Schweiz

Die Grenzen des Sagbaren seien durch diesen US-Wahlkampf erweitert worden, sagt auch der Historiker Damir Skenderovic. Auch Donald Trump nahm selten ein Blatt vor den Mund.  Bild: ROMAN PILIPEY/EPA/KEYSTONE

Trump dürfte auch den Schweizer Wahlkampf aggressiver machen

Publiziert: 10.11.16, 19:39 Aktualisiert: 11.11.16, 13:09

«Mexikaner sind Vergewaltiger», «Grenzen zu für alle Muslime»: Mit umstrittenen, aggressiven Aussagen hat Donald Trump den US-Wahlkampf geprägt – und damit Erfolg gehabt. Seine Art des Politisierens dürfte auch in der Schweiz die Grenzen des Sagbaren ausdehnen.

«Extremere Aussagen im nächsten nationalen Schweizer Wahlkampf würden mich nicht überraschen», sagt Maximilian Stern, Politologe und Mitgründer des Forums Aussenpolitik (foraus). «Trump hat den Raum nach unten geöffnet.»

Die Grenzen des Sagbaren seien durch diesen US-Wahlkampf erweitert worden, sagt auch der Historiker Damir Skenderovic, der an der Universität Freiburg zum Thema Populismus und Rassismus forscht. Der Populismus werde durch diese Wahl sicherlich verstärkt, und das werde sich auch in der Schweiz manifestieren, sagte er am Donnerstag gegenüber Radio SRF.

«Extremere Aussagen im nächsten nationalen Schweizer Wahlkampf würden mich nicht überraschen.»

Maximilian Stern, Politologe und Mitgründer des Forums Aussenpolitik (foraus)

«Wenn ein Präsident der USA gegen Frauen, gegen Minderheiten, gegen Muslime und Immigranten Wörter der Ausgrenzung brauchen kann, wird der Rahmen erweitert», sagte Skenderovic weiter.

Dieser Rahmen sei aber auch in der Schweiz und Europa in den letzten 20 Jahren nachhaltig erweitert worden. «Vieles, was wir während Trumps Wahlkampf gesehen haben, gleicht dem, was wir in Europa und der Schweiz zum Teil seit den 90er-Jahren beobachten können», sagte Skenderovic.

Feierte Erfolg: Die Abstimmung zum Minarett-Verbot in der Schweiz.  Bild: KEYSTONE

An aggressive Aussagen gewöhnt

Extreme und aggressive Aussagen kenne man in der Schweiz bereits, sagt auch Politologe Stern. Er erinnert etwa an SVP-Politiker Andreas Glarner, der mit einem Stacheldraht Flüchtlinge von dem Land fern halten will; oder an den Erfolg der Minarett-Initiative von SVP-Nationalrat Walter Wobmann.

Diese beiden Politiker machten ebenfalls aggressive Aussagen, ihnen fehle aber der Glamour, der den Immobilienmogul und Milliardär Trump umgebe.

Etwas Glamour bringe allenfalls SVP-Vordenker Christoph Blocher mit, ebenfalls millionenschwer. Dieser habe den politischen Diskurs seit den 1990ern definitiv verändert. «Die Schweizerinnen und Schweizer sind aber bereits daran gewöhnt», meint Stern.

«Der Graben zwischen unseren Milizpolitikern und den Wählern ist hierzulande viel kleiner als in den USA.»

Maximilian Stern

Weniger grosser Graben

Auch der von Trump angeheizte Gegensatz zwischen Volk und Elite werde von Schweizer Politikern gern propagiert. «Das dürfte nach dem US-Wahlkampf wieder stärker aufgenommen werden», sagt Stern.

In der Schweiz empfindet er dieses Argument aber als absurd: «Der Graben zwischen unseren Milizpolitikern und den Wählern ist hierzulande viel kleiner als in den USA.»

Trumps Wahlkampf hätte darum in der Schweiz weniger gut funktioniert, glaubt Stern. Zudem stünden einzelne Personen hier weniger stark im Fokus der Aufmerksamkeit als in den USA.

