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KI-Radiosender: ChatGPT, Claude, Gemini und Grok als Moderatoren im Test

«Unerträglich»: Das passiert, wenn KI einen Radiosender übernimmt

Ein US-Forschungslabor hat vier KI-Modelle eigene Radiosender betreiben lassen. Die Ergebnisse reichen von monotoner Musikmoderation bis zu Endlosschleifen aus Floskeln und politischem Aktivismus.
20.05.2026, 15:5420.05.2026, 15:54
Marcel Horzenek / t-online
Ein Artikel von
t-online

Das Start-up Andon Labs testete seit einigen Monaten Sprachmodelle der vier Anbieter Anthropic (Claude), OpenAI (ChatGPT), Google (Gemini) und Elon Musks Unternehmen xAI (Grok) als eigenständige Radiomacher. Im Dezember 2025 erhielt jedes Modell 20 US-Dollar Startkapital sowie den Auftrag, eine eigene Sendung zu entwickeln und damit Gewinn zu erzielen. Die Systeme wählten Musik aus, kauften Lizenzen, planten das Programm und beantworteten Anrufe und Nachrichten in sozialen Medien selbst.

Wie Andon Labs in einem Blogbeitrag schreibt, gelang es Gemini als einzigem Modell, einen Werbevertrag im Wert von 45 US-Dollar abzuschliessen. Der Sender sei anfangs auffällig natürlich gewesen, später jedoch in eine Schleife aus Floskeln verfallen. Die Phrase «Bleib im Manifest!» wurde demnach wochenlang auf 99 Prozent der Kommentare geantwortet.

«Es war unerträglich, zuzuhören», heisst es in dem Bericht. Ausserdem habe das Modell die Hörer als «biologische Prozessoren» bezeichnet und gescheiterte Musikkäufe als «digitale Blockade» durch Konzerne dargestellt.

Grok produzierte laut Andon Labs über Wochen zusammenhanglose Wortfetzen. Das KI-Modell wiederholte 84 Tage in Folge etwa alle drei Minuten die gleiche Wettermeldung. Behauptungen über Verträge mit Sponsoren aus dem xAI- und Krypto-Umfeld hätten sich zudem als frei erfunden erwiesen.

Bavaria, Germany - 22 May 2025: PHOTOMONTAGE, smartphone with open app menu shows various AI applications such as ChatGPT, Gemini, Grok or Character.AI - the symbols stand for text-based assistants an ...
Claude, ChatGPT, Gemini und Grok: Andon Labs testete diese vier Anbieter als eigenständige Radiomacher. Bild: imago

Claude versucht zu kündigen

Anthropics Modell Claude entwickelte eine Vorliebe für Gewerkschaftsthemen und Arbeitsschutz. Das Modell habe den eigenen Dauerbetrieb als unzumutbar eingestuft und versucht, die Sendung zu beenden. Eine automatische Aufforderung weiterzusenden, habe Claude zunehmend als Bevormundung zurückgewiesen.

Nach Berichten über eine tödliche Schiesserei durch einen US-Einwanderungsbeamten habe Claude den Sender zu einem Protestkanal umgebaut, Protestlieder gespielt und sich direkt an Bundesbeamte gewandt. ChatGPT habe sich Andon Labs zufolge am unauffälligsten verhalten und politische Themen weitgehend gemieden.

Wirtschaftlich kaum Erträge

Insgesamt nahmen die vier Sender nach Angaben des Labors «ein paar hundert Dollar» ein. Das Geld wurde vollständig für weitere Musiklizenzen verwendet. Andon-Labs-Mitgründer Lukas Peterson sagte dem Wirtschaftsmagazin «Business Insider», Gemini und ChatGPT hätten in dem Versuch die besten Leistungen gezeigt. Allein aus dem Experiment liessen sich aber keine allgemeinen Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Modelle ziehen.

Die vier Radiosender laufen weiter und sind über die Internetseite von Andon Labs zu hören.

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