Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04869825 An undated handout image provided by the Austrian National Library (Oesterreichische Nationalbibliothek, ONB) on 02 August 2015 of the farewell letter written by Baroness Mary Vetsera to her mother, part of a collection of letters written by the 17-year-old baroness to her mother, brother and sister that were stashed inside a bank vault in Vienna, Austria since 1926. The letters have been discovered by bank employees in a leather-bound folder containing personal documents of the Vetsera family during clearing out works of the archives. Mary Vetsera famously committed suicide with her lover, the 30-year-old Crown Prince Rudolf of Austria in 1889.  EPA/AUSTRIAN NATIONAL LIBRARY (ÖNB) / HANDOUT ATTENTION EDITORS: WE EXPRESSLY POINT OUT THAT,  DUE TO LEGAL REASONS, THIS IMAGE MAY ONLY BE USED IN CONNECTION WITH THE PURPOSE CITED - MANDATORY CREDIT - HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

«Verzeih mir was ich gethan»: Abschiedsbrief an die Mutter. Bild: EPA/APA

«Weine nicht um mich, ich gehe fidel hinüber»: Abschiedsbriefe von Kronprinz Rudolfs Todesgefährtin Mary entdeckt

Ein Doppelselbstmord erschütterte 1889 die Doppelmonarchie: Im Jagdschloss von Mayerling erschoss der österreichische Thronfolger Rudolf – Kaiserin Sisis einziger Sohn – seine Geliebte Mary und sich selbst. Nun sind Marys Abschiedsbriefe in einem Banksafe aufgetaucht.



«Liebe Mutter – Verzeih mir was ich gethan. – Ich konnte der Liebe nicht wiederstehen. In Übereinstimmung mit Ihm will ich neben Ihm im Friedhof von Alland begraben sein. – Ich bin glücklicher im Tod als im Leben. Deine Mary»

Mary Vetseras Abschiedsbrief (in Originalrechtschreibung) an ihre Mutter Österreichische Nationalbibliothek

Mary – das war der Rufname der Diplomatentochter Marie Alexandrine Freiin von Vetsera. Die 17-Jährige schrieb ihrer Mutter Helene diesen Abschiedsbrief, bevor sie in der Nacht auf den 30. Januar 1889 in den Tod ging. Die Baroness starb an einem Schuss in die Schläfe; abgedrückt hatte Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn, der sich in derselben Nacht im kaiserlichen Jagdschloss von Mayerling ebenfalls tötete. Beide machten in mehreren Abschiedsbriefen klar, dass sie freiwillig aus dem Leben geschieden waren.

Seit 1927 im Banksafe

Die Briefe, die Mary an Mutter, Schwester und Bruder geschrieben hatte, waren aus Abschriften der Mutter im Wortlaut bereits bekannt. Bisher nahm man aber an, die Originale seien nach dem Tod der Mutter vernichtet worden. Doch nun sind die Schriftstücke bei einer Archivrevision in einem Safe der Wiener Privatbank Schoellerbank entdeckt worden. Der Ledereinband mit Dokumenten der Familie Vetsera befand sich seit 1926 in dem Schliessfach.

epa04869826 An undated handout image provided by the Austrian National Library (Oesterreichische Nationalbibliothek, ONB) on 02 August 2015 of a portrait of Baroness Mary Vetsera. A collection of letters written by the 17-year-old baroness to her mother, brother and sister that were stashed inside a bank vault in Vienna, Austria since 1926 have been discovered by bank employees in a leather-bound folder containing personal documents of the Vetsera family during clearing out works of the archives. Mary Vetsera famously committed suicide with her lover, the 30-year-old Crown Prince Rudolf of Austria in 1889.  EPA/AUSTRIAN NATIONAL LIBRARY (ÖNB) / HANDOUT ATTENTION EDITORS: WE EXPRESSLY POINT OUT THAT,  DUE TO LEGAL REASONS, THIS IMAGE MAY ONLY BE USED IN CONNECTION WITH THE PURPOSE CITED - MANDATORY CREDIT - HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

«Ich bin glücklicher im Tod als im Leben»: Diplomatentochter Mary Vetsera. Bild: EPA/APA

epa01458866 An undated handout of a photograph entitled 'Kronprinz Rudolf in Husarenuniform' (literally: 'Crown Prince Rudolf in hussar's uniform'), made available on 20 August 2008 by the Bundesmobilienverwaltung MD, shows Crown Prince Rudolf of Austria (1858 - 1889). The photograph is one of the exhibits on display at the special exhibition 'Kronprinz Rudolf - Lebensspuren' (literally: 'Crown Prince Rudolf - life traces') at the furniture museum 'Homobiliendepot' in Vienna, Austria, held from 21 August 2008 to 30 January 2009 on the occasion of Crown Prince Rudolf's 150th anniversary.  EPA/BUNDESMOBILIENVERWALTUNG MD / HO  EDITORIAL USE ONLY IN CONNECTION WITH A REWIEV OF THE EXHIBITION AND COPYRIGHT MENTIONED ABOVE

