Musik

Musiker Biggles über seinen Brotjob bei watson: «Da siehst du Leute, die noch schlechter dran sind als du»  

04.05.15, 08:17 04.05.15, 12:09

Ich treffe Biggles an seinem Arbeitsplatz. Nein, der Singer-Songwriter verdient sein Geld nicht nur mit seiner Musik, sondern auch als Grafiker. Er sitzt an einem schmucklosen Tisch in einem Grossraumbüro, in dem alle emsig, gescheit und wichtig tun. 

Typisch Medien-Branche! Sven Rüf selbst ist aber die Ruhe in Person – eigentlich wie jeden Tag, wenn er bei einem ominösen Online-Portal namens watson seinen Dienst antritt. Im Gespräch ist der 41-Jährige, dessen neue LP «Orange Wedge» just herausgekommen ist, vollkommen locker – wie soll er auch anders, wenn er von einem Kollegen interviewt wird.

Vom Besuch extrem überrascht: Biggles aka Kollege Sven Rüf. bild: watson

Hallo! Könntest du als Erstes bitte in wenigen Worten beschreiben, wer du bist, was du machst und warum man dich kennen sollte?
(Aufgestellt) Jo, ich bin der Biggles, mache eigentlich Singer-Songwriter-Musik. Solche Bezeichnungen sind ja immer Habakuck, aber ich spiele hauptsächlich akustischen Pop-Rock. Mit Folk-Anleihen – und auch mal psychedelischem Shit. Auf der Bühne kommt eine Band dazu.

Welchen deiner Songs würdest du jemandem zeigen, der wissen will, was du für Musik machst?
(Bestimmt) Von der neuen Platte ist es das dritte Lied: «Bring On the Twilight». Haben wir ein Soundcloud-Widget?

Klar haben wir das. 
(Eifrig) Am 20. April ist ausserdem das Video zu «Penguin Bonaparte» herausgekommen. Das können wir auch einbinden. Es geht um Werner Herzogs depressiven Pinguin vom Südpol.

Werner Herzog erforscht am Südpol, was Pinguine für Persönlichkeitsstörungen haben können. video: youtube/futile1981's channel

Kein Werner Herzog: Biggles Song «Penguin Bonaparte». video: youtube/boggo da muse

Welches Lied von einem anderen Künstler hättest du am liebsten selbst geschrieben?
(Ausholend) Da gibt es Tausende ...

Jetzt aber bitte nur eins, ja?
(Abwehrend) Jaja, es ist halt schwierig ... «Life on Mars?» von David Bowie.

Manche schauen sich Katzenvideos in Endlosschleife im Web an, wenn sie traurig sind. Was machst du?
(Emotional) Katzenvideos finde ich sehr gut. Ich war zuerst skeptisch, aber inzwischen finde ich sie grossartig. Wenn es musikalisch drunter und drüber geht, schaue ich mir auch «This Is Spinal Tab» an: Da siehst du immer Leute, die noch schlechter dran sind als du. 

Das ist doch schon die Überschrift, aber ich münze sie auf watson um.
(Verwirrt) Aha ...

Erzähl uns von deinem grössten Versäumnis.
(Ernst) Mein grösstes Versäumnis ist, dass ich nie Skifahren gelernt habe.

Toll: Das Fragenziehen war ein leichtes Spiel für den walisischen Schweizer. bild: watson

Das war sehr ehrlich von dir!
(Mit Grabesstimme) Das wiegt schwer in der Schweizer Psyche!

Können diese Augen lügen?  bild: watson

Fühlst du dich deshalb manchmal ausgeschlossen?
(Mit einem Hauch Ironie) Ich sitze oft in der Ecke und weine in mich hinein.

Und wer geht dir richtig auf den Sack?
(Lachend) Ich heisse ja Sven, und der Sven Epiney erinnert mich immer daran, dass mein Name ... Naja, dass der Sven Epiney meinen Namen besudelt hat. Das Leben war nicht mehr das gleiche, nachdem ich ihn das erste Mal gesehen hatte. 

