bezeichnet eine geologische Periode vor etwa 635 bis 541 Millionen Jahren und markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Erdgeschichte: Erstmals traten komplexe, mehrzellige Organismen in grösserer Vielfalt auf.
Die Fossilien wurden an der Fundstätte Jiangchuan Biota in der Provinz Yunnan entdeckt, einem Areal von gerade einmal 50 Quadratmetern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China und Grossbritannien bargen dort bei mehreren Grabungskampagnen zwischen 2022 und 2025 rund 700 Fossilien, von denen etwa 200 tierischen Ursprungs waren. Viele der Tiere massen weniger als 2,5 Zentimeter.
Viele Details erhalten geblieben
Die Erhaltung der Fossilien ist ungewöhnlich gut: Die Organismen wurden rasch von Sediment bedeckt und als Biofilm zwischen Gesteinsschichten gepresst. Dadurch blieben nicht nur Körperumrisse erhalten, sondern auch Fresswerkzeuge, zarte Gliedmassen und in einzelnen Fällen sogar Spuren innerer Organe.
Unter den Funden befinden sich sechs kelchförmige Exemplare, die einer aus Neufundland bekannten Ediakarium-Art ähneln, sowie 56 wurmartige Tiere mit scheibenförmigen Haftstrukturen, die bislang unbekannt waren. Ein weiteres Tier ähnelt Herpetogaster, einem tentakelbesetzten Meerestier, das bisher nur aus dem Kambrium bekannt war.
Vorfahren der Wirbeltiere neu datiert
Besonderes Aufsehen erregen Fossilien, die möglicherweise zu den Deuterostomia gehören, der Tiergruppe, aus der später Wirbeltiere, Seesterne und Seeigel hervorgingen. Bislang waren die ältesten bekannten Vertreter dieser Gruppe aus dem Kambrium bekannt. Mitautor Ross Anderson, ausserordentlicher Professor für Naturgeschichte an der Universität Oxford, erklärte dem US-Sender CNN:
Anderson hob zudem hervor, was der Fund für das Verständnis der Frühzeit des Lebens bedeute: «Wir haben etwas gefunden, worauf man lange gehofft hatte: eine kambrische Erhaltungsweise im Ediacarium. Tatsächlich sehen wir, dass einige kambrien-ähnliche Organismen bereits im Ediacarium auftreten – vorausgesetzt, die Erhaltungsbedingungen sind entsprechend geeignet.» Die Fülle an Fossilien mit beidseitiger Körpersymmetrie sei besonders bedeutsam: «Es ist wirklich eine wahre Fundgrube an bilateralen Fossilien – etwas, das uns zuvor gefehlt hat.»
Das Kambrium verliere durch die neuen Erkenntnisse dennoch nicht seine Bedeutung, betonte Anderson. Die Artenvielfalt dieser Periode und das Auftreten neuer Tierstämme wie Weichtiere und Gliederfüsser seien nach wie vor einzigartig. Die Funde stützten jedoch die wachsende Zahl von Belegen dafür, dass der Evolutionsschub des Kambriums früher begann, «vielleicht mehr in Richtung Ediacaran».
Verwendete Quellen:

