Sport

Admir Mehmedi läuft es super. Bild: EXPA Pictures

«Kein Jubelmeister», aber in Topform – Mehmedi vor dem Spiel gegen Ungarn 

Admir Mehmedi hat sich zu einem wichtigen Faktor der Schweizer Nati entwickelt. Auf wie auch neben dem Fussballplatz läuft es für den Kicker von Bayer Leverkusen gerade richtig gut. Beste Voraussetzungen also für ein gutes Quali-Spiel am kommenden Freitag in Ungarn.

Publiziert: 05.10.16, 13:43 Aktualisiert: 05.10.16, 14:04

Markus Brütsch / aargauerzeitung

Admir Mehmedi ist in Form. Beruflich und privat. Nach einer schwierigen ersten Saison hat er bei Bayer Leverkusen Tritt gefasst und sich in der Schweizer Nati zu einem unverzichtbaren Wert entwickelt. Weil bei ihm aber das Klappern nicht zum Handwerk gehört, wird er von manchen noch immer etwas unterschätzt. Dabei spielt der 25-jährige Winterthurer konstant auf hohem Niveau; in der Bundesliga, in der Champions League und in der Nati. Frisch vermählt, wirkt der Offensivspieler vor seinem 48. Länderspiel reifer und ausgeglichener denn je.

Voller Selbstbewusstsein rückt Mehmedi ins Nati-Camp ein. Bild: KEYSTONE

Admir Mehmedi, Sie fliegen heute mit der Nati nach Ungarn. Was kommt am Freitag auf Sie zu?
Ein starker Gegner, der bei der EM den Achtelfinal erreicht hat und dann gegen Belgien ausgeschieden ist. So komisch es klingen mag: Für uns wird dieses Spiel schwieriger als jenes gegen Portugal. Da wusste jeder, dass es gegen den Europameister geht. Wir dürfen jetzt auf keinen Fall nachlassen. Zumal mit Xhaka in Budapest ein sehr wichtiger Spieler fehlt. 1:1 können wir ihn nicht ersetzen, wir müssen das im Kollektiv hinkriegen. Es ist eine sehr wichtige Partie. Wenn wir gewinnen, können wir einen riesigen Schritt in Richtung WM machen.

Bleiben wir noch einen Moment beim Spiel gegen Portugal und beim Tor zum 2:0. Nachdem Sie von Seferovic den Ball bekommen hatten ...
... traf ich ihn super!

Sie jubelten aber überhaupt nicht, als er im Netz lag. Die Schweiz erlegt den Europameister, Sie schiessen ein wichtiges Tor und jubeln nicht!
Ich kann allgemein nicht so gut jubeln, bin nicht der Jubelmeister. Mit ein Grund war, dass ich müde war …

Ein wenig Jubel geht aber schon: Mehmedi mit Chicharito. Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Das Jubeln könnte Ihnen ganz leicht Ihr Leverkusener Teamkollege Chicharito beibringen.
Oh ja, der weiss, wie man das macht. Aber ich bin nun halt keiner, der viele Emotionen zeigt.

«Seit ich verheiratet bin, bin ich zwar kein anderer Mensch, aber viel ausgeglichener.»

Mehmedi zu seiner Hochzeit

War das auch bei der Heirat so?
Nein, da war ich tatsächlich sehr nervös. Ich hätte nie gedacht, dass ich so nervös sein könnte.

Aber jetzt passt alles.
Seit der Hochzeit im Sommer läuft es super. Privat geht es mir sehr gut. Seit ich verheiratet bin, bin ich zwar kein anderer Mensch, aber viel ausgeglichener. Bei meinem Klub läuft es mir seit Wochen ebenfalls ausgezeichnet.

Auch privat läuft es bei Mehmedi super. 

Durchleben Sie gerade die beste Phase Ihrer bisherigen Karriere?
Ja, ich würde schon sagen. Das Gute ist, dass ich gute wie auch schlechte Zeiten erlebt habe. Ich weiss, dass ich mich nicht zurücklehnen darf.