Hast du dir schon mal überlegt, einen anderen Namen anzunehmen? Und wenn ja, welcher würde das sein?
(Wie aus der Pistole geschossen) Vanessa.

Vor wem möchtest du nie auftreten?
(Erklärend) Es gibt zwei Gründe, warum man nicht Vorband sein will. Entweder, weil der Musiker so schrecklich ist. DJ Ötzi wäre so ein Fall. Oder, weil jemand so gut ist, dass du dich seiner nicht würdig fühlst. 

David Bowie zum Beispiel.
(Kichernd) Genau. Stell dir mal vor, du würdest dann eine David-Bowie-Coverversion spielen ...

Was beeinflusst dich vor allem?
(Verständnislos) Beim Musikmachen jetzt? 

Svens Fingerzeig. bild: watson

Allgemein!
(Leise) Jesus ... (Lauter) Haben wir eigentlich schon über Jesus geredet?

Du sagst also, du seist grösser als Jesus! Körperlich grösser? Oder blasphemisch grösser?
(Abwehrend) Nein, nein! Also, was hat mich beeinflusst? Ich glaube, zuletzt war es der Winter. Der ist scheisse gewesen. Ich war so froh, als wir endlich wieder schönes Wetter hatten.

Sind deine Wintersongs trauriger?
(Normal) Ja, das kann man so sagen.

Welche Situationen überfordern dich masslos?
Ich werde immer ganz hässig, wenn ich an der Bar nicht in der richtigen Reihenfolge bedient werde, das überfordert mich masslos und beleidigt meinen Gerechtigkeitssinn. Ich bin dann auch schon einfach gegangen. (Lacht) Denen habe ich's gezeigt, das machen die nicht nochmal!!! (Grunzt) Hooaaaarrr, da werde ich gleich wieder hässig!

Schaust du dein Publikum an, wenn du auf der Bühne stehst? Sprich: Schaust du einzelne Besucher direkt an?
(Belehrend) Ja, klar. Man sieht die vorne natürlich besser als die hinten. Deshalb lohnt es sich immer, nach vorne zu kommen. (Zwinkernd) Ich bin natürlich immer am Auschecken.

Plattentaufe «Orange Wedge»

Das neue Biggles-Album «Orange Wedge» feiert am 7. Mai im Zürcher Bogen F seine Weltpremiere. Beginn ist um 21 Uhr.

Was war das Unangenehmste, was dir auf der Bühne passiert ist?
(Ehrlich) Das ist schon lang her: Ein Song mit Samples im Hintergrund kam vom Computer, auf dem aber noch ähnliche Files waren und die wurden abgespielt. Das war dann recht peinlich, aber ich glaub, die Leute haben's noch nicht mal gemerkt.

Wem schreibst du betrunken Nachrichten? Und was steht drin?
(Enthüllend) Ich schicke immer Bilder von Bars, in denen ich gerade bin. Manchmal überschätze ich dann die Situation: Ich denke, die Leute wären neidisch, dabei sind sie einfach nur froh, dass ich woanders bin.

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Was gegen Xavier Naidoo am ESC spricht? Er selbst. In 8 bescheuerten Zitaten

Die ARD will Xavier Naidoo an den Eurovision Song Contest schicken. Dorthin also, wo sich viele Völker und noch mehr Schwule gute Nacht sagen. Das kann nicht gut kommen. Wir raten dringend davon ab. 

«Irgendwelche Tiere oder Ausländer». Womit Tiere und Ausländer ungefähr das Gleiche sind.

Okay, einer lässt sich von der NPD für Auftritte bezahlen und vergleicht sich danach mit Angela Merkel. 

Xavier der Saviour identifiziert sich nun einmal einfach sehr, sehr gern mit dem Sohn Gottes. So wird man Missionar.

Davor war Xavier noch normal. Seither glaubt er alles.

Direkter Draht zu Gott oder was? Wenn sich einer nicht über den Weltuntergang wundert, dann Xavier. Klingt nach Scientology o.ä.

Für …

Artikel lesen