Die grossartige Story, wie es ein Hobby-Goalie in die NHL schaffte
Der grösste Tag in der Karriere von Eishockey-Goalie Eric Semborski beginnt mit einem medizinischen Notfall. Corey Crawford, Keeper des NHL-Teams Chicago Blackhawks, fĂ€llt wegen einer Blinddarm-Operation kurzfristig fĂŒr die Partie in Philadelphia aus. Das Problem der Blackhawks: Bis zum Spielbeginn dauert es nur noch zwei Stunden und Chicagos Farmteam ist zu weit entfernt, als dass es einer dessen Goalies noch rechtzeitig schaffen könnte.
Bei Ă€hnlichen FĂ€llen in der Vergangenheit sprang auch schon der Goalietrainer als Ersatzkeeper ein. Doch im Falle der Blackhawks geht das nicht. Denn als ehemaliger Profi wĂŒrde der 47-jĂ€hrige Jimmy Waite den Salary Cap belasten.
Also greift die Regel, dass jedes NHL-Team fĂŒr ihre Heimspiele einen Amateur-Goalie bereit haben muss, der im Bedarfsfall spielen kann. Eric Semborskis Name befindet sich auf der Liste der Flyers â obwohl er nicht weiss, wer ihn darauf gesetzt hat. Kaum zu glauben: Der letzte Ernsteinsatz des Hobby-Spielers liegt bereits ein Jahr zurĂŒck.
"It was surreal... I can't explain it... A dream come true." Emergency backup goalie Eric Semborski on his big day for the Blackhawks. pic.twitter.com/duPsbjBDQL
— Chicago Blackhawks (@NHLBlackhawks) 4. Dezember 2016
Die «nette» BegrĂŒssung der neuen Kollegen âŠ
Als der 23-JÀhrige am Samstagvormittag als «Emergency Backup Goalie» aufgeboten wird, leitet er gerade ein Kindertraining in einem Vorort Philadelphias. Semborski fÀhrt sofort nach Hause, packt seine Siebensachen und macht sich auf den Weg zum Stadion. Unterwegs ruft er seinen Vater an, gratuliert zu dessen 58. Geburtstag und muss ihm drei Mal erzÀhlen, was gerade geschieht, ehe er es glaubt.
12.30 Uhr, noch eine halbe Stunde bis zum Spielbeginn. Eric Semborski kommt in der Garderobe der Chicago Blackhawks an. Und wird von den Stars gefoppt: Er sei zu spĂ€t. Und einen Anzug trage er auch nicht. Das mache dann 200 Dollar fĂŒr die Teamkasse, bitteschön âŠ
Schnell zieht sich Semborski die AusrĂŒstung an, dazu ein Trikot mit der Nummer 50. Wobei nicht Crawfords Name aufgestickt ist, sondern bereits seiner. Dann geht es hinaus zum AufwĂ€rmen.
Schuss von Kane gestoppt
«Ich war ein bisschen eingerostet», gibt der Hobby-Goalie danach zu Protokoll, doch dieses Warm-up seien die besten 20 Minuten seiner Eishockey-Karriere gewesen. «Es ging alles so schnell und mir verschlug es beinahe den Atem, weil ich einfach alles aufsaugen wollte. Ich wusste, dass ich kaum einen Puck wĂŒrde halten können. Mit GlĂŒck wĂŒrde ich Paraden machen können, wenn sie mich anschiessen.»
In der Tat fliegen Semborski die Scheiben nur so um die Ohren. Doch einen der letzten SchĂŒsse stoppt er: Einen von Patrick Kane, in der letzten Saison der Liga-Topskorer. «Das war sehr cool, daran werde ich mich ewig erinnern», strahlte Semborski.
Eric Semborski makes a save on Patrick Kane near the end of this. How great is this? Dude's living the dream. #Blackhawks pic.twitter.com/9wqTptWTQb
— Mark Lazerus (@MarkLazerus) 3. Dezember 2016
WĂ€hrend des Spiels hat er den besten Platz im Stadion und er steht als Ersatzgoalie bereit, um notfalls eingewechselt zu werden. Er glaubt nicht daran, dass es dazu kommt. Doch Chicagos Coach Joel Quenneville gibt spĂ€ter zu Protokoll, dass dies fĂŒr ihn im Mitteldrittel durchaus eine Option gewesen sei. «Das wĂ€re ein grosser Fehler gewesen», sagte Semborski lachend.
«FĂŒr mich wurde ein Traum wahr»
Beinahe kommt er dennoch zu einem grossen Auftritt auf NHL-Eis. Denn Quenneville ersetzt beim Stand von 1:3 rund 90 Sekunden vor dem Ende Goalie Scott Darling durch einen zusĂ€tzlichen Feldspieler. HĂ€tte Philadelphia in dieser Phase das alles entscheidende 4:1 erzielt, hĂ€tte der GĂ€ste-Coach danach dem Notfall-Goalie ein Geschenk gemacht, um sich so fĂŒr dessen Hilfe zu bedanken. Dazu kommt es nicht.
Bezahlt wird Eric Semborski als Amateur nicht, was ihn aber nicht im Geringsten stört: «Eigentlich sollte ich ihnen etwas geben, es war grossartig.» Die Halle verlĂ€sst er mit einigen unterschriebenen Pucks, einer Blackhawks-DĂ€chlikappe und dem Versprechen, dass Chicago ihm ein Trikot schicken wird. Und mit Erinnerungen an ein unbezahlbares und wohl einmaliges Erlebnis: «FĂŒr mich wurde heute ein Traum wahr.»
If the #Blackhawks win the Cup, will Eric Semborski demand his name be on it? "No, I want a ring."
— Mark Lazerus (@MarkLazerus) 3. Dezember 2016