«Es wurde mir klar im Kopf, dass es an mir liegt, ob ich auf dem Platz stehe oder nicht.»

Mehmedi zu seiner Zeit auf der Bank bei Leverkusen

Hat Ihnen die gute EM geholfen, Ihr Standing bei Ihrem Verein und Trainer Roger Schmidt zu erhöhen?
Das kann sein. Aber ich denke, dass ich meine tolle Form vor allem der guten Vorbereitung verdanke, die ich mit Leverkusen gemacht habe. Es kommt nicht von ungefähr, dass ich plötzlich wieder spiele. Und auch gut spiele. Ich musste mir alles hart erarbeiten.

Augen zu und durch: Mehmedi beisst sich auch durch die schlechten Zeiten. Bild: EPA/KEYSTONE

Haben Sie nach der enttäuschenden letzten Saison über einen Vereinswechsel nachgedacht?
Natürlich macht man sich ab und zu seine Gedanken. Es war aber überhaupt nicht so, dass ich um jeden Preis weg wollte. Ich habe mittlerweile viele Freunde in Düsseldorf und Leverkusen. Ich fühle mich auch ausserhalb des Platzes gut. Und Bayer Leverkusen ist ja auch ein attraktiver Klub mit sehr hohem Ansehen.

Was hat Sie zum Bleiben bewegt?
Es gibt viele Spieler, die dem Trainer die Schuld geben, wenn sie nicht spielen. Ich habe mich auch hinterfragt, was falsch gelaufen ist. Ich habe sicherlich nicht die beste Leistung erbracht. Es wurde mir klar im Kopf, dass es an mir liegt, ob ich auf dem Platz stehe oder nicht. Viele geben in einer solchen Situation auf. Ich habe mich explizit damit befasst, was ich ändern muss.

Was denn?
Ich musste mich anders präsentieren. Auch im Training. So, wie es Trainer Schmidt eben verlangt. Er will einen anderen Fussball, einen aggressiven Stil, Pressing halt. Ich wusste, dass ich mich in diesem Bereich verbessern musste. Das habe ich entsprechend versucht. Es lief gut in der Vorbereitung.

Sie laufen extrem viel und arbeiten wie verrückt nach hinten. Haben Sie sich auch schon mal Gedanken darüber gemacht, dies etwas weniger intensiv zu tun, um dann vorne, wenn es ums Toreschiessen geht, frischer und konzentrierter zu sein?
Das könnte ich natürlich machen. Und es könnte sein, dass ich dann das eine oder andere Tor mehr erzielen würde. Aber das ist nicht mein Stil. Bei den Junioren war es noch anders. Da war ich eher der Regisseur und auch etwas dicker. Aber jetzt mache ich es gern, das Laufen und Grätschen. Ich investiere lieber in diese Belange als in den fotogenen Torjubel …

Umfrage

Gewinnt die Schweiz das WM-Quali-Spiel gegen Ungarn?

  • Abstimmen

1'234 Votes zu:Gewinnt die Schweiz das WM-Quali-Spiel gegen Ungarn?

  • 74%Ja, nach dem Sieg gegen Portugal nimmt die Nati den Schwung mit und holt den nächsten Dreier.
  • 19%Ungarn ist ein zäher Gegner. Es reicht am Ende für ein Unentschieden.
  • 6%Leider gibt es gegen Ungarn keine Punkte.

Wie weit laufen Sie denn in einem Spiel?
Zuletzt gegen Dortmund waren es 13 Kilometer (Mehmedi war der Laufstärkste seines Teams; die Red.). Ich bin topfit und in einer super Verfassung. Auch dank der EM und der EM-Vorbereitung. Wir hatten mit Konditionstrainer Olivier Riedwyl sehr gut gearbeitet.