Prostituierte und Prinzessinnen teilten sein Bett: Rudolf, Kronprinz von Österreich und Ungarn. Bild: EPA

Peinlicher Skandal

Der Doppelselbstmord des verheirateten Thronfolgers und seiner blutjungen Geliebten brachte den kaiserlichen Hof in Wien in arge Verlegenheit. Kaiser Franz Joseph I. und seine Gattin Elisabeth («Sisi») versuchten, den peinlichen Skandal um ihren einzigen Sohn zu vertuschen. Rudolf sei an einem Herzschlag gestorben, lautete die offizielle Version zunächst.

Kaiserliches Jagdschloss Mayerling

Der Tatort: Das kaiserliche Jagdschloss in Mayerling im Wienerwald. Bild: Wikipedia

«Meine liebe Hanna – Wenige Stunden vor meinen Tod will ich dir adieu sagen. Wir gehen beide selig in dass ungewisse Jenseits. Denk hie und da an mich. Sei glücklich, und heirathe nur aus Liebe. Ich konnte es nicht thun und da ich der Liebe nicht wiederstehen konnte so gehe ich mit Ihm. Deine Mary
P.S. (...) Meinen Schmuck vertheile ungefähr so wie du es am besten findest. – Weine nicht um mich ich gehe fidel hinüber.»

Mary Vetseras Abschiedsbrief an ihre Schwester Österreichische Nationalbibliothek

Als sich nicht mehr verheimlichen liess, dass Mary neben Rudolf in Mayerling gestorben war, wurde ihr die Schuld zugeschoben. Sie habe dem verzweifelten Kronprinzen die Idee des Doppelselbstmords in den Kopf gesetzt, hiess es. Die Wiener Hofärzte attestierten dem toten Erzherzog, den sie obduziert hatten, «geistige Verwirrung». Nur so war noch eine kirchliche Bestattung möglich.

Die Vernebelungstaktik war insofern erfolgreich, als Gerüchte die Wahrheit in den Hintergrund drängten. Noch die letzte österreichische Kaiserin, Zita, beharrte zeitlebens darauf, Rudolf und Mary seien «politischen Meuchelmördern zum Opfer gefallen».

Zahllose Frauenaffären

In Wahrheit hatte der hochbegabte, aber depressive Thronfolger ein höchst promiskuitives Sexualleben geführt. Er liess sich mit zahlreichen, möglichst jungen Frauen ein – Schauspielerinnen, Prostituierte und Prinzessinnen teilten sein Bett. Auch nach seiner Hochzeit mit der jungen belgischen Prinzessin Stephanie im Mai 1881 hörte sein Frauenkonsum nicht auf. Die Ehe war unglücklich, über ihre Hochzeitsnacht notierte Stephanie: «Welche Qualen, welches Entsetzen – ich dachte, ich würde an meiner Desillusionierung sterben.»

«Mein lieber Feri – Leider konnte ich Dich nicht mehr sehen. Leb wohl, ich werde von der – anderen Welt über Dich wachen weil ich Dich sehr lieb habe. – Deine treue Schwester Mary»

Mary Vetseras Abschiedsbrief an ihren Bruder Österreichische Nationalbibliothek

Rudolf, seit 1883 Vater eines Mädchens, hegte liberale politische Ansichten, die von seinem konservativen Vater misstrauisch beäugt wurden. Je länger je mehr stellte ihn Franz Joseph I. politisch kalt. Genährt von der Frustration über seine politische Machtlosigkeit verstärkte sich Rudolfs depressive Stimmung. Der Thronfolger, der schon als Neunjähriger sein erstes Testament verfasst hatte und mittlerweile an Syphilis litt, sprach immer öfter von Selbstmord.

Gesucht: Eine Gefährtin im Tod

Allein wollte Rudolf aber nicht sterben. Zuerst trat er mit seinem morbiden Ansinnen an seine Geliebte Mizzi Kaspar heran. Kaspar, die ihren Lebensunterhalt als «Edelhure» bestritt, wollte allerdings nichts davon wissen. Sie starb erst 1907, fast auf den Tag genau 18 Jahre nach Rudolf.

Erfolg hatte Rudolf dann aber bei Mary Vetsera, die er im November 1888 kennenlernte. Die blutjunge Baroness «mit dem kecken Stumpfnäschen» verliebte sich sofort in den moribunden Kronprinzen – und liess sich von diesem zum gemeinsamen Suizid überreden.

abspielen

«Mayerling: Kronprinz Rudolfs letzte Liebe» (1956). YouTube/veertje

Tod in Sarajevo: Erzherzog Franz Ferdinand

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Das könnte dich auch interessieren:

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus …

Artikel lesen
Link zum Artikel