Pariser Angreifer war Doktorand an der Universität in Metz

07.06.17, 06:04

Nach der Hammer-Attacke eines Mannes auf einen Polizisten vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame berät am Mittwoch das französische Sicherheitskabinett. Bei der Attacke war ein Polizist verletzt worden. Der Angreifer wurde angeschossen.

Das französische Sicherheitskabinett wird über eine geplante Verlängerung des Ausnahmezustandes im Land bis Anfang November beraten. Doch auch der Angriff auf dem Vorplatz von Notre-Dame dürfte ein Thema sein.

Unklar ist nach wie vor, ob es sich bei dem festgenommenen Verdächtigen um einen - möglicherweise verwirrten - Einzeltäter handelt oder um einen von Hintermännern unterstützten Extremisten.

Der Mann hatte sich am Dienstagnachmittag einer Polizeipatrouille genähert, mit einem Hammer auf den Beamten eingeschlagen und dabei geschrien: «Das ist für Syrien». Ein weiterer Polizist eröffnete daraufhin das Feuer und stoppte ihn. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Der verletzte Angreifer, dessen Gesundheitszustand unbekannt ist, habe sich als «Soldat des Kalifats» bezeichnet, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise - diesen Begriff benutzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für ihr Herrschaftsgebiet.

Bislang liegt allerdings keine Bekennernachricht des IS oder anderer Terrororganisationen vor. Auch wurden zunächst keine weiteren Festnahmen bekannt.

Solidarität mit den Sicherheitskräften

Staatspräsident Emmanuel Macron erklärte nach dem neuerlichen Zwischenfall seine Solidarität mit den Sicherheitskräften: «All meine Unterstützung (gilt) den Sicherheitskräften, die jeden Tag ihr Leben für unsere Sicherheit riskieren», schrieb er in der Nacht zum Mittwoch auf Twitter. «Wir wissen, was wir ihnen schulden.»

Frankreich war in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Mehrfach standen dabei Sicherheitskräfte im Visier.

Doktorand an der Universität in Metz

Ermittlerkreisen zufolge handelt es sich bei dem Angreifer um einen aus Algerien stammenden 40-jährigen Doktoranden der Informationswissenschaft an der Universität Lorraine in Metz in der ostfranzösischen Region Lothringen. Der Mann habe Ausweispapiere bei sich getragen, die ihn als Farid I. ausgaben. Geboren wurde er demnach im Januar 1977 in Algerien.

Universitätspräsident Pierre Mutzenhardt sagte einem örtlichen Radiosender, der Mann habe keine Auffälligkeiten gezeigt. Sein Doktorvater Arnaud Mercier sagte im französischen Fernsehen, der Student habe «nach aussen hin keine übermässige Anhängerschaft zum Islam gezeigt».

«Als ich ihn kannte, hatte er eine prowestliche, prodemokratische Anschauung», sagte Mercier dem Sender BFMTV. Seit November habe er allerdings nichts mehr von ihm gehört. Dies habe ihn stutzig gemacht.

Terrorserie

Frankreich wird seit rund zweieinhalb Jahren von einer beispiellosen Terrorserie erschüttert, knapp 240 Menschen wurden bei Anschlägen ermordet.

Sicherheitskräfte waren in Frankreich mehrfach Ziel von Anschlägen. Mitte April war ein Polizist auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées von einem Gewalttäter erschossen worden.

In Frankreich gilt weiter der Ausnahmezustand, der nach den Anschlägen vom 13. November 2015 verhängt worden war. Der Ausnahmezustand soll nach Plänen der Regierung bis Anfang November 2017 verlängert werden. Die Lage ist zur Zeit wegen der ersten Runde der Parlamentswahl am Sonntag besonders angespannt. (sda/reu/afp/dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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