In diesem Trainingslager in Lugano ging es aber längst nicht nur um die Kondition. Es heisst, es sei sehr wichtig gewesen für den Geist dieser Mannschaft und ihr Sozialleben.
Wir hatten zuvor in den Testspielen gegen Irland und Bosnien eine Phase gehabt, während der es nicht gut aussah. Wir waren vor der Europameisterschaft ein bisschen down. Das EM-Trainingslager in Lugano hat uns als Mannschaft dann sehr stark zusammengeschweisst. Auch ausserhalb des Platzes. Wir hatten ein super Trainingslager und sprachen auch Dinge an, die vielleicht nicht so gut waren.

Wir verstanden uns immer gut.

Mehmedi über das Teamgefüge in der Nati

Bild: EPA/KEYSTONE

Worum ging es da?
Dass wir kompakter auftreten müssen, keine Einzelkämpfer sein dürfen, sondern als Mannschaft zusammenhalten müssen.

Ging es auch um Zwischenmenschliches?
In diesem Bereich hatten wir nie wirklich Probleme. Wir verstanden uns immer gut. Mit Behrami, Fernandes, Lichtsteiner und Dzemaili haben wir erfahrene Spieler, die auch mal den einen oder anderen rausnehmen und ihm sagen, dies und das müsse er anders machen. Wir haben eine gute Mischung zwischen jungen und erfahrenen Spielern. Auch ganz jungen, die wie Elvedi im Ausland schon auf einem hohen Niveau spielen.

«Was ich aber weiss: Zum Abschluss meiner Karriere werde ich noch ein Jahr beim FC Winterthur spielen.»

Mehmedi über sein Karrierenende

Sprechen auch Sie mit den Jungen?
Weniger. Das sollen jene machen, die länger dabei sind als ich. Wenn diese sich einen Jungen zur Brust nehmen, zeigt es Wirkung. Aber wenn jemand Rat von mir will, verschliesse ich mich selbstverständlich nicht.

Mehmedi ist eher der ruhigere Typ. Bild: KEYSTONE

Wäre es für das Mannschaftsleben, für die soziale Konstellation, schlecht gewesen, wenn Inler wieder zur Mannschaft gestossen wäre?
Das weiss ich nicht. Zum Glück bin ich nicht Nationaltrainer. Was ich aber weiss: Zum Abschluss meiner Karriere werde ich noch ein Jahr beim FC Winterthur spielen. Bei diesem habe ich bis zur U15 gespielt. Ich bin in Winterthur aufgewachsen, meine Familie lebt da und ich fühle mich in der Stadt wohl. 

Formbarometer der Schweizer Nati-Stars

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

24.04.1996: Das Ende von Nati-Trainer Artur Jorge nimmt ausgerechnet mit dem einzigen Sieg seiner kurzen Ära den Anfang 

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

09.08.2009: Basel-Goalie Costanzo wird für drei Spiele gesperrt – nach einer Attacke auf den eigenen Mitspieler

22.02.2004: St.Gallens Kultfigur «Zelli» muss in der Not ins Tor und kratzt den Ball in «seiner» Ecke

25.9.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

08.10.2010: Vucinic lässt der Schweiz die Hosen runter und trägt sie als Kopfschmuck

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

26.06.1954: Die Schweiz kassiert gegen Österreich in der «Hitzeschlacht von Lausanne» eine ihrer bittersten Niederlagen

10.09. 2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

03.05.1994: Mit dem Sonderflug zur spontanen Aufstiegsfeier auf den Barfi

12.04.2004: Der grosse Robbie Williams führt den kleinen FC Wil zum Cupsieg gegen GC

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

07.09.2005: Nati-Goalie Zuberbühler kassiert auf Zypern ein Riesen-Ei und schiebt die Schuld dafür dem «Blick» in die Schuhe

26.06.2006: «Züngeler» Streller leitet das peinliche Schweizer Penalty-Debakel ein

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

26.04.2003: Colombas Goalie-Goal lässt Razzetti alt aussehen und den FC Aarau unabsteigbar bleiben

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

25.11.2009: Das beste Fussball-Musikvideo aller Zeiten erscheint auf Youtube – über den FC Aarau

