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In den olympischen Eishallen von Pyeongchang werden definitiv keine NHL-Stars auflaufen. Bild: Ahn Young-joon/AP/KEYSTONE

NHL bekräftigt Olympia-Boykott – die Quittung wird schon bald folgen

NHL-General Gary Bettman hält am Olympia-Boykott fest. Die Rechnung muss er erst in vier Jahren bezahlen.

31.05.17, 07:31 31.05.17, 08:13

Seit 1993 führt Gary Bettman die NHL, seit 1994 René Fasel als Präsident des Internationalen Hockey-Verbandes (IIHF) den Rest der Hockey-Welt.

Bettman hat die NHL zu einer Vier-Milliarden-Dollar-Maschine gemacht. Aber aussenpolitisch konnte er sich gegen René Fasel nicht durchsetzen. 1998, 2002, 2006, 2010 und 2014 musste er den NHL-Spielbetrieb unterbrechen, um seinen Stars die Teilnahme an den Olympischen Spielen zu ermöglichen.

René Fasel (r.) und Gary Bettman haben das Heu nicht mehr auf der gleichen Bühne. Bild: Gerry Broome/AP/KEYSTONE

Damit ist jetzt Schluss. Definitiv. Bettman hat soeben seine Absage noch einmal bekräftigt. 2018 macht die NHL keine Olympiapause. Sehr zum Verdruss von René Fasel. Er hatte in den letzten Tagen angedeutet, es könnte doch noch eine Einigung geben.

Aber die olympische Absage wird Gary Bettman Millionen kosten. 2022 in Peking will die NHL nämlich wieder dabei sein. Zu wichtig ist der Milliarden-Markt China für die wichtigste Hockey-Liga der Welt.

NHL-Stars bei Olympia immer willkommen

Für René Fasel ist klar, dass die NHL-Stars 2022 dabei sein werden. Die Erpressung: «Wenn ihr 2018 nicht kommt, dann könnt ihr 2022 auch nicht kommen», war für ihn nie eine Option. «Wenn die NHL-Spieler kommen wollen, dann werden wir niemals Nein sagen. Sie sind willkommen.»

So schön war's 2014: Die Highlights des OIympiafinals zwischen Kanada und Schweden. Video: YouTube/Olympic

Aber es wird etwas kosten. Bis anhin ist das IOC zusammen mit dem Internationalen Hockeyverband für alle Kosten (Versicherungen, Transport, Unterkunft der NHL-Gäste) aufgekommen. Die Gesamtkosten machten einen schönen zweistelligen Millionenbetrag aus.

Niemand darf an den Honigtopf

Der wahre Grund für die Absage von Gary Bettman ist das Geld. Die Erstattung aller Kosten und Spesen genügte ihm nicht mehr. René Fasel bestätigt, dass die NHL an den TV-Einnahmen des IOC partizipieren wollte. Er sagt: «Das ist absolut tabu.»

In dieser Sache weiss er sich auch mit IOC-Boss Thomas Bach einig. Würde die NHL an den Honigtopf der TV-Gelder gelassen, kämen umgehend die Forderungen der NBA (Basketball) oder der ATP und der WTA (Tennis), deren Stars ja auch auf der olympischen Bühne auftreten.

1980: Die US-Boys besiegen die grosse Sowjetunion. Bild: /AP/KEYSTONE

Ob die NHL-Spieler beim olympischen Turnier teilnehmen oder nicht, hat praktisch keine Auswirkungen auf die TV-Einschaltquoten und damit auf den Wert der TV-Rechte. Die Magie der Olympischen Spiele macht in den USA, im wichtigsten TV-Markt, nicht das Hockey. Sondern die Heldengeschichten aus anderen Sportarten (wie Eiskunstlauf). Ja, ein Hockey-Team aus «Nobodys» begeistert die Amis in der Regel mehr als die NHL-Dollarmillionäre, die ja sowieso gegen die Kanadier verlieren. Das «Miracle on Ice» von 1980 schafften College-Boys.

Der Zorn der NHL-Stars ist in dieser Sache unerheblich. Die Spielergewerkschaft kann Gary Bettman in der Olympia-Frage nicht beeinflussen. Die olympische Frage hat keine Auswirkungen auf die Verhandlungen um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag zwischen der Spielergewerkschaft und der Liga, die spätestens 2022 wieder für Schlagzeilen sorgen werden.

NHL muss alles selbst berappen

Bei dieser medienwirksam ausgetragenen Auseinandersetzung ist schon klar, wer gewinnen wird: die Liga. Wenn Milliardäre (die Klubbesitzer) mit Millionären (den Spielern) streiten, dann gewinnen immer die Milliardäre. So war es schon immer und so wird es bleiben. Die NHL-Stars mussten ja nach einer verlorenen Saison (2004/05) auch die Salär-Obergrenze akzeptieren.

Die IOC-Strategie ist klar: Die NHL-Stars kommen 2018 nicht – na und? Es wird deswegen nicht ein Ticket weniger verkauft und der Ertrag aus den Spielen von 2018 wird deswegen nicht um einen einzigen Dollar geringer sein. Im Gegenteil: Kosten in zweistelliger Millionenhöhe für die Hege und Pflege der NHL-Stars und ihrer Entourage entfallen. Die NHL-Stars werden 2022 in Peking herzlich willkommen sein. Aber für die Kosten muss die NHL dann, anders als 1998, 2002, 2006, 2010 und 2014, selber aufkommen.