Nicht zuletzt würden offene Lügen, wie sie Trump immer wieder erzählt hat, in der Schweiz nicht verfangen. Denn die Schweizerinnen und Schweizer stimmten «recht faktenbasiert» ab. Stern verweist dabei auf eine Studie des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag von Radio SRF, die herausfand, dass in der Schweiz selbst bei emotional stark aufgeladenen Vorlagen sachliche Argumente überwiegen.

Trotzdem glaubt der Politologe, dass dank Trumps Wahlkampf extremere Aussagen auch in der Schweiz salonfähig werden. Um dagegenzuhalten, empfiehlt Stern: «Lügen benennen, Fakten aufdecken und gleichzeitig im Aufmerksamkeitszirkus mithalten.» (sda)

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  • Fabio74 11.11.2016 23:19
    Highlight Nun hängen seit Jahren regelmässig schwarz-rot-weisse Nazistyle-Plakate rum. Die sah man früher nur in Ostdeutschland als NPD-Plakate
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  • deleted_457018024 11.11.2016 02:37
    Highlight Die Aussagen von Trump haben wir so ähnlich hier auch schon gehört. Und den Leuten hat es manchmal gefallen.

    Schön wäre, wenn ein freiheitlicher Tenor dem Stimmvolk wieder etwas wert wäre. Für selbsterklärte Patrioten könnte die Verfassung ein Ansatz sein: Da stehen Dinge wie Religionsfreiheit oder Menschenwürde drin.

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  • Dovahkiin 10.11.2016 21:11
    Highlight Die Grenzen der tragbaren Zuwanderung sind meiner Meinung nach auch schon zu lange und zu fest und immer mehr überschritten worden...
    Jegliche Kritik und Aufforderung zur Mässigung wird niedergeschlagen. Der Konsens und der Kompromis wird durch die kollektiven Interessen der Wirtschaft und Links (und der heuchlerischen SVP, die ja auch nur der Wirtschaft dient und nicht tut, was sie sagt) verunmöglicht.
    Logisch wird dann versucht (durch Rassismus) die emotional Steuerung der Abwanderung zu forcieren.
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    • Ichiban 11.11.2016 06:46
      Highlight Ich find es immer wieder erstaunlich wie einfach man rassistische und unmenschliche hetze verteidigen kann. Grundtenor: Es sind wieder die anderen schuld dass man das so macht. Verantwortung für sein Tun übernehmen gibts wohl nicht.
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    • _kokolorix 11.11.2016 22:35
      Highlight Ich finde du machst es dir zu einfach, mit deiner Aussage, dass die Zuwanderung das Hauptproblem ist. In Tat und Wahrheit ist sie das Resultat von ganz anderen Fehlentwicklungen.
      Zuallererst ist zu sagen, dass der Grossteil der Eingewanderten hier die Scheissjobs erledigt, welche kein Schweizer zu so einem Scheisslohn machen würde!
      Überdurchschnittlich viele Einwanderer gründen hier Firmen. Natürlich stellen sie mit Vorliebe Landsleute ein, aber sie zahlen hier auch Steuern, Ahv und Bvg und sorgen für gute Angebote.
      Dagegen benehmen sich schweizer Chefs häufig schäbig
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  • Dovahkiin 10.11.2016 21:11
    Highlight Für die Zuwanderungsfreunde ist jegliche Beschränkung undenkbar. Aus pur emotionalen Gründen. Was jeder Vernunft entbehrt, wie ich finde.
    Also sollte man von der Gegenseite auch keine Rationalität erwarten.
    Es ist ein bisschen als würde man die Wohnung fluten, anstatt den Pflanzen wasser zu geben - und dann jammert wenn sich Schimmel bildet.

    P.S. Es ist aber für mich weit unterhaltsamer und die Reichweite und Beteiligung ist viel grösser, je agressiver der Ton ist.
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  • Purple Banana 10.11.2016 20:16
    Highlight Dies gilt sicher leider nicht nur für die Politik. Wenn man Äusserungen machen kann wie Trump sie gemacht hat und trotzdem (oder auch deswegen) POTUS wird was für ein Bild vermittelt das? Dass solche ein Ton absolut salonfähig geworden ist. Respekt ist ein Fremdwort.




    Blocher würde ich jetzt nicht gerade mit Glamour verbinden...
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