01.11.1989: Nur durch einen Witz-Penalty zwingt Diego Maradonas Napoli die tapferen Wettinger in die Knie

12.11.2002: Basel holt gegen Liverpool ein 3:3 und Beni Thurnheer schwärmt: «Dieses Spiel müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

30.04.2011: Cabanas fordert vom Basler Schiri Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

01.09.2007: Mit dem letzten Spiel im Hardturm-Stadion gehen 78 Jahre Geschichte zu Ende

05.12.2004: Paulo Diogo gewinnt mit Servette wichtige Punkte im Abstiegskampf – und verliert dabei einen Finger

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

30.05.1981: Der Wolf und seine «Abbruch GmbH» entfachen mit dem 2:1-Sieg gegen England eine neue Fussball-Euphorie

07.10.1989: Der «Fall Klötzli» – vier Wettinger gehen auf den Schiri los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfeift

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

30.07.2000: Nur GC-Milchbubi Peter Jehle steht noch zwischen FCB-Legende Massimo Ceccaroni und seinem allerersten Tor

11.08.2010: Moreno Costanzo schiesst mit seiner ersten Ballberührung als Natispieler gleich den Siegtreffer

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

01.05.1993: Marc Hottigers Knallertor versenkt Italien – und er verärgert die Azzurri danach mit einer frechen Leibchentausch-Bitte 

16.04.2009: «Jawoll, jawoll, jawoll, jawoll … YB isch im Göppfinau!»

15.11.2009: Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

16.11.2005: Die Nacht der Tritte und Schläge – einer der grössten Nati-Erfolge verkommt zur «Schande von Istanbul»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die catson-App!

Deine Katze würde catson 5 Sterne geben – wenn sie Daumen hätte.
4 Kommentare anzeigen
4
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Mia_san_mia 05.10.2016 22:46
    Highlight Mehmedi gefällt mir sehr gut in letzter Zeit. Er ist irgendwie ein cooler Typ, hoffentlich läufts für ihn weiter so gut.
    2 0 Melden
    600
  • MaryTheOne 05.10.2016 14:13
    Highlight ist doch egal, ob er nach einem Tor jubelt, die Ohren zuhält oder sich einfach im Stillen freut - wichtig ist doch, dass er trifft und seine Leistung abrufen kann.
    9 1 Melden
    600
  • R10 05.10.2016 14:04
    Highlight Freut mich für Mehmedi, dass es für ihn bei Bayer wieder besser läuft. Ein sympathischer und bodenständiger Typ. Zu seinen Interwievs muss man wohl nicht mehr viel sagen ;) obwohl sich dies offensichtlich mittlerweile gebessert hat :D
    30 1 Melden
    • Devante 05.10.2016 16:28
      Highlight die interviews sind kult. zu seinen fcz-zeiten gab es ein paar göttliche aussagen :) "ich bin nöd da zum liibli tusche"
      5 1 Melden
    600

Der Weg zum Fussballstar: Wie die Schweiz den nächsten Embolo findet

Früher tingelten die Scouts durch die Provinz in der Hoffnung, für ihren Verein den nächsten Stéphane Chapuisat zu finden. Diese Zeiten sind längst vorbei. Wer heute Talent hat, fällt kaum mehr durch die Maschen. Es fragt sich höchstens: Spielt der nächste Embolo in meinem Bezirk?

Ein kalter Sonntag im November auf dem Heerenschürli, Schwamendingen: Die 200 talentiertesten 12-Jährigen des Kantons tragen auf 16 Teams verteilt ein Turnier aus. Adrian fällt sofort auf. Der Spieler des FCZ-Stützpunkts Meilen schiesst für sein Team die ersten vier Tore beim klaren Sieg. Ist er der neue Embolo am Schweizer Fussballhimmel? Vielleicht.

Fakt ist: Praktisch jedes Kind, das irgendwann mal in Berührung mit Fussball kam, träumt von einer Profi-Karriere. Früher gehörte neben viel …

Artikel lesen