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Schweizer Forscher beweisen definitiv: Kiffen kann schizophren machen



Kiffen erhöht tatsächlich das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken. Eine internationale Studie mit Beteiligung von Lausanner Forschern weist einen ursächlichen Zusammenhang nach.

Epidemiologische Daten aus über 40 Jahren haben bereits stark darauf hingewiesen, dass ein Zusammenhang zwischen Cannabis und dem Schizophrenierisiko besteht – auch abhängig von der Dosis. Aber bisher konnte keine Studie nachweisen, dass Kiffen direkt für das Auftreten der Krankheit verantwortlich war.

Dies ist nun aber mit einer neuen Untersuchung gelungen, an der das Universitätsspital Lausanne (CHUV) beteiligt war. Die Studie basiert auf einer Methode, die als «Mendelsche Randomisierung» bezeichnet wird. Damit lässt sich der Einfluss eines Risikofaktors – in diesem Fall Cannabiskonsum – auf das Auftreten von Krankheiten – hier Schizophrenie – untersuchen.

epa05731095 (FILE) - The file picture dated 29 February 2016 shows medical cannabis in the Tikun Olam nursery in Birya, outside Safed, northern Israel. The German parliament legalized cannabis for medical purposes on 19 January 2017. From March 2017 on patients who have a doctor's prescription can buy marijuana at pharmacies. The cost will be covered by the German health insurances.  EPA/JIM HOLLANDER

Nicht nur heilbringendes Kraut: Forscher haben einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cannabis und Schizophrenie nachgewiesen. Bild: JIM HOLLANDER/EPA/KEYSTONE

Falsche Rückschlüsse ausgeschlossen

Mit dieser Methode lassen sich falsche Rückschlüsse vermeiden, zum Beispiel, dass die Wirkung fälschlicherweise für die Ursache gehalten wird – in diesem Fall, dass ein erhöhtes Schizophrenierisiko der Grund für stärkeren Cannabiskonsum sein könnte. Der Trick besteht darin, genetische Marker zu verwenden, die statistisch mit dem Risikofaktor (Cannabiskonsum) in starkem Zusammenhang stehen.

Der Vorteil davon ist die Tatsache, dass diese genetischen Marker angeboren und zufällig in der Bevölkerung verteilt sind. Sie seien zudem nicht durch Umweltfaktoren beeinflusst, wie beispielsweise das familiäre Umfeld oder die sozioökonomische Situation, erklärte Studienerstautor Julien Vaucher vom CHUV gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Die Wissenschaftler stützten sich auf Daten aus einer Publikation von 2016, die einen Zusammenhang zwischen bestimmten Genvarianten und dem Cannabiskonsum bei 32'000 Studienteilnehmenden nachgewiesen hat. Die gleichen genetischen Marker wurden anschliessend in einem separaten Datensatz gesucht, der Erbinformation von 34'000 Patienten und 45'000 Gesunden umfasste.

An unnamed worker waters cannabis plants on Steve Dillon's farm in Humboldt County, California, U.S. August 28, 2016.   REUTERS/Rory Carroll/File Photo

In einigen Staaten der USA und auch in Kanada ist die Legalisierung von Cannabis auf dem Vormarsch. Bild: STAFF/REUTERS

Risiko um 37 Prozent erhöht

Durch Kombination dieser Informationen aus zwei separaten Quellen kamen die Forschenden zum Schluss, dass Cannabiskonsum mit einem um 37 Prozent erhöhten Schizophrenierisiko einhergeht. Ähnliche Zahlen hatten auch frühere Beobachtungsstudien ergeben. Darüber hinaus wird der Zusammenhang auch nicht von anderen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel Tabakkonsum.

«Diese robusten Resultate ergänzen die zahlreichen Studien auf diesem Gebiet und zeigen, dass die Verbindung zwischen Cannabiskonsum und einem erhöhten Schizophrenierisiko eine ursächliche ist», betonte Vaucher. Sie seien zudem wichtig für die öffentliche Gesundheit, um über die Risiken des Kiffens zu informieren.

Gerade weil diese Substanz eine Welle der Liberalisierung erlebt und zunehmend auch für therapeutische Zwecke verwendet wird, brauche es ein genaues Verständnis der Wirkmechanismen. Weitere Studien könnten beispielsweise ermöglichen, Warnhinweise für Gruppen mit hohem Risiko für Schizophrenie oder andere Störungen zu formulieren, so der Lausanner Experte.