Vielleicht profitiert ja die Schweiz in Pyeongchang von der Abwesenheit der NHL-Stars ... Bild: KEYSTONE

René Fasel sagt: «Wer im Jahr vier Milliarden umsetzt, der wird die paar Millionen für eine Olympiateilnahme schon aufbringen.» Und wenn die NHL auch 2022 nicht mitmacht, gilt für das IOC das gleiche wie für 2018: Na und? Die TV-Verträge für die Spiele von 2022 mit den nordamerikanischen TV-Titanen sind längst unter Dach und Fach und nicht an die Teilnahme der NHL-Stars gekoppelt.

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Pulo112, 20.12.2016
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  • Yotanke 31.05.2017 14:19
    Highlight Mag finanziell für das IOC kein Verlust sein, wie KZ schreibt. Sportlich ist es ein grosser Verlust. Für die Schweiz eine Möglichkeit an einer Olympiade eine Medaille zu holen (?). Für die NHL gilt: Hochmut kommt vor dem Fall.
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  • ujay 31.05.2017 13:49
    Highlight Ich hoffe,moeglichst viele NHL Spieler machen das nicht mit und kommen trotzdem mit ihren Nationalteams an die olympischen Spiele. Dass die NHL eher dem Showbusiness denn der sportlichen Seite zugewandt ist, ist bekannt. Geld ist die Droge und die Interessen der Spieler und nationalen Verbaende werden ignoriert.
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  • riqqo 31.05.2017 13:03
    Highlight Gut für die Kanadier. Die sind sich ja bereits ein komplettes Olympia-Team ohne NHL-Stars am aufbauen. Sehr schade ist es aber für jene Spieler, welche mit dieser Olympia vermutlich auch die letzte Chance für die Aufnahme in den Triple Gold Club verpassen werden.

    Ich freue mich auf das nächste Lockout, wenn die Verträge ausgelaufen sind. :-)
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  • morax 31.05.2017 12:03
    Highlight Das "na und?" kann ich nicht ganz teilen, denn schliesslich ist die Olympiade ein Kräftemessen der Länder mit den besten Spieler der Welt.
    Wo ist denn dann der Unterschied zur alljährlich stattfindenden Weltmeisterschaft? Nirgendsmehr... und das ist schade!
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    • Hockrates 31.05.2017 13:31
      Highlight Klar gibt es noch einen Unterschied: An der WM sind wenigstens teilweise NHL-Spieler dabei, an Olympia überhaupt keine mehr.
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  • Roaming212 31.05.2017 11:55
    Highlight Bin gespannt ob Ovechkin es wirklich durchzieht und einfach abreist für Olympia.
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    • Rock'n'Rohrbi 31.05.2017 14:55
      Highlight Vielleicht fängt er die Saison erst gar nicht an bei den Capitals? Putin lässt die KHL nicht im Stich und hätte die Kohle um das zu dealen.
      Donald gibt dann seinen Segen.
      Lässt Jared ausrichten 😂
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  • Echo der Zeit 31.05.2017 09:35
    Highlight Bettman - so ein richtiger Kapitalist - der muss den Sport Hassen.
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  • Tafaaser 31.05.2017 09:10
    Highlight Ist ja andererseits gut. Die Schweizer Auswahl wie auch der kanadische Verband können am Spengler Cup dann mal ein erstes Kräftemessen ausüben... Go for Gold Schwiiz
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    • Hallo22 31.05.2017 11:04
      Highlight Ich allerdings finde das der Spenglercup ein Klubturnier ist und eine schweizer Nationalmannschaft dort nichts zu suchen hat...
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    • Rock'n'Rohrbi 31.05.2017 14:50
      Highlight @Hallo22 ...der Spengler Cup ist vorallem eines: konkurenzlos über die Altjahrswoche in der Schweiz und daher kann es nix schaden wenn die Nati dort mitmacht. Dann wird es auch für nicht Davos Fans interessanter ;-)
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  • Dogbone 31.05.2017 08:45
    Highlight Das die NHL hier ihr Sonderzüglein durchsetzen kann, finde ich mehr als bedenklich - nicht zuletzt auch für deren Spieler, die mehrheitlich sicher an Olympia teilnehmen wollen. Da müsste der Eishockeyverband, das IOC, die Spielergewerkschaft und last but not least die amerikanische Presse, deutlich mehr Druck aufsetzen.
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  • Predator1997 31.05.2017 07:59
    Highlight Bettman ist ohnehin schon extrem unbeliebt. Bei jedem Auftritt wird er gnadenlos ausgepfiffen. Nach solchen Aktionen muss er sich nicht fragen warum. Ist richtig Sch***** das Olympia ohne die NHL Spieler statt findet.
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    • Mia_san_mia 31.05.2017 09:27
      Highlight Du sagst es. Ich habe immernoch gehofft, dass es noch eine Lösung gibt. Aber jetzt ist es wohl definitiv. Schade...
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