Einfluss der Dosis nicht untersucht

Die in der Studie verwendete Methode erlaubte allerdings nicht, das Risiko in Abhängigkeit von der konsumierten Menge, der Art von Cannabis, der Art und Weise der Verabreichung oder dem Alter der Konsumierenden zu bestimmen, gab der Forscher zu bedenken.

Cannabis ist die am weitesten verbreitete illegale Droge mit schätzungsweise 182 Millionen Konsumenten im Jahr 2013. Andere Studien hatten bereits eine Beeinträchtigung der Signalübertragung im Nervensystem nachgewiesen, die mit der Entstehung psychotischer Störungen in Verbindung stehen, sowie einen Einfluss auf die Reifung der Hirnrinde bei Jugendlichen.

Ebenfalls zu der neuen Studie beigetragen haben britische und amerikanische Forschergruppen. Die Ergebnisse sind im Fachblatt «Molecular Psychiatry» erschienen.

Willst du noch mehr über Drogen erfahren? Mach unser Quiz dazu:

Quiz
1.Welcher psychoaktive Wirkstoff ist hauptsächlich in Cannabis enthalten?
Bild zur Frage
Hilarium (Hi)
Transhydrocannabivarin (THC)
Tetrahydrocannabinol (THC)
Tricannabidiolamin (TCA)
2.Kokain wurde ursprünglich als Medikament benutzt. Wozu diente es?
Bild zur Frage
Als Lokalanästhetikum
Als Laxativum (Abführmittel)
Als Hämostatikum (zur Blutstillung)
Als Neuroleptikum
3.Alkohol, genauer Ethanol, ist eine Droge, die schon in prähistorischer Zeit konsumiert wurde. Wann und wo wurden aber erstmals destillierte, hochprozentige alkoholische Getränke hergestellt?
Bild zur Frage
Im dritten Jahrhundert vor Christus in Persien
Um Christi Geburt in Korea
Um das Jahr 1000 in der heutigen Türkei
1367 in Cognac, im Südwesten von Frankreich
4.Zauberpilze, auch «Magic Mushrooms» genannt, enthalten den Wirkstoff Psilocybin. Wie nennt der Volksmund die psychoaktiven Pilze in Österreich?
Bild zur Frage
Götterspeis
Lustpilzerl
Narrische Schwammerl
Freudenhüterl
5.Diese Droge ist vor allem in Jemen und Ostafrika weit verbreitet. Die berauschenden Blätter werden stundenlang gekaut; sie wirken belebend und betäuben das Hungergefühl. Wie heisst die Droge?
Bild zur Frage
Ketamin
Coca
Spice
Khat
6.Opium wird aus dem getrockneten Milchsaft der unreifen Samenkapseln des Schlafmohns gewonnen. Welcher dieser Wirkstoffe ist NICHT im Opium enthalten?
Bild zur Frage
Morphin
Codein
Thebain
Cannabigerol
7.Nikotin ist der Wirkstoff des Tabaks. Aus welchem Grund produziert die Tabakpflanze Nikotin?
Bild zur Frage
Um Fressfeinde mit dem Gift abzuwehren.
Um die Photosynthese katalytisch zu verstärken.
Um Insekten, besonders die Rauchwespe (Vespula fumans), zur Bestäubung anzulocken.
Um die Fäulnisresistenz in feuchtem Milieu zu verstärken.
8.Bevor Heroin aufgrund seines enormen Suchtpotentials verboten wurde, wurde es als Heilmittel vermarktet. Wofür?
Bild zur Frage
Als Schmerz- und Hustenmittel
Als Potenzmittel
Als Abführmittel
Als Appetitförderer
9.LSD (Lysergsäurediethylamid) bildet beim Konsum eine Toleranz aus – innerhalb einer bestimmten Zeit verliert die Droge bei wiederholter Einnahme einen grossen Teil ihrer Wirkung. Wie lange hält diese Toleranz an?
Bild zur Frage
Drei bis vier Tage
Ein bis zwei Wochen
Zwei bis drei Monate
Etwa ein Jahr
10.Crystal Meth oder N-Methylamphetamin macht extrem schnell süchtig. Bei längerem Konsum drohen körperliche Auswirkungen. Welche Schädigung ist KEINE Folge von Crystal-Meth-Konsum?
Bild zur Frage
Hautreizungen
Zahnausfall
Muskelschwund
Muskelkrämpfe

Passend dazu: Die Chronologie der Schweizer Drogenpolitik

1 / 31
Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)
quelle: keystone / michele limina
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(leo/sda)

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